anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Freitag, 3. Juli 2020
Lebenserträglichkeit
Sie kennen das? Wenn die Gelderwerbsarbeit Sie so belastet, dass Ihnen eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung als verlockende Alternative erscheint?
(Nein, antworten Sie nicht: Ihnen fehlt sehr wahrscheinlich die Grundlage, ohnehin nicht gerne zu leben und auf Lebenserträglichkeit angewiesen zu sein.)


Die Kaltmamsell bringt in einem Nebensatz ein Dauerthema meines Lebens derart perfekt auf den Punkt, dass ich nur staunend davor stehe und sage: Ja natürlich, das ist es. Warum bin ich eigentlich Zeit meines Lebens immer davon ausgegangen, dass jeder Mensch von Natur aus und damit sozusagen gottgegeben selbstverständlich als Standardeinstellung das Gefühl "Ich lebe gerne" haben müsste?
Weil, wenn die Grundeinstellung bei der Auslieferung, also ab Geburt nicht auf "oh, wie ist das schön", sondern vielleicht nur auf "ja nun, muss ja" stand, dann fühlt sich das gesamte Leben deutlich anders an.

Und dann wird Lebenserträglichkeit zu einem Zauberwort.

Ich glaube oder bilde mir ein, dass ich mich so für den Hausgebrauch einigermaßen umfassend mit Depressionen auskenne und deshalb weiß, dass ich davon nicht betroffen bin, zumindest nicht in dem Maß, dass es klinisch behandelt werden müsste.
Andere Definitionen mag es geben, die auch kleinere seelische Zipperlein sofort als "nicht neurotypisch" diagnostizieren und natürlich hat jeder Mensch auch seine eigene, höchstindividuelle Leidensfähigkeit, so dass es sicherlich einen Ansatz gibt, auch schon das Fehlen einer positiven Grundeinstellung zum Leben insgesamt klinisch zu behandeln und als irgendeine ernstzunehmende Psychokrankheit zu bezeichnen, aber da ich diese Art der Psychokrankheiten in eine vergleichbare Schublade stecke wie Rheuma oder andere Autoimmunkrankheiten, gibt es darunter halt schwere Ausprägungen, die definitiv behandelt werden müssen und leichtere, mit denen man sich irgendwie arrangieren kann oder an denen man sehr gut auch mit allgemeinen Hausrezepten erfolgreich rumdoktorn kann, denn auch die Fachleute haben bei Autoimmunkrankheiten in aller Regel nur Symptomlinderungsmöglichkeiten - wirklich heilen kann man solche Krankheiten halt nicht, man kann (muss) aber lernen, damit zu leben.

In meinem familiären Umfeld gibt es reichlich Anschauungsmaterial für Depressionen in jeder Ausprägungsgüte, ein Grund, weshalb ich mich sehr intensiv, aus vielen verschiedenen Quellen und Kanälen und auch schon seit langer Zeit mit dem Thema "Depression - Arten, Auftreten und Hintergründe" beschäftigt habe.
Mein Opa hat sich nach mehreren erfolglosen Versuchen irgendwann erfolgreich umgebracht, mein Vater hat bisher nur einen erfolglosen Versuch hinter sich, andere Familienmitglieder sind seit Jahren immer mal wieder und dann auch für längere Zeit in stationärer Behandlung, eben immer dann, wenn es anders gar nicht mehr geht, ein Kind hat eine therapeutische Behandlung durchlaufen, weil es Schule, Kinderarzt und auch ich selber wenigstens für einen brauchbaren Versuch hielten und ein anderes wird eine durchlaufen, weil das die Voraussetzung für den Facharzt in diesem Gebiet ist. - Ich denke also, es mangelt mir nicht an ausreichender Erfahrung und Information über diese Krankheit.

Das Bild, dass Depressionen sowas wie eine Autoimmunerkrankung sind (und ja, ich weiß, dass es auch "degenerative Formen" gibt, wie bei Rheuma auch) habe ich mir selber zurechtgelegt, weil ich erstens finde, dass es ein passender Vergleich ist und weil damit außerdem die Frage nach dem "warum?" und gleichzeitig auch dem "wann bin ich geheilt?" nicht mehr beantwortet werden muss. Wenn man Pech hat, erwischt man halt eine Disposition dafür, shit happens, man muss dann eben lernen, damit umzugehen und wissen, wann ein Schub so stark ist, dass man professionelle Hilfe braucht.

Verglichen mit anderen Mitgliedern in meiner Familie habe ich deshalb nur eine auf "nun ja, hilft ja nix" zurückgedrehte Grundeinstellung zum Leben mitbekommen, damit kann ich normalerweise sehr gut leben, und um im Bild der Immunstörungen zu bleiben, ist das eher so etwas wie ein Heuschnupfen, aber sicher noch keine richtige Autoimmunkrankheit. Allerdings kann auch ein Heuschnupfen zwischendurch recht anstrengend sein und bei anderen Leuten den Eindruck erwecken, man wäre ernsthaft krank, weil man sich bei einer richtig üblen Heuschnupfenattacke ja auch selber schnell leid tut, weil es so ätzend ist.

Die meiste Zeit des Jahres kann ich mich mit meinem "Heuschnupfen" aber ganz gut arrangieren, an vielen Tagen merke ich noch nicht mal, dass es da vielleicht eine kleine Holprigkeit im allgemeinen Befinden geben könnte, ich kenne mein Leben schließlich auch nicht anders und da es mich grundsätzlich nicht am Leben selber hindert, lebe ich halt einfach so vor mich hin und denke nicht weiter darüber nach.
Erst wenn ich mit anderen Menschen zusammen bin oder wenn ich mit Erstaunen beobachte, wofür sich andere Menschen intensiv begeistern können, fällt mir auf, dass ich in vielen Dingen irgendwie anders ticke. "Das Leben ist toll." oder "Ich lebe gerne" sind so Sätze, die finde ich genauso kitschig, kindisch, aufgesetzt und übertrieben wie Schlager von Helene Fischer oder Jürgen Drews. Ist ja ganz nett, kann man auch sicher mal sagen, aber genauso gut kann man es auch bleiben lassen, denn es ist entweder trivial oder gelogen. Finde ich.

Das heißt übrigens nicht, dass es nicht ganz viele Dinge gibt, an denen ich wirklich Spaß habe, die ich gerne mache, über die ich mich freue, im Gegenteil, ich würde von mir sogar behaupten, dass ich absolut ein eher positiver Mensch bin, ich habe deutlich mehr gute als schlechte Laune und Trübsinn blasen ist etwas, das kommt bei mir so gut wie nie vor, weil ich grundsätzlich sehr energisch dagegen angehe. Wenn es Dinge gibt, die mir nicht passen, dann gebe ich mir viel Mühe, sie zu ändern - oder sie abzustellen. Change it, leave it oder love it - die Grundmelodie meines Lebens, wobei "love it" bei mir in der Regel dem eher fatalistisch akzeptierenden "hilft ja nix" entspricht.

"Duldsam" ist dagegen ein Attribut, das mal so gar nicht zu mir passt.
Genauso wenig wie "dankbar", im Gegenteil, "dankbar" macht mich fast automatisch aggressiv und funktioniert bei mir wunderbar als Triggerwort zum Aufregen, denn beides sind Ausdrücke gelebter Passivität und genau das ist etwas, was ich aktiv ablehne. Wenn ich nichts mehr aktiv tun kann, wenn ich nur noch dankbar und duldsam darauf warten kann, dass mein Leben an mir vorbeizieht, nun, dann fehlt mir persönlich endgültig der Grund, wofür dieses Leben dann überhaupt gut sein soll. Mag ja sein, dass es anderen viel schlechter geht, aber das ist doch kein Grund, für den eigenen, unveränderlichen Zustand dankbar zu sein. Wem auch? Und warum soll ich etwas erdulden, wenn es vielleicht auch eine Möglichkeit gibt, es zu ändern?
Wenn ich aber irgendwann feststelle, dass sich bestimmte, negative Lebensumstände wohl als Dauerzustand etabliert haben und ich keine Chance mehr sehe, sie zu verändern, dann ist bei mir der Weg zur Lebensunerträglichkeit nicht mehr weit, das ist mir absolut klar, das finde ich aber auch nicht schlimm.

Der Beitrag von Frau Kaltmamsell ist mittlerweile schon ein paar Tage her, ich musste erst mal gründlich darüber nachdenke, was mich an diesen zwei einfachen Sätzen so besonders fasziniert hat, aber ich denke, es ist vor allem die Beiläufigkeit, mit der Frau Kaltmamsell festhält, dass es eben keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist, gerne zu leben. Überhaupt zu leben, das ist sicherlich selbstverständlich, weil die Alternative eben nur "nicht am Leben zu sein" ist, und mit Menschen, die nicht mehr am Leben sind, muss ich solche Themen nicht besprechen. Dass man aber nur deshalb, weil man lebt, das auch automatisch gerne tun muss, das wird extrem selten hinterfragt bzw. von vielen Leuten als genau die falsche Selbstverständlichkeit unterstellt, die es eben nicht ist. Vielleicht sollte man diesen Menschen deshalb konsequent mit der umgedrehten Fragestellung begegnen: "Weshalb sollte man überhaupt gerne leben?"
Ich weiß da drauf nämlich keine Antwort, zumindest keine generelle, die das "gerne leben" als Selbstverständlichkeit begründen könnte. Ich kann viele Einzelsituationen benennen, in denen mir das Leben wirklich Spaß macht und natürlich lebe ich gerne für Dinge, die mir Spaß machen, ich kann aber auch viele Einzelsituationen benennen, in denen mir das Leben ausdrücklich keinen Spaß macht und die ich nur deshalb akzeptiere, weil ich jedes Mal die (berechtigte) Hoffnung habe, dass das nur ein vorübergehender Zustand ist und dass sich das wieder ändern wird, um wenigstens eine durchschnittliche Erträglichkeit zu erreichen.
Denn genau das ist es, was ich als Mindeststandard brauche, um überhaupt leben zu wollen.

Weil mir das aber auch schon immer bewusst war, achte ich aktiv darauf, dass ich mir diese Lebenserträglichkeit erhalte, womit sich viele Eigenarten, die ich im Laufe der Jahre entwickelt habe, erklären lassen. Dazu gehört z.B. das schon fast reflexhafte Rückwärtsgehen, wenn Menschen andere Vorstellungen haben als ich. Meine Standardreaktion ist "Dann eben nicht. Dann mach du wie du meinst - ich komm auch ohne dich klar." - Umstände zu akzeptieren, die das Leben für mich noch unerträglicher machen als es per default schon ist, lehne ich grundsätzlich ab, zu nah ist der Abgrund des endgültigen Abrutschens. Love it or leave it. Natürlich könnte ich es auch mit "change it" versuchen, aber wenn es um Meinungen und Einstellungen geht, respektiere ich grundsätzlich eine andere Grundhaltung und würde die deshalb nie verändern wollen, aber umgehen möchte ich auch nicht damit, deshalb gehe ich dann eben.
Kompromisse sind deshalb auch etwas, was ich in aller Regel zutiefst ablehne. Dann lieber gar nicht, denn meine Grundlinie ist die Lebenserträglichkeit. Da bleibt nicht viel Spielraum, wenn man nur knapp kalkuliert, denn weniger als mindestens ist halt unerträglich
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Sonntag, 21. Juni 2020
Wenn einer geht
So eifrig ich gestern durch den Tag gewuselt bin, so nichtstuerisch habe ich den Tag heute begangen, im Durchschnitt sind damit beide Tage im angemessenen Bereich.

