anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Donnerstag, 29. April 2021
Schmerzempfinden
Als ich mich neulich wegen zunehmend unangenehmer werdenden Rückenschmerzen mit mir selber rumplagte, gab es verschiedene Fragen, die mir so nach und nach durch den Kopf gingen.
Zunächst dachte ich darüber nach, ob es wohl irgendeine Möglichkeit gibt, die Intensität von Schmerz zu messen.
Es ist jetzt schon länger her, dass ich Rückenschmerzen hatte und ich hätte die Intensität des aktuellen Rückenschmerzes gerne mit früheren Rückenschmerzen verglichen, weil ich mir ja jedesmal einbilde, dass es so schlimm wie jetzt noch nie war, zum Glück bleibt mir aber meist noch ein Rest Vernunft, um diese Aussage sofort anzuzweifeln, eben deshalb würde ich ja gerne objektiv vergleichen.
Im nächsten Schritt fand ich es aber auch interessant die Intensität des eigenen Schmerzes mit einem entsprechenden Schmerz anderer Menschen zu vergleichen.
Weil, wenn A sagt, dies oder jenes schmerzt so sehr, dass es nicht zum Aushalten sei und dringend nach Schmerzmitteln verlangt, dann kann es durchaus sein, dass B mit derselben Krankheit oder Verletzung zwar auch einen Schmerz empfindet, den aber weder als unerträglich einstuft noch nach Schmerzmitteln verlangt.
Mich fasziniert schon seit immer, wie unterschiedlich Menschen auf Schmerz reagieren und ich würde zu gerne wissen, was die Gründe dafür sind. Natürlich ist eine naheliegende und vor allem richtige Erklärung, dass sie unterschiedlich empfindliche Schmerzrezeptoren haben. Es gibt ja sogar Menschen, die haben gar keine. Dazu kommt, dass diese Schmerzrezeptoren noch nicht mal bei ein und demselben Menschen immer gleich arbeiten, d.h. es kann durchaus passieren, dass man einen im Grunde identischen Schmerz je nach Gusto der Rezeptoren an verschiedenen Tagen unterschiedlich intensiv empfindet. Das war übrigens das eigentliche Interesse an dieser Möglichkeit des Schmerzmessens, weil ich die Vermutung habe, ich werde aufs Alter immer zimperlicher.
Aber neben dem eigenen Vergleich im Zeitverlauf fände ich natürlich auch den Vergleich mit anderen interessant, d.h. mich interessiert sehr, warum die Schmerzrezeptoren so unterschiedlich arbeiten und daraus weitergeführt dann die Frage, warum die Menschen so unterschiedlich auf Schmerzen reagieren. So, wie Menschen unterschiedlich stark und unterschiedlich klug und unterschiedlich schwer und unterschiedlich groß und überhaupt in vielen Dingen eben unterschiedlich sind, so sind sie meiner Meinung nach auch unterschiedlich schmerzerträglich, oder wie auch immer das Adjektiv heißt, das beschreibt, wie gut jemand Schmerzen ertragen kann. Ertragen finde ich hier übrigens spannender als Empfinden, weil ich mir vorstellen kann, dass Ertragen eine größere psychologische Komponente hat als Empfinden, aber wenn man eh schon eine Skala für Vergleichswerte entwickelt, dann kann man auch gleich gucken, ob es einen Unterschied zwischen Ertragen und Empfinden gibt, das wäre richtig spannend, vielleicht ist es ja auch nur eine Frage der Definition. Um Schmerz aber überhaupt "objektiv" messen zu können, bräuchte man eine Mess-Skala mit Schmerzeinheiten, sonst kann man das ja nicht vergleichen.
Bei "Vergleichen" fiel mir dann die Antidiskriminierungsliga ein. Wenn man nämlich Schmerz vergleichen könnte, würden sofort diejenigen, die nur eine geringe Schmerzerträglichkeit haben, behaupten, sie würden diskriminiert, weil es natürlich Menschen geben wird, die sich über die "low performer" lustig machen. Andererseits: Machen sie das nicht heute schon? Ich meine, Begriffe wie "Heulsuse", "Memme", "Weichei" usw. gab es doch schon immer, nur wird heute halt subjektiv und willkürlich entschieden, wer deshalb gedisst wird. Wäre es da nicht praktischer, man könnte das tatsächlich messen und dann eine biologische Erklärung für unterschiedliches Schmerzempfinden als medizinischen Nachweis haben und damit berechtigter gegen die überheblichen Schmerzertrager vorgehen, die meinen, sie könnten auf Menschen mit weniger Schmerzerträglichkeit herabsehen, schließlich ist es dann nur eine Laune der Natur, ob man groß oder klein, oder viel oder wenig schmerzerträglich ist und wegen solcher unvermeidbaren "Schwächen" sollte wirklich niemand gehänselt werden.
Ein bisschen anders wäre es allerdings, wenn man Schmerzen ertragen üben und trainieren könnte, und damit eine Möglichkeit hätte, seine Fähigkeiten in diesem Punkt selber wenigstens bis zu einem gewissen Grad zu beeinflussen. So wie bei stark oder schnell oder klug oder schwer - da gibt es jeweils unterschiedliche, angeborene Basisdisponierungen und natürlich wird man aus einem Esel kein Rennpferd machen können, aber immerhin einen schnellen Esel, der, wenn er ausreichend trainiert und sich Mühe gibt, nachher problemlos untrainierte Pferde im Wettrennen schlagen kann.
Hier stellt sich dann natürlich sofort die Frage, wie viel Eigenverantwortung jeder einzelne Mensch zu übernehmen hat und wo der Unterschied ist zwischen "der ist eine Memme, weil der sich gar keine Mühe gibt, mal was auszuhalten" oder "der ist eine Memme, weil seine Schmerzrezeptoren ihn rauskicken."