Die Schwester zog nicht nur um, sie zog vor allem aus und das machte den Umzug deutlich komplizierter als Umzüge von Natur aus sonst schon sind.
Sie hat sich nach über als 20 Jahren Ehe von ihrem Mann getrennt, der mit dem jüngsten Kind und unserer Mutter in dem gemeinsamen Riesenhaus zurückbleibt.

Ich habe so etwas Ähnliches ja schon vor 12 Jahren gemacht, nur habe ich damals einen Mann verlassen, der mich so geliebt hat wie ich war und nicht das fiktive Leben mit mir, das für ihn noch für immer so hätte weiterlaufen können.
CW war ernsthaft ge- und betroffen, als ich ihm damals erklärte, dass ich künftig lieber ohne ihn leben möchte, aber grade weil er mich auch wirklich gut kannte, wusste er, dass ich nicht gehe, weil ich einen anderen habe oder weil ich ihn nicht mehr liebe (beides Gründe, die man sehr gut hätte nach vorne schieben können und die auch beide eine gewisse Berechtigung gehabt hätten), sondern weil es einfach Materialermüdung war, die mich irgendwann so mürbe gemacht hat, dass ich das gemeinsame Leben in der Form nicht mehr ertragen konnte.
Es lag nicht an CW, es lag daran, dass ich viele Jahre ein Leben geführt habe, für das dann irgendwann einfach die Zeit vorbei war. Mir wurde klar, dass sich an meinem Leben nichts Grundlegendes mehr ändern wird, wenn ich mit CW weiterlebe, dass ich aber im Laufe der Zeit auch immer stärker das Gefühl bekommen habe, das kann nicht alles gewesen sein, es muss noch mehr als alles geben.
Das Leben mit CW war sicherlich kein schlechtes Leben, ganz im Gegenteil, ich habe immer alles bekommen, was ich haben wollte und CW hätte immer alles für mich getan, wenn ich darum gebeten hätte, aber es war auch gleichzeitig ein Vorzeigeleben. Wir waren schillernde Paradiesvögel, die überall auffielen und auf die sicherlich auch viele Leute neidisch waren.
Für CW war es das Leben, in dem er sich am wohlsten fühlte, das war genau auf ihn zugeschnitten und ich war die perfekte Frau an seiner Seite, weil ich nicht nur seine Spleens ertrug, sondern auch überall immer wieder alles ausbügelte, glattzog und für Ordnung sorgte, wo er mal wieder den Bogen überspannt hatte.
Und CW hat mich dafür geliebt, dass ich all das konnte, was er nicht konnte, was er aber niemals nach außen zugegeben hätte. Wir waren ein ziemlich gutes Team.

Bis unsere Zeit abgelaufen war, weil es mir plötzlich nicht mehr reichte, dass ich alles hatte. Ich musste deshalb gehen und suchen, ob es draußen in der Welt nicht noch ein anderes Leben für mich gibt, eines, das mir mehr als alles bietet.

Als ich damals auszog, nahm ich nicht nur mein eigenes Leben mit, ich nahm CW vor allem auch unser gemeinsames Leben weg, und das war für ihn wirklich schrecklich, denn er hatte unser gemeinsames Leben ja bis zum Schluss gemocht.

Aber er ließ mich nicht nur gehen, er konnte es sogar verstehen, denn auch das ist Teil von echter Liebe. Nicht nur sein eigenes, kleines Ego in den Mittelpunkt aller Gefühle zu stellen, sondern den tiefen Wunsch zu spüren, dass es dem, den man wirklich liebt, so gut geht wie nur möglich.
Das war CW, dafür habe ich ihn geliebt und dafür habe ich ihn auch immer respektiert.
Verglichen mit meiner Schwester habe ich bei meinem Trennungsauszug sicherlich den einfacheren Teil erwischt, denn von allen Männern zum Verlassen war CW einer der allerangenehmsten.

Ich weiß also, wie kompliziert Umzüge sind, die auch gleichzeitig Auszüge sind, man sortiert einen Haushalt auseinander, der nachher auf beiden Seiten unvollständig ist, mit jedem Teil, das man zurücklässt verabschiedet man sich von seinem alten Leben, was in Summe dann doch eine Menge Abschiede sind, gleichzeitig weiß man bei jedem Teil, das man mitnimmt, dass man dem anderen damit ein weiteres Stück seiner Erinnerungen raubt, es ist ein insgesamt ungemein schmerzhafter Prozess.

Meine Schwester muss sowohl bei ihrem Auszug als auch bei ihrer Trennung mit viel mehr Problemen und Widerständen kämpfen als das für mich auch nur im Ansatz ein Thema war, weshalb ich es gestern doppelt wichtig fand, dass wenigstens ein Teil ihrer Familie verlässlich da ist, denn genau das ist es doch, wofür man Familie braucht, nicht nur um oppulente Familienfeste mit tollen Fotos zum Vorzeigen zu produzieren, finde ich
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Dienstag, 16. Juni 2020
Denken ist harte Arbeit
Ich habe heute entdeckt, dass mir komplexe, aufwändige und zeitintensive Arbeiten deutlich mehr Spaß machen als kleine, einfache und schnell zu erledigende Aufgaben.
Je einfacher es mir fällt, Dinge mal eben zu erledigen, umso mehr neige ich dazu, grade diese Aufgaben vor mir her zu schieben, weil ich einfach keine Lust dazu haben, sie abzuarbeiten.
Ich finde das vor allem deshalb bemerkenswert, weil ich mich gleichzeitig auch als "von Grund auf faul und bequem" bezeichnen würde und "Denken" zu den Tätigkeiten gehört, die ich grundsätzlich anstrengend finde.

Ich habe mich grade erst am Wochenende mit C über "Denken" unterhalten und wir waren uns beide einig, dass Denken eine wirklich lästige und anstrengende Tätigkeit ist, die wir auch beide nicht gerne machen. C* hat am Wochenende meine Nähmaschine benutzt und dabei festgestellt, dass Nähen zu 90% aus Denken besteht, die eigentliche Technik des Nähens ist anschließend nicht von Bedeutung.
*nur fürs Protokoll: C studiert wissenschaftliche Statistik, ganz ungeübt ist sie im Denken also nicht.

Ich wusste sofort, was sie damit meint und teile ihre Meinung komplett. Richtig hartes Denken ist echt übel und ich vermeide es, wann immer möglich.

Und trotzdem finde ich komplexe, denkintensive Aufgaben besser als Dinge, die ich einfach mal so nebenher erledigen kann.

Das fasziniert mich jetzt grade selber, darüber muss ich noch mal gründlich nachdenken
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Freitag, 15. Mai 2020
Wenn alle immer lieb und nett zueinander sind
Wenn alle Menschen immer lieb und nett zu einander wären, wäre das nicht eine tolle Welt?

Meine Mutter ist ein Mensch, die grundsätzlich an das Gute im Menschen glaubt und fest davon überzeugt ist, dass die Welt eine viel bessere wäre, wenn alle Menschen einfach immer nur nett und freundlich zu allen anderen Menschen wären. Dann hätte man - schwupps - alle Bösartigkeiten, Gemeinheiten, Feindseligkeiten, Feindschaften, eben alles Schlechte in der Welt komplett aus dieser Welt entfernt, das ist doch eine tolle Sache und sie kann überhaupt nicht verstehen, warum das nicht funktioniert.

Ich kenne auch andere Menschen, die meinen, sie müssten nur genug Liebe verbreiten, dann wird alles gut.
Ich erinnere mich noch sehr gut an das Gespräch mit einer Kollegin, die völlig am Boden zerstört war, weil ihr Freund sie verlassen hatte, dabei liebte sie ihn doch immer noch.


"Aber wenn ich dich noch liebe, zählt das gar nichts?" Ist allerdings auch ein Satz, denn ich selber schon zu hören bekommen habe und ich habe mich gefragt, was der Mensch, der das fragt, eigentlich erwartet? Er liebt mich und das reicht für uns beide, ist egal, was ich möchte? Wenn das oberste Ziel des Lebens ist, dass ich als erstes und zuvörderst immer lieb und nett zu anderen sein soll, muss es sogar per Definition egal sein, was ich möchte, ich bin schließlich nur ein kleines, winziges Teilchen im Gesamtsystem und meine Hauptaufgabe besteht darin, keine Unruhe ins System zu bringen. Alles ist erlaubt, solange es keinen Streit gibt. Streit ist das eigentliche Übel, wer streitet ist schuld. Und schlecht und böse.
Wenn der andere mich also liebt, dann habe ich ihn gefälligst zurückzulieben, oder auf alle Fälle darf ich nichts tun, was diese Liebe in Frage stellt, denn Liebe geht über alles. Wer liebt ist ein guter Mensch, wer nicht liebt, ist schlecht. Der trägt die böse Saat der Ablehnung und Zurückweisung in sich und das ist grundsätzlich negativ und eben weit weg von "wir sind immer lieb und nett zueinander."

Jetzt gibt es tatsächlich Menschen, die sind immer lieb und freundlich. "Positiv zugewandt" ist so ein Ausdruck, der mir dazu spontan einfällt und unter Manipulationsgesichtspunkten akzeptiere ich sofort, dass das ein kluges Verhalten ist, denn natürlich reagiert darauf jeder ebenfalls positiv und freut sich, wenn er vom anderen gemocht, akzeptiert und wertgeschätzt wird. Und wenn man möchte, dass andere Leute etwas für einen tun, wenn man sich also ein funktionierendes Netzwerk aufbauen will, in dem man im extremsten Fall selber nur wie eine fette Spinne in der Mitte sitzt und darauf wartet, dass einen das Netz mit Futter versorgt, dann ist es ausgesprochen wichtig, dass es viele Menschen gibt, die einen selber eben auch akzeptieren, mögen und wertschätzen, denn sonst gingen sie meinem Netz wahrscheinlich weiträumig aus dem Weg.
CW war Weltmeister in dieser Disziplin. Er hat anderen Menschen so perfekt vorgegaukelt, dass er sie mag, dass er sie ganz besonders wertschätzt, dass er selber natürlich ein guter Freund ist und dass er sie selbstverständlich immer unterstützen würde, dass die Truppe an Individuen, die er sich da als "Freunde" zusammengesammelt hatte, schon ein sehr skurriler Haufen war und mich faszinierte regelmäßig, wie fest alle diese Freunde davon überzeugt waren, seine Freunde zu sein bzw. wie sicher jeder für sich glaubte, er selber habe eine ganz eigene, ganz besondere Beziehung zu CW. Solange er lebte, hat er seine "Freunde" virtuos wie ein Schlangenbeschwörer in Schach gehalten, denn selbstverständlich waren in seinem Netzwerk ebenfalls viele dicke, fette und teilweise auch sehr giftige Spinnen, die ebenfalls versuchten, das Maximale für sich aus ihrer Beziehung zu CW herauszuholen, aber CW war ihnen allen locker überlegen, das machte ja grade das Besondere an seiner Persönlichkeit aus.

Mit mir hat er über all diese Typen geredet und er hat sich oft sehr über einzelne Leute amüsiert. Was für eine falsche Meinung sie von ihm haben und wie wenig sie selber merken, dass sie doch auch nur Teil eines großen Spiels sind. So war er halt - und ich bin sehr sicher, von seiner Sorte gibt es noch sehr viele andere.

Meine Freundin Sara ist auch immer nett und freundlich zu allen Leuten. Aber nicht aus berechnender Manipulation, so wie CW, sondern weil sie einfach so ist. Sie findet, es gibt keinen Grund, nicht zu allen Leuten nett und freundlich zu sein. Ihr Problem ist aber, dass es immer wieder Leute gibt, die verwechseln eine neutrale, oberflächliche Freundlichkeit mit einer intimen Freundschaft und bilden sich deshalb ein, sie wären mit Sara besonders gut befreundet, was unweigerlich zu Konflikten führt, weil Sara für sich selber gar nicht findet, dass sie mit diesen Leuten auch nur mehr als bekannt ist. Sie kennt sie halt und sie ist nett zu ihnen, eben weil sie zu allen Leuten nett ist. Für sie ist die "Beziehung" damit auch ausreichend beschrieben, mehr steckt für sie nicht dahinter. Aber grade weil Sara so eine besonders nette Person ist, gibt es natürlich auch sehr viele Menschen, die sehr gerne mit Sara eng befreundet wäre. Dass das in Summe nicht funktionieren kann, liegt auf der Hand, so dass Sara per Saldo deutlich mehr Ärger mit Menschen hat als ich, die eigentlich zu niemandem nett und freundlich im Sinne von "positiv zugewandt" ist, sondern allen Menschen gegenüber sehr reserviert und mit sehr viel Abstand begegne, weil ich es schrecklich finde, bei Menschen falsche Erwartungen zu wecken.
Denn genau das passiert nach meiner Erfahrung, wenn man ausnahmslos zu allen Menschen nett und freundlich ist: Die Menschen fühlen sich positiv angesprochen und möchten gerne mehr davon. So ein netter Mensch, mit dem bin ich doch gerne befreundet.
Ganz unabhängig davon, dass niemand eine unbegrenzt große Zahl an Freunden in seinem Leben "behandeln" kann, finde ich es auch nicht richtig, bei Menschen das Gefühl zu erwecken, man fände sie nett, wenn man sie im Zweifel sogar ausdrücklich nicht leiden kann, was man aber natürlich nicht zeigt, weil man ja - ich wiederhole mich - immer nett und freundlich zu allen ist.

Ich kann akzeptieren, dass Sara ist, wie sie ist und wenn sie sagt, dass sie mich tatsächlich sehr mag und dass sie wirklich gerne mit mir befreundet ist, dann kann ich das auch akzeptieren - aber ein latente Wachsamkeit und gewisse Grundzweifel an dieser Freundschaft werden immer bleiben, weil ich schließlich weiß, dass Sara viel zu nett und freundlich ist, mir mitzuteilen, wenn sich für sie da etwas geändert hat oder wenn ich gar etwas grundsätzlich missverstanden habe und weil ich gleichzeitig weiß, dass da draußen Hunderte von Menschen Schlange stehen und sich um die Freundschaft mit Sara reißen würden. So ein netter Mensch, mit der wären wirklich viele gerne befreundet.

Ich persönlich halte nichts davon, Leuten eine Scheinwelt vorzugaukeln, meine Alternative zu "nett und freundlich" ist grundsätzlich "höflich und distanziert", wobei ich die Distanz je nach Abneigungsgrad auch noch sehr spürbar vergrößern kann. Ich finde, es gibt keinen Grund, zu Menschen beleidigend und unfreundlich zu sein, wenn sie einen nicht quasi direkt dazu zwingen. Ab und zu gibt es aber so Typen, die missachten jeden Höflichkeitsabstand und latschen einem bedenkenlos ständig auf die Füße. Die hören dann nicht auf ein vornehmes Hüsteln und ein gehauchtes "Entschuldigung, Sie haben mich getreten." - Die muss man dann wirklich anbrüllen und sehr laut und deutlich "Verpiss dich, Arschloch" sagen, weil sie eine andere Sprache nicht verstehen. Mit solchen Menschen hat meine Freundin Sara die allergrößten Probleme, weil sie es ablehnt, Wörter wie Arschloch zu benutzen, gleichzeitig hat sie aber auch eine ungeheure Anziehungskraft grade auf die größten Arschlöcher, die sammeln sich um sie wie die Motten ums Licht.

Nach meinen Beobachtungen macht es also weder einen selber noch die anderen Menschen glücklicher oder zufriedener, wenn man immer nur nett und freundlich zu allen ist, ganz im Gegenteil. Sara hat deutlich mehr Probleme im zwischenmenschlichen Bereich, was natürlich schon deshalb kein Wunder ist, weil sie auch deutlich mehr "Freunde" hat als ich. Aber auch - und das ist jetzt meine Interpretation - weil die meisten Freunde mehr in Sara sehen als sie tatsächlich ist. In echt ist sie nämlich nur ein ganz normaler Mensch, zugegeben, ein netter Mensch, aber eben auch ein normaler Mensch mit Ecken, Kanten und Fehlverhalten. So wie wir alle. Aber die wenigstens nehmen ihre Ecken und Kanten wahr, weil sie sie grundsätzlich unter netter Freundlichkeit versteckt, was aber dann wiederum dazu führt, dass Sara sich von den meisten Leuten nicht verstanden fühlt. Im Laufe der Jahre hat sie sich ein Leben angewöhnt, dass eigentlich gar nicht ihres ist, das sie vor allem deshalb gelebt hat, weil sie so gerne nett und freundlich ist, aus dem sie aber nun auch nicht mehr rauskommt, weil das ja unnett und unfreundlich wäre, und was deshalb dazu führt, dass Sara aktuell in einer ganz dicken Zwickmühle steckt.
Ich kann ihr an dieser Stelle gar nicht helfen, weil ich es ja schon aus grundsätzlichen Erwägungen und seit jeher abgelehnt habe, pauschal zu allen Leuten nett und freundlich zu sein. Ich fand halt schon immer, höflich distanziert ist viel besser, weil man damit auch keine falschen Erwartungen weckt und außerdem fand ich es schon immer wichtig, im Zweifel auch "Verpiss dich, Arschloch" sagen zu können, wenn es ein Einzelner zwischendurch doch mal gar nicht kapiert.

Ach, und um den Bogen zum allerersten Eingangsstatement zu schlagen: Eine Welt, in der alle Menschen immer nur
lieb und nett zu einander wären, fände ich unendlich anstrengend, weil nach meiner Erfahrung, die allerwenigsten Menschen von Natur aus lieb und nett sind, so dass sich in so einer Welt unendliche viele Menschen verbiegen müssten - und das kann auf Dauer sowieso nicht gut gehen
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Samstag, 18. April 2020
Bekenntnisse einer schulverweigernden Rabenmutter
Meine Grundeinstellung Kindern gegenüber geht von der Überzeugung aus, dass Kinder ganz normale Menschen sind, die auch nicht dümmer sind als Erwachsene, nur kleiner.
Sie müssen deshalb weder wie Idioten behandelt werden, noch müssen sie immer ihren Willen bekommen.

Andererseits sollte ihr Wille aber respektiert werden, wenn es keinen vernünftigen Grund gibt, etwas anderes zu verlangen.

Im Ergebnis führt diese simple Grundeinstellung dazu, dass mein Umgang mit Kindern sich stark von dem unterscheidet, was ansonsten in unserer Gesellschaft so üblich ist.

Sehr deutlich hörbar wird das in der Sprache, die ich für die Kommunikation mit Kindern verwende, die ist nämlich die gleiche wie mit allen anderen Menschen auch.
Barrierefreie Sprache samt vereinfachender Ausgangsgrammatik ist wichtig für Leute, denen die geistige Kapazität fehlt, komplexere Sprachstrukturen zu erfassen. Da meine Kinder keine geistige Behinderung haben und ich in freier Übertragung der Mendelschen Erbgesetze davon ausgegangen bin, sie bringen wahrscheinlich sogar eine leicht überdurchschnittliche Kapazität mit, hätte ich es auch als Unverschämtheit empfunden, meinen Kleinkindern sprachlich auf dem Idiotenniveau zu begegnen.
Wie soll ein Kind ein umfangreiches Sprachgefühl entwickeln, wenn die Mama sich selber nur in der dritten Person adressiert und dazu Wörter in einer vereinfachten Niedlichkeitsform verwendet? „Oh, hat der Emil sich seinen Schlafi schon ganz alleine angezogen? Das ist ja toll, da freut sich die Mama aber.“ (Gestern Livemitschnitt aus dem offenen Fenster bei Nachbarns. – Man beachte, der Stöpsel heißt Emil und nicht Kevin, Nachbarns legen viel Wert auf ihre gehobene intellektuelle Positionierung.)

Nach meiner Erfahrung können Kinder Sprache viel eher verstehen als selber sprechen, so dass ich es dem Kind gegenüber als ziemlich respektlos empfinde, es in dieser Idiotensprache anzureden, signalisiert es doch eindeutig, dass ich es dem Kind nicht zutraue, eine normale Alltagssprache zu verstehen.

Überhaupt gibt es vieles, was viele Eltern ihren Kindern nicht zutrauen und ich frage mich immer, weshalb Menschen so eine schlechte Meinung von ihren Kindern haben.

Aktuell gibt es ja besonders viele Klagen von Eltern, wie anstrengend es ist, den ganzen Tag mit den Kindern zusammen zu sein und dann auch noch das komplette Home-Schooling-Programm absolvieren zu müssen, das wäre insgesamt alles derart nervenzehrend, dass sich die allermeisten Eltern ganz dringend wünschen, dass sie ihre Blagen endlich wieder outsourcen können.

Ich habe zur Zeit nur ein Kind im Haus, der lernt auch den ganzen Tag, weil er (hoffentlich, auch er weiß nicht, was passieren wird) nächsten Monat sein drittes Staatsexamen ablegen wird, das macht er aber komplett selbständig, ich kann hier also nicht klagen. Das zweite hat grade angekündigt, demnächst auch wieder nach Hause zu kommen, sein Semester läuft aktuell auch nur online, da ist ihm alleine einfach langweilig, das kann ich verstehen.

Okay, ich gebe zu, die Situation ist nicht wirklich vergleichbar zu kleinen Kindern, aber auch wenn ich mir ganz doll viel Mühe gebe, mir vorzustellen, wie ich vor 20 Jahren in einem vergleichbaren Lockdown die Zeit mit den unbeschulten und unbekindergartenten Kindern verbracht hätte, so schreckt mich die Vorstellung einfach gar nicht. Vielleicht leide ich an retrograder Amnesie oder vielleicht habe ich einfach nur drei perfekte Wunderkinder, beides halte ich für unwahrscheinlich, aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich die Kinder (von individuellen Einzelsituationen abgesehen) grundsätzlich als anstrengend empfunden hätte. Ich habe aber auch aktiv und bewusst nie versucht, eine gute Mutter im klassischen Sinne zu sein.

Erstens und wichtigstens hätte ich mich nicht für das Veranstalten eines alternativen Schulunterrichts verantwortlich gefühlt, sondern hätte es für alle Beteiligten als eine große Erleichterung angesehen, dass Schule einfach mal für ein paar Wochen ausfällt.
Ich habe noch nie viel von Schule gehalten, weder als ich sie selber besucht habe noch als meine Kinder sie besuchen mussten.