An dieser Stelle fiel mir auf, dass meine persönliche Beurteilung von Menschen ganz extrem an diesen Punkt anknüpft und ich jederzeit bereit bin, Menschen zu helfen oder sie zu unterstützen, wenn ich das Gefühl habe, sie haben sich selber schon ganz viel Mühe gegeben, kommen jetzt aber aus eigener Kraft nicht weiter. Im Unterschied zu Menschen, bei denen ich den Eindruck habe, sie jammern aus reiner Bequemlichkeit und vor allem weil sie es ungerecht finden, dass es jemand anderem besser geht oder dass er mehr hat als sie, obwohl der auch nichts dafür getan hat.
Hier versagt nämlich mein Mitleid und ich gehe diesen Menschen gerne weit aus dem Weg, weil ich sie schmarotzig finde. In der Biologie sind Schmarotzer Kreaturen, die davon profitieren, dass jemand anderes etwas hat oder kann und die sich dann an den anderen dran hängen, um selber auch ein gutes Leben zu haben.
Meistens beeinträchtigen oder schädigen sie ihren Wirt, wenn sie ihn töten, spricht man von Parasiten.

Dass Menschen unterschiedlich sind, ist eine Realität, die sich nicht übersehen lässt. Diese Unterschiedlichkeit hat enorm viele Facetten und beschränkt sich nicht nur auf angeborene biologische Unterschiede, sondern auch auf (angeborene) soziale Unterschiede. Ein Kind, was bei uns in Deutschland geboren wird, hat es mit hoher Wahrscheinlichkeit in seinem Leben deutlich besser als eines, was in Afghanistan geboren wird. Und Kinder mit reichen Eltern haben im Durchschnitt auch bessere Startvoraussetzungen als Kindern aus finanziell minderbemittelten Haushalten. usw. usw. All diese Unterschiede sind ungerecht. Natürlich sind die ungerecht, weil sie ja vollkommen willkürlich passieren und das frischgeborene Kind überhaupt keinen Einfluss darauf hat, mit welchen Eigenschaften und in welche Umgebung es hineingeboren wird.