Ich war selber als Schülerin der Schrecken vieler Lehrer, weil ich mich geweigert habe, die Lehrer ernst zu nehmen, was mir vor allem die Lehrer übel nahmen, die eher nur so mittelmäßig gut in ihrem Fach waren. Es gab ein paar Lehrer, die mochte ich sehr, die haben mich auf Augenhöhe respektiert, da bin ich gerne hingegangen und habe mich aktiv für ihr Thema interessiert, insgesamt waren die "guten Lehrer" aber deutlichst in der Minderheit.

Ich habe sehr früh begriffen, dass ich das, was es so zu lernen gibt, mir viel, viel besser alleine und nach meinen eigenen Methoden beibringe, der Aufenthalt in der Schule, also das Absitzen der Schulstunden, war für mich überwiegend vergeudete Zeit, aber immerhin habe ich damit gelernt, mich selbständig für sechs Stunden unauffällig zu beschäftigen, ohne dabei vor Langeweile einzuschlafen, wenn ich mich denn zur Anwesenheit entschloss, weil ich das mit den entschuldigten Fehlstunden nicht übertreiben wollte. Ich habe mir nämlich ab der fünften Klasse meine Entschuldigungen selber geschrieben, da ich damals bereits Sütterlin fließend schreiben konnte - und eine in Sütterlin geschriebene Entschuldigung mit dem Namen meiner Großmutter als Unterschrift wurde immer akzeptiert, es war ja ganz eindeutig keine Kinderschrift.*

*So habe ich schon sehr früh die Grundregel der Compliance gelernt: Vorschriften sind dafür da, ausgelegt zu werden.

Als Mutter hatte ich meine Meinung zu Schule und über Lehrer kein Stück geändert, so dass ich meinen Kindern nicht übel nehmen konnte, dass sie ebenfalls eine recht lockere Einstellung zu dem ganzen Regelschnickschnack hatten, den die Lehrer da unverändert abzogen, ich habe mir nur Mühe gegeben, ihnen den eigentlichen Sinn von Schule nahezubringen: Nirgendwo sonst lernt man besser und eindrücklicher, wie man mit Menschen umgeht, die formal mehr Macht haben als man selber, diese Macht aber offensichtlich nicht mit persönlicher Größe kombinieren, sondern hauptsächlich, um ihr eigenes kleines Ego durch den Tag zu schieben.

Selbstverständlich sind Lehrer studierte Fachleute, die ganz genau wissen, wie man jemand anderem irgendeine Sorte Wissen am besten beibringt und das werden sie mit Nichtfachleuten, also insbesondere Schülern und Eltern nicht diskutieren. Wo käme man denn da hin.
Ich komme aus einem personell hoch durchsetzten Lehrerhaushalt, Eltern, Großeltern, Onkel, Tanten - bei mir waren alle Lehrer, ich habe da sehr früh etwas sehr gründlich gelernt.

Ich kann übrigens einsehen, dass es tatsächlich in der ganz großen Mehrzahl der Fälle wirklich sinnlos ist, die pädagogischen Konzepte, nach denen ein Lehrer versucht, eine gesamte Klasse einigermaßen gleichmäßig zu beschulen und dabei vor allem den Grundsatz "es wird keiner zurückgelassen" durchzieht, mit jedem Elternteil einzeln zu diskutieren und dass er diese Konzepte auch nicht auf jeden Einzelfall anpassen kann, das ist mir völlig klar, aber ich persönlich wollte nichts anderes, als einfach in Ruhe gelassen zu werden und meine Dinge selber erledigen und im Wesentlichen galt das für meine Kinder auch.

Als Schüler habe ich den vorgeschriebenen Regelbetrieb mit einem gewissen Fatalismus einfach ertragen, hilft ja nix. Am besten klappt es, wenn man maximal unauffällig den Kopf einzieht und möglichst wenig anwesend ist, um nicht Gefahr zu laufen, nur weil man sich doch mal langweilt, aufzufallen und dann unweigerlich Ärger zu provozieren. Ich habe mir den Ärger bis zum letzten Tag aufgespart, dann aber ohne Hemmung zurückgeschlagen. Ich war Schülersprecher meines Jahrgangs und habe die Abiturrede gehalten. Erwähnte ich schon mal, dass ich ein aktives Problem mit Respekt und Höflichkeit habe, wenn das Gegenüber dafür nichts leistet, als einfach nur älter zu sein? In dieser Rede damals bin ich sehr deutlich geworden und ich würde es 1:1 heute noch genauso machen.

Als Mutter fiel es mir deutlich schwerer, den Kopf einzuziehen, und die Methoden der Lehrer meinen Kindern gegenüber noch zu rechtfertigen. Insbesondere das älteste Kind war mit besonders vielen Blödsinnsgenen gesegnet, die ich als Mutter überwiegend witzig fand, die Lehrer eher nicht so. Für N hagelte es deshalb schulische Strafen. Bei einigen habe ich ihn grinsend in sein Schicksal geschickt, weil er das Grundprinzip: "Wenn der andere mehr Macht hat als du, musst du ihm überlegen sein, wenn du Widerstand leisten willst, sonst kuckste in die Röhre." nicht beachtet hat. Wenn jemand so dumm ist, dass er sich erwischen lässt, dann habe ich da auch kein Mitleid. Eine sehr beliebte Strafe war damals "eine Woche Schulhof fegen", die sich N mit einer Reproduktionsrate von 3,5 einfing, innerhalb einer Woche bekam er also im Schnitt 3,5x eine Woche Schulhof fegen aufgebrummt, was ich einfach nur schräg fand. Wir haben ausgerechnet, dass er, wenn er so weiter macht, noch die ersten drei Semester nach dem Abitur weiter zum Schulhof fegen erscheinen muss, weil er das sonst in seiner regulären Schulzeit gar nicht schafft abzuarbeiten.
Der Musiklehrer setzte auf Einträge ins Elternheft. Jede Woche stand da: N stört den Unterricht. Unterschrift der Eltern erforderlich. Ich habe das drei Wochen brav jedesmal unterschrieben, bis es mir zu blöd wurde und ich auf den nächsten 10 leeren Seiten schon mal blanko unterschrieb.
Alle Musiklehrer nahmen ihren Unterricht ernst, leider keines meiner Kinder und ich konnte sie verstehen. Dasselbe galt übrigens für Kunst- und Sportlehrer. J brachte es irgendwann sehr präzise auf den Punkt als er sagte: Schule ist für Lesen, Rechnen und Schreiben da, den anderen Kram mache ich nicht.
Er hat das übrigens bis zum Schluss durchgezogen und sich mit einer 3 in Musik die 1,0 im Abitur versaut, das passiert halt, wenn man zu sehr verweigert.

Das einfachste war immer, wenn die Kinder nicht zur Schule gingen, dann konnten sie auch den Regelbetrieb nicht stören. Da bei uns nie jemand ein Problem hatte, den Stoff, der verlangt wurde, sich auch alleine zu erarbeiten (es gibt schließlich Schulbücher und Bibliotheken, irgendwann gab es dann auch Internet und YouTube, damit wurde der "wichtige Unterricht" endgültig zur Farce) und ich schon früh die Grundsatzregel ausgegeben hatte: Wer in einer Klassenarbeit oder einem Test eine 1 schreibt, der bekommt einen Tag schulfrei nach Wahl, gab es halt nie ein Leistungsproblem, zumindest kein nachhaltiges. J hatte seine Durchhängerphasen, die hatten aber andere Gründe und konnten mit mehr Lernen sicher nicht bewältigt werden.

Natürlich weiß ich, dass der vorgeschriebene Schulstoff nicht allen Kindern so leicht fällt wie das bei uns funktionierte, die wir alle die besondere Begabung haben, auch den weltgrößten Blödsinn und vor allem auch Dinge, die uns überhaupt gar nicht interessieren, wenn es denn sein muss, also für eine Klausur oder einen Test, kurzerhand auswendig lernen zu können. In der Schule kommt man damit völlig entspannt durch, im Studium wird das schon etwas komplizierter, da dort, je nach Studienrichtung, noch mal deutlich mehr Kram auswendig gelernt werden muss, aber dafür muss man sich im Studium nicht mehr mit Musik, Kunst und Sport rumärgern, wenn es einen nicht interessiert, das ist ja auch schon mal was.

Insgesamt ist mir in der aktuellen Situation aufgefallen, dass es enorm viele Eltern gibt, die sich schwer über die "Verpflichtung zum Home-Schooling" aufregen, weil sie meinen, das wäre nicht ihr Job. Sie haben da übrigens absolut recht, aber wo ist das Problem, wenn ihr Kind dann insgesamt nachher ein Jahr länger braucht, bis es mit der Schule fertig ist, weil es halt alleine nicht mit den vorgegebenen Aufgaben klarkommt? Irgendwann wird der offizielle Unterricht ja wieder losgehen. Und in der Zwischenzeit ist es eine wunderbare Gelegenheit, dass das Kind sich damit beschäftigt, was es selber so tun kann, wenn es nichts zu tun gibt. Ich bin eigentlich ziemlich sicher, dass jedem Kind da etwas einfällt, man muss sie nur in Ruhe lassen. Ich glaube ja, das ist genau das, was den meisten Eltern am schwersten fällt. Und den Schulkram nicht so ernst nehmen, einfach mal laufen lassen, auch hier können Kinder schon durchaus für sich selber Verantwortung übernehmen - und lernen, was passiert, wenn sie es nicht tun
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Sonntag, 12. April 2020
Helikoptereltern
sind wie Anwälte aus Grosskanzleien.

Einzelanwälte haben ja teilweise noch den Mumm, auch mal Lösungen mit eingeschränkter Erfolgsgarantie vorzuschlagen und dem Mandanten die Risiken zu erläutern, um ihn anschließend selber entscheiden zu lassen. Anwälte aus Grosskanzleien, die selber nur angestellte Anwälte sind, behandeln ihre Mandanten dagegen grundsätzlich wie unmündige, dämliche und vor allem komplett vertrauensunwürdige Idioten, denn wenn sie einen falschen Ratschlag geben, könnten sie ja schuld sein und der Mandat wird sie unweigerlich dann zurückverklagen. Oder zumindest könnte ihr Chef sie jeweils dafür zur Verantwortung ziehen, denn Anwälte aus Großkanzleien beraten ja nicht auf eigenes Risiko, sondern auf das Risiko der Gesamtkanzlei - und das gilt es jederzeit zu minimieren.

Ich hatte neulich ja mal wieder Kontakt zu Anwälten aus Großkanzleien und meine Erfahrungen mit diesen Juristen sind traditionell schlecht, was heißt: Die "Berater" aus diesen Großkanzleien sind in allererster Linie mal Bedenkenträger und verwenden den größten Teil ihrer Zeit damit, in langen Gutachtentexten aufzuzählen, was alles nicht geht. Lösungsorientiert oder gar pragmatisch sind Eigenschaften, die weder von der Führungsriege dieser Truppen unterstützt werden noch von ihren Haftpflichtvesicherungen. Diese ungemeinen Umständlichkeiten, diese Trillionen an Vorsichtigkeiten und Vorsorgeformulierungen, die überall eingebaut sind, machen mich regelmäßig ganz wuschig.
Kein Wunder, dass Helikoptereltern sich so weit verbreitet haben, die Juristen haben ja mittlerweile große Teile der Gesamtbevölkerung verseucht. Denn genau das ist ihr Credo: Bloß kein Risiko eingehen, lieber nicht vor die Haustür als einmal ohne Helm auf dem Dreirad schwer verletzt im Straßengraben zu enden.
Ich habe das so satt, ich kann es kaum beschreiben.
Ja natürlich sollten Verträge vernünftig und sorgfältig formuliert werden, aber hey, es gibt einen Unterschied zwischen "vernünftig und sorgfältig" und "ich fahre mein Kind vorsichtshalber mit dem SUV bis auf den Schulhof".

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Ich habe heute gesehen, dass es als Domain-Endung auch ".ms" als Möglichkeit gibt und fand es ein bisschen schade, dass p.ms schon vergeben ist, ohne dass der Eigentümer die Seite nutzt, um dort regelmäßig Nörgeleien über das Leben als solches zu veröffentlichen.
Über die immer wieder zu beobachtende, massive Domainhamsterei gibt es deutlich weniger Aufregung als über sonstige Hamsterkäufe, damit kann man mit Domains, die man nur des Namens wegen hamstert, noch weniger anfangen als mit Klopapier.
Na egal, ich machte auf alle Fälle eine Bemerkung über PMS und mein Westfalenmann verstand mich nicht. Das wiederum fand ich witzig. Es stellte sich nämlich raus, dass er tatsächlich noch nie etwas von PMS gehört hat.
Als wir uns kennenlernten, war ich mit dem gesamten Thema schon weitestgehend durch, so dass ich PMS wohl nie als Erklärung oder Entschuldigung brauchte.
Und seine Frau davor war eher nicht so intellektuell durchseucht, dass sie eine medizinische Erklärung für ihre schlechte Laune gesucht hat, die war halt regelmäßig nicht gut drauf, kein Wunder, hatte sie ja auch einen Ehemann, der sich nicht gut genug um sie kümmerte.

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Auf der Seite https://techagainstcoronavirus.com werden gaaaanz viele Programme aufgelistet, die in irgendeiner Form das Home-Office-Arbeiten unterstützen können. Die Seite wird ständig ergänzt, als ich vorhin nachschaute, waren dort schon über 80 Programme aufgelistet, von denen ich höchstens 10 benutze, fünf weitere habe ich als zwar App bereits installiert, aber noch nicht benutzt, dann gibt es nochmal ca. 10 von denen ich immerhin schon mal gehört habe - und der Rest ist mir komplett unbekannt.
Ich habe mir bisher eingebildet, ich wäre technikaffin, ich sollte das wohl künftig anders nennen: Ich finde Technik okay und arbeite damit, wenn mir jemand sagt, dass ich damit arbeiten soll, aber ich habe definitiv aufgehört, jeder neuen Techniklösung hinterherzuspüren und sie auszuprobieren.
Ich merke also deutlich, wie mir nach und nach ein immer längerer Krückstock zum Rumfuchteln wächst: Braucht man diese unüberschaubare Vielfalt wirklich? Wir hatten früher auch nur drei Programme und sind gut damit klargekommen.
Ich will damit sagen, dass ich es anstrengend finde, dass für Dinge, die ich nach wie vor gut gelöst finde, ständig neue Lösungen erfunden werden, deren Vorteil mir nicht einleuchtet.
E-Mails bspw. finde ich persönlich sehr praktisch. Ich kann sie in Ordner sortieren, kann sie offline und in der Cloud speichern (pst oder imap), kann sie nach Stichworten, Absender oder Zeit sortieren und durchsuchen und kann parallel auch noch mehrere E-Mail-Konten verwalten. Ich habe ein Exchange-Konto und verschiedene andere Freemail-Konten, ich habe sogar verifizierte DE.Mail-Konten, für die ich allerdings bisher keine Einsatznotwendig- bzw. -möglichkeit hatte. Dazu läuft der ganze Kram auf allen Geräten, die ich benutze (also PC, Smartphone und Tablet) gleichzeitig und synchronisiert sich so, wie ich das will. Okay, ich habe kein gesteigertes Sicherheitsbedürfnis, deshalb ist es mir bislang ziemlich wumpe, ob irgendjemand meine E-Mails rein theoretisch mitlesen kann oder nicht. Ist wie Telefonabhörung: Wenn sich da jemand die Mühe machen möchte, sich da einzuklinken, viel Vergnügen. Ich wüsste was besseres mit meiner Zeit anzufangen.
Eine E-Mail ist für mich elektronische Post. Sie hat den Vorteil, dass sie schneller übermittelt wird als Papier-Post, was aber nicht zwangsläufig bedeutet, dass ich deshalb auch schneller antworten muss. Meine Antwortgeschwindigkeit auf Post ist ganz sicher nicht von dem Medium abhängig, mit dem die Post übermittelt wurde. Ich wüsste auch nicht, weshalb es da einen zwingenden Zusammenhang geben sollte.
Wenn mich jemand dringend sofort und jetzt erreichen will, kann er mich ja anrufen und mir mitteilen, dass er ganz dringend und jetzt ein Thema mit mir bearbeiten möchte, wenn das nur schriftlich geht, kontrolliere ich nach Absprache meinen E-Mail-Eingang gerne zeitnah und reagiere entsprechend, aber dafür brauche ich dann kein eigenes Programm. Schon gar keines, was alles in einem vereint. Gegen alles in einem habe ich eine ganz intensive Abneigung, denn alles in einem bietet auch genau EINEM die Möglichkeit, ALLES zu kontrollieren,zu manipulieren oder abzufangen. Ne, da gilt für mich eindeutig die Devise "nie alle Eier in einen Korb legen". Was für jeden Vermögensverwalter die Grundmaxime seines Handelns ist, Klumpenrisiken zu vermeiden, scheint bei Programmentwicklern das bevorzugte Streben zu sein. Ich meine, die Entwickler kann ich verstehen, nicht aber die User.
So ein Bankkontoverwaltungsprogramm z.B., mit dem ich alle meine Bankkonten in einem Programm abrufen und verwalten kann, ist für mich ein sehr rotes Tuch. Jede Bank bietet das ja mittlerweile an, dass man in ihr Online-Banking auch seine Konten bei anderen Banken einbinden kann. Ja, ist klar, wenn ich Bank wär, würde ich das auch anbieten. Ich kann mich aber immer nur über die Leute wundern, die das dann benutzen.
Chatprogramme oder Messengerdienste gibt es mittlerweile ja auch in Unmengen, genauso wie Videotelefonie. Ich habe vor 15 Jahren schon Skype benutzt und begreife nicht, wo der Vorteil all dieser anderen Kanäle, die wie Pilze aus dem www ploppen, sein soll, ich selber brauche eigentlich kein anderes, aber wenn jemand unbedingt und nur mit Teams, oder mit Zoom oder mit Discord oder mit was weiß ich arbeiten will, na denn, wenn's schön macht. Aber ich beschäftige mich mittlerweile nur noch mit einem mir neuen Programm, wenn es explizit extern verlangt wird, meine frühere, inhärente Neugier ist abgestorben.

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Symbolbild:


Der geplante Fahrradausflug mit dem Auto wurde heute schon nach 1,5km abgebrochen, da fiel nämlich die Anhängerkupplung, auf der der Fahrradträger mitsamt den beiden Fahrrädern befestigt ist, einfach ab, landete mitsamt dem Träger und den Fahrrädern auf der Straße und wir schliffen (schleiften?) den ganzen Kladderadatsch noch 2-3m auf der Straße hinter uns her, weil K vor lauter Schreck keine Vollbremsung gemacht hat.

Die Fahrräder sind heilgeblieben, an der Halterung der Steckerverbindung am Auto, also dort, wo man das Kabel einsteckt, das die verlängerten Brems- und Rücklichter des Fahrradträgers mit Strom versorgt, sind ein paar Nöppel abgebrochen und das Kabel selber ist ein wenig aufgeschlitzt, funktioniert aber noch. Es war vor allem ein großer Schreck und ein großes Gepolter und dann ein großes Staunen.
Das ganze passierte noch in Greven, wir fuhren dann erst das Auto zur Seite und befreiten die Fahrräder von dem Fahrradträger, bastelten dann Anhängerkupplung samt Fahrradträger wieder ans Auto, K fuhr mit dem Auto nach Hause und ich mit dem Fahrrad, anschließend brachte ich K mit dem Auto wieder zur Unfallstelle, wo er sein Fahrrad abholte und nach Hause brachte - und das war dann unser aufregender Ausflug für heute.

Dafür gibt es heute Abend Onigirazu, meine arbeitssparende Sushi-Maki-Alternative, der Thunfisch, den wir gestern so überraschend kaufen konnten, sah wirklich ganz hervorragend aus. Das tröstet insgesamt über vieles
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Samstag, 28. März 2020
Das Wasserbett
Wochenende - und ich stelle fest, es fühlt sich anders an als ein werktäglicher Homeofficetag, weil ich mit niemandem telefonieren muss, weil keine beruflichen E-Mails reinkommen und weil ich mich auch moralisch nicht verpflichtet fühle, mich mit Arbeitskram zu beschäftigen. Dieses latente Verpflichtungsgefühl, das mir sagt, du wirst für 40 Stunden Arbeit die Woche bezahlt, du kannst hier jetzt nicht einfach blau machen, das ist, glaube ich, das, was mich am meisten stört an der Arbeit und genau deshalb überlege ich mir auch regelmäßig, ob es nicht doch klüger wäre, ich schmeiße einfach hin, verzichte auf die Bezahlung und arbeite nur noch freiwillig und nicht, weil ich Geld dafür bekomme, sondern weil es mir Spaß macht. Das lustige ist nämlich, dass ich in der Vorwoche, als ich offiziell krankgeschrieben war, überhaupt kein Problem damit hatte, dass ich ständig gearbeitet habe. Da mussten halt Dinge erledigt werden und natürlich mache ich das dann, weiß aber eben gleichzeitig, dass ich das freiwillig mache. Ist schon seltsam, wie sehr sich der Bauchkopf hier selbständig macht und man das nicht vernünftig einfangen und abstellen kann.

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Wasserbett:
Wir haben es gestern Nacht dann doch noch geschafft, die Heizung dazu zu überreden, dass sie völlig außer der Reihe und gegen jede Programmierung, nochmal nachts um 1h warmes Wasser produziert, so dass das Bett um 2h dann endlich angenehm temperiert vollständig befüllt und wieder zusammengebaut war und wir uns reinlegen konnten.
Schläft sich sehr gut auf der neuen Matratze, ist wirklich alles ganz prima jetzt.
Heute kam K noch auf die Idee, die alte Matratze einfach aufzuschlitzen, dann kann das Vlies langsam trocknen und das restliche Wasser läuft auch sofort ab, macht das endgültige Raustragen und Entsorgen der Matratze (Sperrmülltermin habe ich heute online beantragt) deutlich leichter.
Sieht jetzt etwas wild aus auf dem Rasen, ist aber egal.



Als ich heute Nacht um 2h dann endlich zufrieden, aber auch etwas überdreht im Bett lag, habe ich mal darüber nachgedacht, wie sich das mit den Wasserbetten in meinem Leben so entwickelt hat.