Gleichzeitig sind sie aber auch Teil des Lebens, das gesamte Leben beginnt ungerecht und setzt sich auch ungerecht fort. Die Natur selber hat keinerlei ethische Gerechtigkeitsvorstellungen, das ist eine Variante, die erst durch den Menschen ins Spiel gebracht wurde, wahrscheinlich ist es der Hauptunterschied zwischen Mensch und Tier, nämlich dass der Mensch versucht, von der Natur zufällig verursachte Ungerechtigkeiten durch ein ethisches Moralsystem auszugleichen.
Das finde ich soweit auch alles richtig und gut, ich glaube allerdings nicht, dass es machbar ist, alle Unterschiede zu beseitigen und vor allem bin ich nicht der Meinung, dass diejenigen, die mehr haben, also mehr Möglichkeiten, mehr Fähigkeiten, mehr Reichtum etc., dass die alleine dafür verantwortlich sind, diejenigen, die weniger haben, "auszuleveln" und vor allem sehe ich keine Notwendigkeit, jemanden zu unterstützen, der im Grunde sehr gut alleine klarkäme, das aber durch seine eigenen Ansprüche selber boykottiert.
Selbstverwirklichung ist sicherlich etwas Tolles, wer träumt nicht von einem komplett selbstbestimmten Leben, nur tun und lassen, was einem selber gefällt und alles, was keinen Spaß macht, kurzerhand zur Seite schieben. Yolo, schon klar.
Und wenn man sich vor lauter Yolo in eine Sackgasse manövriert hat, wird da schon jemand sein, der einen wieder rausholt, da hat man schließlich einen Anspruch drauf.
"Ich möchte nur, was mir zusteht." ist so ein Satz, auf den ich in aller Regel sehr allergisch reagiere, damit wird nämlich eine Schuldumkehr bewirkt. Plötzlich sieht es so aus, als ob da jemandem etwas vorenthalten wird, was ihm aktiv weggenommen wurde. Diebstahl sozusagen, dabei übersehen viele Leute, dass sie im Zweifel niemals das Eigentum an dem hatten, was sie da "zurück"verlangen.

Triage ist als Wort erst zu einer flächendeckenden Bekanntheit gelangt, seitdem wir Pandemie haben, es beschreibt aber ein System, was sich auch außerhalb der Medizin vielfältig anwenden lässt. Nämlich immer dann, wenn begrenzte Ressourcen mit dem maximalen Nutzen für den gewünschten Output eingesetzt werden sollen. Ich helfe gerne anderen Menschen und ich gebe auch gerne ab, wenn ich selber schon versorgt bin, aber ich möchte erstens selber entscheiden, wem und was ich abgebe und außerdem versuche ich mit dem, was ich an Leistung/Geld/Zeit/Energie/Kraft abgeben kann, auch einen sinnvollen Nutzen zu erreichen, also Triage bei der Beurteilung, wen ich womit unterstütze.

Das alles ging mir so durch den Kopf, als ich über Schmerzen nachdachte, weil ich mir nicht sicher war, ob ich mich selber bemitleiden würde, wenn ich mein eigener Klon wäre, denn auch Mitleid ist eine Form von Unterstützung. Empathische Seelenunterstützung. Wer jemanden bemitleidet, gibt ihm etwas von seiner eigenen Kraft und Energie ab, denn man trägt das Leid des anderen ein Stück weit mit und entlastet ihn so.
Und im Ergebnis stellte ich fest, dass ich mich wahrscheinlich selber nicht bemitleiden würde (obwohl die Rückenschmerzen echt ganz schrecklich gruselig waren), aber ich hatte sie doch selber verursacht und in solchen Fällen versagt mein Mitleid komplett. Alles, was ich dann maximal bereit bin als Unterstützungsleistung anzubieten, sind nüchterne, pragmatisch notwendige Lebenserhaltungsmaßnahmen, in diesem Fall zwei Ibus und ein flüchtiges Kopftätscheln: "Wird schon wieder und beim nächsten Mal überleg dir vorher, ob du dein Wasserbett abgeben willst und mach vor allem gefälligst endlich mal vorbeugende Rückengymnastik. Und wenn du keinen Bock auf Rückengymnastik hast, na, dann beschwer dich nicht."