Das erste Wasserbett habe ich mit CW zusammen am 20. Mai 1991 gekauft und das nur deshalb, weil das Wasserbettgeschäft das einzige Geschäft war, was an diesem Tag geöffnet hatte und wir doch extra zum Einkaufen nach Venlo gefahren waren. Der 20. Mai 1991 war nämlich Pfingstmontag und wir hatten uns eingebildet, die Holländer sind da nicht so streng, da sind bestimmt die Geschäfte geöffnet. Waren sie aber nicht, das einzige Geschäft war, wie gesagt, dieses Wasserbettenstudio und die hatten auch nicht wirklich geöffnet, die hatten formal nur Showtag ohne Beratung, aber naja, das weiß man ja, wie das dann läuft.
Und weil wir sonst nichts zu tun hatten, fanden wir es sehr lustig, uns Wasserbetten anzusehen und uns erklären zu lassen, was es da so gibt. In meinem Kopf war bis dahin Wasserbett irgendwie fest assoziiert mit Lotterbett, so dass ich es auch gleichzeitig noch leicht verrucht fand, mich mit so etwas zu beschäftigen. Aber wir waren ja im Ausland, da fühlt sich sowieso alles anonymer an und außerdem war ich schwanger, da fühlt man sich in Punkto Lotterleben nicht ganz so peinlich entblößt, wenn man als seriöses Paar auftritt und vorgibt, man hätte gehört, Wasserbetten wären gut für Schwangere.
Tatsächlich war es dann allerdings wirklich so: Wasserbetten sind die idealen Betten für Schwangere, ich weiß gar nicht, wie ich meine Schwangerschaften ohne Wasserbett überstanden hätte. Ganz bestimmt nicht so entspannt.

So kam es also, dass wir aus heiterem Himmel, ohne je vorher darüber nachgedacht zu haben und auch ohne überhaupt genau zu wissen, wie man mit so einem Teil umgeht und was da auf uns zukommt*, ein Wasserbett kauften. Mit CW konnte man hervorragend solche Blödsinnssachen machen, das habe ich stets sehr an ihm geliebt.
*Ich gehe davon aus, dass der Verkäufer der Showroomnichtberater uns wahrscheinlich schon versucht hat, zu erklären, wie man mit so einem Wasserbett umgehen sollte und was es für Unterschiede gibt usw. - aber CW hat sich noch nie gerne etwas von anderen sagen lassen, weshalb von dieser Sorte Info nichts bei uns ankam.

Das Wasserbett wurde geliefert und aufgebaut - und das stellte sich im Nachhinein als eines der Probleme der Zukunft heraus, denn weil wir das Teil gebrauchsfertig frei Haus geliefert bekamen, hatten wir echt Null Ahnung, wie man mit so einem Wasserbett umgehen muss und welche Pflege es braucht. Das fiel uns aber erst sehr viel später auf. Die ersten fünf Jahre schliefen wir einfach nur in dem Wasserbett und waren begeistert. Durch großen Zufall hatte es sich ergeben, dass wir alle beide tatsächlich genau die richtigen Schlafgewohnheiten für ein Wasserbett hatten und was soll man sich mit weiteren Details zu einem Thema beschäftigen, das man für sich als perfekt gelöst betrachtet.
Nach fünf Jahren zogen wir allerdings um und das bedeutete, auch das Wasserbett musste ab- und wieder aufgebaut werden. Irgendwie ist das auch gelungen, ich sollte aber vielleicht dazu sagen, dass unser erstes Wasserbett nur 1,60m breit war, nur wenig beruhigt und außerdem die Hardsidevariante. Das ist sozusagen die Einfachversion von Wasserbetten. Damit ist ein Umzug auch für Wasserbettenunkundige noch selber organisierbar. Irgendwo trieben wir leihweise eine Pumpe auf und die Erstbefüllung im neuen Haus erfolgte mit dem Gartenschlauch aus dem Außenhahn, weil das die einzige Stelle war, wo man einen Gartenschlauch anschließen konnte.
Wenn man ein Wasserbett mit kaltem Wasser füllt, dann dauert es ca. 3 Tage, bis das Wasser von der unter der Matratze liegenden Heizung ausreichend aufgewärmt ist und in einem Wasserbett mit kaltem Wasser zu schlafen - nein, das möchte man wirklich nicht. Das kalte Wasser in der Matratze versucht nämlich zwanghaft sich der Umgebungstemperatur anzupassen und das macht es natürlich dann auch dadurch, dass es dem warmen Körper, der auf der Matratze liegt und schlafen will, einfach konstant Wärme klaut. Wenn man überhaupt einschläft, wacht man garantiert arg unterkühlt wieder auf, soviel Wolldeckenisolation kann man gar nicht zwischen sich und dem kalten Wasser in der Matratze legen, dass man das verhindern kann.
Wir lernten das auf die harte Tour.
Abhilfe schafft hier übrigens ein Adapter mit der richtigen Kombination von Innen- und Außengewinde, den man statt Perlator in seinen Wasserhahn am Waschbecken einschraubt und der es mit seinem passenden Außengewinde an der anderen Seite ermöglicht, dort einen Wasserschlauch anzuschließen, durch den man dann auch warmes Wasser ins Bett fließen lassen kann.
Muss man wissen und muss man dann auch kaufen können, ist selbst in gutsortierten Baumärkten nicht einfach zu finden. Habe ich erst später gelernt, gesucht und schließlich besessen.

Wenn man ein Wasserbett mit kaltem Wasser aus einem ganz normalen Gartenschlauch befüllt, dann gelangen so Unmengen an Keimen in das Wasserbett, die dort dann Party feiern und irgendwann beginnt das Ganze zu schimmeln.
Dies umso mehr, wenn man keine Chemie zusätzlich in das Wasserbett kippt, weil man davon nichts weiß. Ich meine, weil man nicht weiß, dass ein Wasserbett nicht nur mit Wasser, sondern auch mit einer ansprechenden Menge an Chemie gefüllt werden muss, eben um u.a. das Schimmeln zu verhindern.
Auch das lernten wir auf die harte Tour. Ich sollte hier vielleicht noch anfügen, dass wir uns aktuell so im Jahr 1998-1999 befinden, als man fehlendes Wissen nicht einfach durch eine Google Suche ergänzen konnte.
Wir fuhren aber irgendwann mal durch Essen und sahen dort auch einen Wasserbettenladen. Ich muss hier vielleicht ergänzen, dass ich bis zu dem Tag keine Idee hatte, wie ich mir weitere Kenntnisse zum Thema Wasserbett aneignen könnte, denn der Wasserbettladen in Venlo hatte inzwischen geschlossen und in Viersen und Umgebung, wo wir damals wohnten, gab es so etwas nicht. Als ich diesen Wasserbettenladen in Essen sah, zwang ich CW zu einer Vollbremsung und Terminverschiebung (wir waren ja eigentlich zu einem beruflichen Termin dort unterwegs) und lernte dann in diesem Laden so einiges über Wasserbetten. Z.B. die Nummer mit dem kalten Wasser, dem Schimmeln und dem dringend nötigen Chemiezusatz bei der Erstbefüllung und auch danach in regelmäßigen Abständen. Außerdem bekamen wir einen neuen Verschluss für unsere Matratze und so gelang es uns, den Schimmel wieder aus unserem Wasserbett zu vertreiben.

Dann zogen wir erneut um, mittlerweile war die Wasserbettmatratze 11 Jahre alt und überlebte diesen Umzug nicht, sie wurde undicht und deshalb entsorgt.
CW kaufte dann eine neue Matratze, diesmal Free Flow, und außerdem rüsteten wir unser Hardside Wasserbett zu einem Softsidewasserbett um. Macht das Sitzen auf dem Bettrand deutlich bequemer und ich lernte endlich den konkreten Unterschied zwischen Hard- und Softsidewasserbetten.

Als ich dann 2008 alleine auszog, stand für mich unverrückbar fest, dass ich ein Wasserbett haben wollte und das einzige Zugeständnis, was ich meinem etwas skeptischen Westfalenmann machte, war, dass ich dann eine Matratze mit ausreichender Beruhigung auswähle.

Da man Wasserbetten sehr gut gebraucht kaufen kann, da es schließlich kein Hygienethema bei benutzen Matratzen gibt, entdeckte ich bei ebay ein 2 Jahre altes Wasserbett in der Größe 2,00m x 2,20m und kaufte es kurzerhand**. Das Bett ist im Vergleich zu dem, was ich bisher gewohnt war, gigantisch groß, die letzten 17 Jahre hatte ich mit CW auf 1,60m x 2,00m geschlafen, aber das Bett war hübsch, ziemlich neu, hatte die richtige Matratzenart (mäßig beruhigt aber mit extra Lendenunterstützung), konnte in Essen abgeholt werden und paste in das neue Schlafzimmer. So what. Ich habe übrigens entdeckt, dass das Ruhrgebiet so eine Art Hotspot für Wasserbettenläden ist, diese Bettenart scheint dort besonders beliebt zu sein.
Deshalb habe ich mir die notwendige Pumpe, die es braucht, um so ein Wasserbett überhaupt abbauen zu können, auch gleich vor Ort in einem Wasserbettenladen in Essen geliehen, allerdings nur die Pumpe und nicht den Absaugstutzen, denn damals wusste ich noch nicht, dass man so etwas braucht, wenn man ein Wasserbett mit Vliesinnenleben leeren will.
**Genaugenommen hat K es für mich bei ebay ersteigert, weil ich ja so schlecht mit den Nerven dabei bin, wenn es darum geht, im richtigen Moment das richtige Gebot abzugeben, mich macht das dann immer so nervös, dass mir nach so einer wichtigen ebay Auktion immer noch drei Stunden später schlecht ist vor Aufregung. Deshalb besteht K natürlich auch darauf, dass wir das Bett nicht hätten, wenn er nicht so gute Nerven hätte. Es sei ihm gegönnt.

Weil ich den passenden Absaugstutzen nicht hatte, gelang es auch nicht, das Wasser maximal gut aus der Matratze zu pumpen - sie war immer noch höllenschwer, als wir beschlossen, leerer geht nicht, aber irgendwie gelang es, das Teil von Essen nach Greven zu schaffen.
In Greven gibt es übrigens auch ein Wasserbettenstudio und dort ging ich dann hin, um mir die Chemie zum Befüllen zu kaufen - und dort erfuhr ich dann auch, dass das gar nicht so einfach ist, mit diesen Wasserbettmatratzen mit Vliesinnenleben, weil, wenn das verrutscht und verklumpt, dann gute Nacht Marie. Dann schläft man künftig, trotz Wasserkern, auf einer Berg- und Talbahn, ein verrutschtes Vlies ist im Grunde der Tod einer Wasserbettmatratze.
Hmm, blöd, so wie wir an dieser höllenschweren, weil nicht wirklich entleerten Matratze rumgezerrt hatten, konnte man sehr sicher davon ausgehen, dass das Vlies verrutscht ist.
War es auch, wir breiteten die Matratze in einem leeren Zimmer einfach mal komplett auf dem Boden aus, da konnte man sofort sehen, dass da was verrutscht war.
Im Internet stand dann aber, dass man das reparieren kann, man müsse nur das Wasser maximal entleeren und anschließend die Matratze mit Luft vollpumpen. Dann könne man das in der Luft freischwingende Vlies grade Schütteln.
Genau das machten wir (Pumpe samt Absaugstutzen diesmal im Grevener Wasserbettenladen geliehen) und es gelang. Anschließend hatte K aber für drei Wochen Rücken.

Seit 2008 haben wir also nun dieses riesengroße Wasserbett in Greven, Monomatratze, mittelberuhigt mit Lendenstütze und schlafen alle beide extrem gerne in diesem Bett.

Im Jahr 2009 bauten wir auf Borkum das Schlafzimmer um - und ich wollte dort dann auch ein Wasserbett haben.
Wir kauften wieder ein gebrauchtes, diesmal nur 1,60m + 2,00m, weil mehr passt in das Schlafzimmer nicht rein, holten es irgendwo im Harz ab und transportierten es nach Borkum. Abholung und Abbau im Harz noch mit geliehener Pumpe, aber damals kam ich dann auf die Idee, dass wir uns grundsätzlich eine eigene Pumpe kaufen sollten, weil einfach praktischer. Dieses Wasserbett hatte zwei Einzelmatratzen à 0,80m x 2,00m, das habe ich genau ein Jahr ertragen, dann hatte ich davon die Nase voll, Einzelmatratzen sind nix für meinen Schlafstil, ich brauche eine einheitliche Matratze ohne Gefälleunterschied, da kann ein Wasserbettverkäufer noch so viel erzählen, dass es besser ist - ich finde es blöd.

Also kaufte ich eine passende Monomatratze in 1,60m x 2,00m (gebraucht natürlich, ich liebe ebay) und beschäftigte mich in dem Zusammenhang einmal gründlich mit den unterschiedlichen Qualitäten im Wasserbettenangebot. Es gibt natürlich Mercedesmatratzen und Nonamematratzen, und wenn ich schon gebraucht kaufe, dann nur Mercedes, auf Borkum haben wir deshalb jetzt eine Tassomatratze mit Schaffell-Topping. Ist sehr komfortabel, aber für neu wäre es mir definitiv immer zu teuer. Die beiden Einzelmatratzen verkaufte ich übrigens auf der Insel weiter, rein finanziell habe ich bei diesem Geschäft sogar Gewinn gemacht und per Saldo nachher noch die deutlich bessere Matratze auf dem eigenen Bett, war eine coole Aktion.

Als nächstes kam N auf die Idee, dass er auch gerne ein Wasserbett hätte, ich sagte ihm, worauf er achten muss, wenn er bei ebay schaut (nicht nur eine verträgliche Entfernung zum Abholen, sondern auch Qualität, Matratzenberuhigung etc.) - er fand ein passendes Bett in 100km Entfernung, wir kauften es, bauten es erst in Greven auf und dann zog er damit um nach Hamburg. Mittlerweile besaßen wir unsere eigene Pumpe, mittlerweile sind wir Profis im Wasserbettenauf- und abbau.

Dann wollte J ein Wasserbett haben, auch das kauften wir bei ebay, kauften ihm ein Jahr später auch noch eine neue Matratze, (wieder ebay, wieder Tasso, diesmal aber Free flow, J ist halt der Sohn seines Vaters) und transportierten es irgendwann nach Borkum, weil J sich dort mehr aufhält als in Greven.

Wenn ich jetzt so rückwärts überlege, wie viele Wasserbetten wir schon ab- und wieder aufgebaut haben, dann ist das schon eine beachtliche Zahl. Inzwischen würde ich auch von uns behaupten, dass wir uns ziemlich gut mit allen Details in diesem Geschäft auskennen und auch zubehörtechnisch inzwischen sehr gut ausgerüstet sind. Man braucht nicht nur eine Pumpe (mit den passenden Anschlüssen und dem Absaugstutzen), sondern auch einen passenden Wasserhahnadapter für die Warmwasserzuleitung, eine Entlüfterpumpe und ganz viel Chemie, die bei jeder Erstbefüllung und dann anschließend alle sechs Monate ins Wasserbettwasser gekippt werden muss. Das habe ich alles so nach und nach gelernt und angeschafft, aber nach nunmehr fast 29 Jahren Wasserbett kann ich nur sagen: es waren schlaftechnisch wirklich wunderbare 29 Jahre, blöd nur, dass ich für normale Matratzen fast komplett versaut bin
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Dienstag, 25. Februar 2020
Ein ganz normaler Bürotag
Heute war ein normaler Bürotag, es gab keine besondere Vorkommnisse und damit im Grunde auch nichts zu erzählen.

Ein Blog, in dem man jeden Tag etwas schreibt, ist am einfachsten als Tagebuchblog zu führen, denn irgendwas hat man ja den Tag über getan, was man zumindest als Nacherzählung zusammenfassen kann.
Das sind für mich dann immer die Notfalleinträge, weil ihr einziger Sinn darin liegt, die Serie nicht zu unterbrechen, hier gibt es JEDEN TAG EINEN EINTRAG, das ist Prio eins, Qualität ist erst danach von Interesse.

Mit der Einstellung halte ich es jetzt schon seit viereinhalb Jahren durch und ich glaube, es ist eine gute Einstellung.

Natürlich langweile ich mich selber, beim simplen Nacherzählen eines langweiligen Routinealltags, aber das ist der Preis dafür, dass ich zwischendurch eben auch mal gute Texte schreibe. Texte, die mir gefallen und die ich auch nach längerer Zeit immer mal wieder lese und mich freue, dass es mir halt ab und zu auch gelingt, solche Texte selber zu schreiben.

Durch das Wissen, dass ich täglich liefern muss, komme was wolle, alles egal, hier steht jeden Tag ein neuer Text, habe ich die Qualitätsanforderung an mich selber gesenkt und mir damit eine Schreibfreiheit geschaffen, die mich ab und zu selber erstaunt.

Ohne diese teilweise vernichtende Selbstkritik entstehen nämlich manchmal Texte, die eben einfach so entstehen. Ohne langes Nachdenken, ohne lange Vorbereitung, einfach so beim Tippen erdacht und wenn ich sie ein halbes Jahr später dann noch mal lese, bin ich erstaunt, was ich mir da manchmal so aus dem Ärmel schüttele.
Hört sich jetzt nach gruseligem Selbstlob an, aber da will ich gar nicht drauf hinaus, sondern ich habe mir nur heute überlegt, dass ich nur deshalb, weil ich den festen Vorsatz habe, hier täglich einen Text abzuliefern, hier überhaupt Texte abliefere.

Und deshalb ist es auch nicht schlimm, wenn ich immer wieder und auch häufig langweilige nullachtfuffzehn Texte ohne besonderen Inhalt, ohne Spannung, Höhepunkt oder Witz hier abliefere, einfach weil ohne diese graue Füllmasse hier gar nichts stände und das fände ich dann aus rein egoistischen Gründen schade.

Mir macht das nämlich Spaß, Texte zu schreiben, die mir nachher selber gefallen, aber um genau das zu erreichen, muss ich meinen eigenen, ansonsten sehr dominanten Lotterhund austricksen. Und das gelingt mir nur durch das diskussionslose Festhalten an der "jeden Tag wird etwas abgeliefert-Regel".

Wollte ich zwischendurch mal so gesagt haben, weil ich sonst heute nichts zu erzählen habe, war halt nur ein ganz normaler Alltagsbürotag ohne Extras drumherum
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Mittwoch, 19. Februar 2020
Digitale Medien
Heute fand ich eine Kurzmeldung im Handelsblatt interessant, die von einer Umfrage berichtet, nach der 70% der Gesamtbevölkerung sich im Umgang mit digitalen Medien unsicher fühlen.
70% hört sich auf den ersten Blick viel an, wenn ich aber genauer drüber nachdenke, finde ich es sogar erstaunlich wenig und kann mir die "kleine Zahl" nur damit erklären, dass es wohl auch eine große Menge an Menschen geben muss, die kein Gefühl dafür haben, was sie können bzw. wie unendlich groß die Möglichkeiten sind, die einem die digitalen Medien theoretisch bieten - und wie unendlich wenig man letztlich davon beherrscht.

Das ist nämlich der Grund, weshalb ich meine, dass sich doch sicher noch viel mehr als nur 70% der Menschen unsicher fühlen würden, wenn sie denn wüssten, was sie alles nicht wissen.

Und ich bin auch davon überzeugt, dass das nicht unbedingt eine Frage des Alters ist, dass also auch die sogenannten "digital natives" in vielen Fällen eigentlich keine Ahnung von den gigantischen Möglichkeiten der digitalen Medien haben. Wie weit ihnen das dann bewusst ist und wie weit es sie beeinflusst, sich sicher oder unsicher zu fühlen, lasse ich einfach mal dahingestellt.

Ich beobachte regelmäßig mit hoher Faszination wie viele Leute immer noch sehr unsicher sind bei Themen wie online Banking. Wenn sie dann auch noch online Brokerage machen sollen, wird es schon extrem dramatisch.
Jetzt mag das daran liegen, dass die allermeisten Menschen sowieso sehr wenig Ahnung von Finanzdingen haben. Früher fiel das weniger auf, da musste man im Zweifel nur einmal lernen, wie man eine Überweisung ausfüllt - und wenn man da dann trotzdem was falsch machte, dann waren da immer noch kontrollierende, freundliche Bankmitarbeiter, die darauf aufpassten, dass man nicht versehentlich 5000€ an Firma Hans überwies, wenn man doch eigentlich nur 5€ an Hans' Firma überweisen wollte.
Heute gibt es keine Bankmitarbeiter mehr, zumindest nicht, wenn man die digitalen Medien benutzt. Das heißt, dass man heute alles selber machen muss - und das wiederum bedeutet, dass man die digitalen Medien nicht nur bedienen können muss, sondern man muss auch noch wissen, was man da tut, wo Gefahren lauern, wo man sich absichern sollte und man mumss eben überhaupt sicher sein im Umgang mit einer Materie, die wohl tatsächlich vielen Leuten Angst macht, nämlich virtuelle Geldgeschäfte.

Aber auch im Umgang mit vielen Bereichen der sozialen Medien fühlen sich viele Leute (zurecht!) unsicher. Zu schnell hat man etwas gepostet, was man vielleicht doch nicht posten wollte oder erst später merkt, dass man es besser nicht hätte posten sollen - aber wie fange ich so etwas wieder ein? Überall hört man "das Internet vergisst nicht" und im Wesentlichen stimmt das ja auch. Der Umgang mit social media ist ja auch 1:1 immer ein Umgang mit digitalen Medien und wenn man sich da an diversen Stellen unsicher ist, finde ich das völlig normal.

Dann nehmen wir das reine Arbeiten mit digitalen Medien, sprich Computern und Software: Vielleicht fühlt man sich nicht unsicher im Umgang mit Office-Programmen, wenn ich mir aber ansehe, wie umständlich die meisten Menschen selbst mit den einfachsten Office-Anwendungen umgehen, dann wäre "unsicher" eigentlich die richtige Vokabel, denn einen wirklich sicheren Umgang mit Office-Programmen habe ich bisher nur bei wenigen Menschen beobachtet.

Ich halte mich selber für relativ technikaffin und was den Umgang mit digitalen Medien angeht, so geht der bei mir ganz sicher weit über das hinaus, was für andere Menschen Durchschnitt ist.
Ich mache natürlich alle Finanzgeschäfte digital, ich kommuniziere zu 95% nur über digitale Medien und benutze da sehr viele verschiedene Kanäle, mein Umgang mit Papier wird immer weniger, mittlerweile ist auch meine private Ablage fast komplett digitalisiert. Meine Wohnungen sind über smart home so maximal digitalisiert wie es für die analoge Welt nur möglich ist und natürlich gibt es kaum etwas, was ich nicht mit einem Blick ins Internet herausfinden kann.
Ich habe ein Blog und auf fast allen social media Kanälen einen Account.
Aber dass ich mich deshalb im Umgang mit digitalen Medien sicher fühle, das kann ich auch nicht behaupten, denn ich kann spontan sehr viele Dinge aus diesem Bereich aufzählen, von denen ich komplett keine Ahnung habe, und nicht zu wissen, wie Dinge funktionieren oder wie ich damit umgehen könnte, genau das führt bei mir zu Unsicherheit.