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Mittwoch, 3. März 2021
Rente mit 40
Gestern hatte ich keine Zeit, deshalb war ich sehr froh, dass J für mich eingesprungen ist und meinem Blog die Schmach eines Bloglochs erspart hat, auch wenn er selber grade hauptsächlich mit Erholen beschäftigt ist, denn er hat am Montag seine letzte Klausur geschrieben und kann das Semester nun offiziell als "bestanden" markieren und sich auf ausschweifende drei Wochen Semesterferien freuen, in denen er allerdings noch weiter in der Apotheke arbeiten wird, um sein Stundenkonto für das kommende Semester ein wenig auf Vorrat zu befüllen.
Entdeckt hat er dabei, dass man sich durch Arbeiten ganz schön viele Stunden Freizeit klauen kann, eine Erkenntnis, die seine Schwester parallel auch grade gewonnen hat und mir tun beide Kinder ein bisschen leid, weil ich keine Lösung weiß, wie ich sie an dieser Stelle vor der Brutalität des Lebens schützen kann.

Oder ist das jetzt genau das klassische Problem, das die Generation Y kennzeichnet?
Zitat aus der Wikipedia, die ihrerseits die Heinrich-Böll-Stiftung zitiert:
?Die Gruppe der heute 18 bis 38-Jährigen ist die erste Generation in westlichen Gesellschaften, die ohne Systemalternative aufgewachsen ist, nach den großen Ideologien. Als Generation Y [WHY] wird ihr nachgesagt, sinnerfüllende Arbeit und Freizeit mit einem hohen Maß an sozialer Sicherheit verbinden zu wollen. In den Augen dieser Generation scheint alles eine Frage der individuellen Prioritätensetzung zu sein. Leben diese jungen Menschen damit einen Traum, den bereits frühere Generationen träumten, ohne ihn verwirklichen zu können? Oder handelt es sich nur um die neueste Form eines Kapitalismus, der Non-Konformismus, Weltoffenheit und Technikaffinität braucht? Und wie wirkt sich die Dialektik von hohen Sinnerwartungen im Arbeiten einerseits und dem Rückzug ins private Freizeitglück andererseits auf das politische Leben aus?"

Für mich besteht die Alltagsrealität schon seit vielen, vielen Jahren schwerpunktmäßig aus Erwerbsarbeit, dass man sich mit Arbeit den ganzen Tag versauen kann, habe ich schon früh bemerkt, aber in den letzten 40 Jahren leider keine Alternative dazu gefunden.

Spannend finde ich den Ansatz der Frugalisten, deren bekanntester Vertreter wahrscheinlich der Blogger Oliver Noelting ist, der mit seinem Blog sogar 2019 den Finanzblog Award gewonnen hat.
Die Idee, einige Jahre beruflich voll reinzuhauen, dabei sparsam zu leben und in der Zeit so viel Kapital anzuhäufen, dass man dann schon mit 40 in Rente gehen kann, ist ja auch durchaus charmant, ich fürchte nur, es ist für die meisten nicht ganz so leicht umzusetzen, wie es sich auf den ersten Blick liest.