Aber vielleicht ist diese Unsicherheit heutzutage schon wieder so normal, dass es einem selber schon gar nicht mehr als Unsicherheit auffällt, weil man so viele andere Leute kennt, die das auch alles nicht wissen und sich trotzdem quietschvergnügt und mit einer grandiosen Hurra-Mentalität in dieser digitalisierten Welt bewegen und, man staune, sogar erfolgreich überleben
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Sonntag, 16. Februar 2020
Dinge tun müssen und Geldausgebeprioritäten
Viel Wind draußen, wenig Schwung drinnen, aber letztlich habe ich doch die Dinge geschafft, die dringend getan werden mussten.

Ich wünsche mir, einmal mit allen Dingen à jour zu sein. Nichts, was noch in der Inbox liegt und auf Erledigung wartet, auch keine Dinge, die in der "mach ich irgendwann mal, wenn ich Zeit habe" Ecke warten, ich wünsche mir, irgendwann einfach mal alles, was getan werden muss, erledigt zu haben, um bis zum nächsten Tag, der sicherlich neue Erledigungsaufträge mit sich bringt, mit rundum guten Gewissen nichts tun zu können.
Das wäre toll, aber ich fürchte, das gelingt nie.

Was die beruflichen Dinge angeht habe ich mein Verpflichtungsgefühl ja schon ganz gewaltig runtergeschraubt und es macht mir sehr wenig aus, wenn Dinge erst mit Verspätung fertig werden, weil es halt schneller nicht geht, wenn zu viel zu tun ist.
Ich habe nur einen 40h Job und keine Lust, ohne Not daraus 60h zu machen, nur weil irgendjemand meint, er bräuchte irgendwelche Sachen jetzt und sofort und auf der Stelle.

Ich habe aber neben dem Job auch noch alle möglichen Dinge für mich "privat" zu erledigen, obwohl sich die Tätigkeiten in vielen Fällen kaum von den "offiziell beruflichen" unterscheiden.

CWs Hinterlassenschaften sind zwar im Wesentlichen inzwischen sortiert, aber deshalb nicht beendet. Zwei Immobilien sind verkauft, aber die anderen existieren noch alle, genauso wie zwei der sonstigen Firmen, die er hinterlassen hat und die vielleicht nicht mehr viel Arbeit machen, aber trotzdem eben genau so viel Arbeit, wie eine Firma an formalem Verwaltungskram für Buchhaltung, Geldverkehr und Steuererklärungen eben verlangt.
Aktuell bäumt sich auch noch eine der ganz alten, fast abgewickelten Firmen wieder auf und macht unerwartet gründlich neuen Ärger. Wär sonst wahrscheinlich langweilig. (Hier bitte ein augenverdrehendes Smiley einfügen)

Außerdem sind ja noch weitere, externe Aufgaben dazugekommen.
Die gesamte Verwaltung für den Vater muss erledigt werden, alle Arzt- und Pflegerechnungen bezahlen,
bei DeBeKa und Beihilfe einreichen, die Erstattungen überwachen und ggfls. nachverhandeln oder reklamieren. Außerdem die sonstige Verwaltung für den Vater, Steuererklärungen, Hausverwaltung, was ein Mensch eben so hat an privatem Kram.
Und im Zweifel das Ganze für den Onkel im Wesentlichen auch.
Ab und zu brauchen auch die Kinder Unterstützung, zB wenn das BaFöG-Amt zickt, und dann habe ich ja auch noch die Häuser auf Borkum und die Wohnung in Mönchengladbach. Wenn man Immobilien besitzt, gibt es ständig irgendwas daran zu tun, Inbox Zero ist da wirklich sehr selten.

Irgendjemand oder irgendwas zuppelt also immer bei mir am Ärmel und drängelt, mit komplett gutem Gewissen einfach nichts tun ist also nie möglich, immer nur mit bewusstem Verdrängen oder zur Seite schieben.

Eigentlich bin ich ganz gut im zur Seite schieben, aber heute hat es mich genervt, vor allem weil eine dieser alten Firmen, eine, auf die ich wirklich überhaupt gar gar keine Lust mehr habe, besonders lautstark quengelt und enge Fristen setzt.

Nun ja, so ist das eben und so wird es wohl auch weiter gehen, manchmal muss ich mich nur mal schütteln und erst mal alles abwerfen, bevor ich dann die Einzelteile wieder aufsammel und weitermache.

Heute habe ich trotz akuter Lustlosigkeit samt innerem Widerwillen dann doch alles geschafft, was getan werden musste, wenn es fertig ist, ist das auch ein gutes Gefühl.

Auf der Strecke geblieben ist dafür die Zeit, einfach nur so auf dem Sofa zu sitzen, aber ich träume weiter davon.

Dafür waren wir sogar eine Runde vor der Tür, ich wollte heute nämlich unbedingt zum Flohmarkt, um meine Uhr abzuholen, die ich vor drei Wochen dort als Reklamation abgegeben hatte. Die Zeit verfliegt so schnell, aber wenn ich sie heute nicht abgeholt hätte, dann wäre die nächste Chance erst wieder in vier Wochen gewesen, denn bis dahin sind schon alle Wochenenden verplant.

Im Internet stand extra, dass der Flohmarkt heute ganz normal stattfindet, deshalb sind wir auch losgefahren. Es waren zwar nur ganz wenige Stände da, aber zum Glück war der Uhrenstand dabei, damit mission accomplished, hier ist jetzt ein to-do abgehakt und erst mal kein neues dazu gekommen.

Es war lustig, dort über diesen großen Parkplatz zu laufen und sich vom Wind durchpusten zu lassen. Es war wirklich richtig windig, aber weder kalt noch nass, insgesamt also sogar sehr angenehm, ich habe mich dreimal mit Rückenwind über den Platz treiben lassen und bin anschließend im Zickzack immer halb gegen den Wind wieder auf die andere Seite gekreuzt, großer Spaß.

J hat sich Gedanken darüber gemacht, wieso Leute, die insgesamt mit ihrem Geld sehr haushalten müssen, für Dinge Geld ausgeben, die doch auf der Prioritätenliste gar nicht ganz oben stehen können, seiner Meinung nach und ich finde, das ist ein ganz spannendes Thema, weil ich mir genau darüber auch schon oft Gedanken gemacht habe.
Nach welchen Entscheidungsmustern geben Leute ihr Geld aus?

Ich bin ja eher so der Typ "Sachenkäufer".
Geld für nix auszugeben, also für "Erlebnisse", die dann anschließend einfach sofort verpufft sind, das widerstrebt mir immens.
Mit zunehmendem Alter und zunehmendem Reichtum*, übe ich zwar aktiv, mir wenigstens einige "Erlebnisse" mal bewusst zu gönnen, stelle dabei aber immer wieder fest, dass es eine Menge Dinge in diesem Bereich gibt, die mir schon deswegen wenig Spaß machen, weil ich das Geld dafür als so schrecklich rausgeworfen empfinde.
So haben K und ich uns letztes Jahr mal bewusst ein echtes Wellnesswochenende mit allem Pipapo gegönnt - Zusammenfassung: War ganz nett, aber wenn ich mir überlege, dass ich mir für das gleiche Geld auch eine neue Waschmaschine kaufen könnte, dann fände ich eine Waschmaschine attraktiver. Da ich aber nicht ständig neue Waschmaschinen brauche, lasse ich das mit dem Wellness-Shishi auch sein, das ist es mir einfach nicht wert.

*Dieser "Reichtum" ist für mich vor allem wegen der Absicherung der Zukunft von großer Wichtigkeit. Mittlerweile kann ich ziemlich gelassen in die Zukunft blicken, weil es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch bei mehreren, vorstellbaren worst case Szenarien gleichzeitig nicht zu der Situation kommen wird, dass ich frierend und hungrig unter der Brücke wohnen muss. Ich bin nämlich ganz innen drin ein ziemlicher Schisshase und deshalb immer bestrebt, mich maximal abzusichern. Sieht aber so aus, als ob ich mich in dem Punkt "Finanzen" tatsächlich mittlerweile entspannt zurücklehnen kann.


Zu den Dingen, für die ich bis heute keine Notwendigkeit sehe, dafür Geld auszugeben, gehören zB teure Urlaube und Luxushotels. Überhaupt Hotels, ich werde es bis ans Ende meiner Tage nicht begreifen, weshalb so viele Leute bereit sind, so viel Geld für eine simple Übernachtung auszugeben. Wenn ich wählen kann, ob ich in ein Motel One oder in das daneben liegende Hilton irgendwas Hotel gehen möchte, dann möchte ich bitte immer in das Motel One gehen. Schon deshalb weil dort die netteren Leute sind. Leute, die bereit sind, die Kohle für eine Übernachtung im Hilton irgendwas zu bezahlen, leben üblicherweise in einer Welt, in der ich ganz sicher nicht leben möchte und die ich deshalb auch nicht teilen möchte. Ich möchte auch keine Berührungspunkte zu dieser Welt haben, mir sind diese Menschen einfach nur unangenehm. Gedankenlose Geldverschwendung finde ich egoistisch und rücksichtslos. Wenn Leute so viel Kohle haben, dass sie sie einfach für so einen nutzlosen Kram verschleudern können, dann sollten sie sie doch lieber anderen Menschen geben, die weniger Geld haben und das Geld deshalb deutlich besser gebrauchen könnten.
Denn seien wir doch mal ehrlich: Was ist an einem Hotel für 300€ die Nacht besser als an einem für 60€? Auch für 60€ bekomme ich ein vernünftiges Bett und angemessene, optische Sauberkeit und ein Bad am Zimmer. Was braucht es sonst, wenn man dort einfach nur schlafen will?

Grade weil ich diesen teuren Luxus in vielen Fällen schlicht nicht zu würdigen weiß, ist das für mich also immer rausgeschmissenes Geld.
Ich habe im übrigen in den meisten Fällen auch keinen Spaß an teuren Restaurants. Mir ist das alles too much und ich bin mit einer einfachen Portion Pommes, die gut gewürzt ist, schon sehr glücklich, was soll ich also mit mehr, wenn wenig doch auch schon super ist?

Wenn Erlebnisse etwas wirklich Besonderes bieten, dann bin ich durchaus bereit, mir so etwas als Luxus zu leisten. Eine Ballonfahrt zB plane ich für dieses Jahr.
Wenn für mich das Besondere dann aber gar nichts Besonderes ist, ich musste zB mal unbedingt Fallschirmspringen ausprobieren und fand es dann völlig langweilig und unspektakulär, aber natürlich teuer, dann bin ich nach dem ersten Versuch damit auch durch und gehe statt Fallschirmspringen lieber wieder auf die Sommerrodelbahn, ist für mich eindeutig aufregender.

Was nun Sachen kaufen angeht, habe ich dort natürlich auch meine Prioritäten. Grundsätzlich gilt: Am liebsten oberste Qualität, die dafür gebraucht. Ich kaufe für 100€ also lieber ein gebrauchtes Kleid von Dior statt ein neues von C&A.

Überhaupt kaufe ich Dinge ungern neu. Sachen fabrikneu zu kaufen fühlt sich nämlich auch oft sehr nach rausgeschmissenem Geld an, weil der Wertverlust, den neue Dinge im Vergleich zu guten gebrauchten Dingen haben, derart groß ist, dass ich diesen Wertverlust gerne anderen Leuten überlasse.
Leuten, die 300€ für eine Nacht im Hilton irgendwas Hotel bezahlen zB.
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