In der FAZ stand dazu gestern auch ein Text.
Der Artikel liegt hinter der paywall, aber die Kernaussage lässt sich kurz zusammenfassen:
Man muss sich überlegen, wie viel man meint, im Monat brauchen zu müssen, muss sich entscheiden, wie lange man (davon) leben möchte und sollte dann noch eine Meinung haben, ob man seine "Rente" inflationssichern möchte und wenn ja, wie hoch und mit welcher Verzinsung man für das vorhandene Kapital durchschnittlich rechnen kann.
Diese Eckwerte kann man dann entweder in eine Barwertformel in einer Excel-Tabelle eingeben oder man nutzt einen der praktischen online-Internet-Rechner, die die passende Formel hinter einer komfortablen Eingabemaske schon programmiert haben.
Im Artikel wurde die Seite Zinsen berechnen verlinkt, wo man zB ausrechnen lassen kann, dass man heute 716.732,61 Euro braucht, wenn man für die nächsten 40 Jahre monatlich 1.500 Euro ausgeben möchte und davon ausgeht, dass man nur 1% Rendite erhält, was man aber auch sofort wieder in eine Dynamisierung steckt, weil man auch mit einer Inflation von 1% rechnet.

Die Schwierigkeit ist auf der einen Seite, dass man sich heute schon entscheiden muss, wie lange man noch leben will, weil, wenn man den Plan so aufzieht, wie hier beschrieben, dann ist am Ende der Rentendauer eben auch das Kapital verbraucht, wenn dann noch Leben übrig ist, ist blöd.
Und auf der anderen Seite gibt es halt noch ein paar Imponderabilien, die nur schwer im Voraus zu berechnen sind.
Was ist, wenn ich nach einigen Jahren dann doch deutlich mehr Geld brauche, bspw. weil ich meine Kinder unterstützen will (oder muss)?
Was ist, wenn der Euro crasht?
Was ist, wenn die gewählte Geldanlageform keine gute war?
Was ist, wenn ich zwischendurch mal größere Ausgaben habe?
Was ist, wenn ich meine Bedürfnisse falsch kalkuliert habe und ich deshalb irgendwann mit der Rente nicht mehr auskomme? Denn mal ehrlich, 1.500 Euro habe ich jetzt nur so gegriffen, weil sich das ja schon viel anhört für nichts tun, aber man muss dabei auch bedenken, dass man sich dann privat krankenversichern muss und dann bleiben von den 1500 nur noch 1000 oder weniger über und dann wird es langsam eng. Wenn man davon auch noch Wohnen und Reisen und ab und zu mal ein paar Extras bezahlen will, wird man auf Dauer mit 1500 nicht auskommen.
Wahrscheinlicher wird man also eher 3000 im Monat brauchen, um noch ein bisschen Puffer zu haben, dass man sich von seiner eigenen Rente auch mal was ansparen kann, wenn ich aber 40 Jahre lang 3000 Euro Rente entnehmen möchte, dann brauche ich unter den gleichen Bedingungen eben auch einen doppelt so großen Kapitalausgangsstock, also über 1,4 Mio.
Wenn man sich dann noch überlegt, dass die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland inzwischen bei 81 Jahren liegt, was aber auch bedeutet, dass es eine Menge Leute gibt, die älter werden, dann muss man sich gut überlegen, ab welchem Alter man diese Rente beginnen will und wie viele Jahre man da wirklich einkalkuliert.

Sind halt schon eine Menge Unsicherheiten, auf die man sich mit so einem Modell einlassen muss, wenn man 25 Jahre früher als der Rest der Bevölkerung in Rente gehen will - für mich wäre das deshalb nichts gewesen, wenngleich ich grundsätzlich durchaus etwas Ähnliches gemacht habe. Ich habe auch im Laufe meines aktiven Arbeitslebens viele Jahre lang sehr sparsam gelebt, um nebenher an einem Vermögensaufbau zu arbeiten, der für mich immer die persönliche Altersvorsorge war. Ich habe ja eher wenig Vertrauen in staatliche Systeme, weshalb ich es klug fand, meine Altersvorsorge selber zu organisieren und das hat tatsächlich gut funktioniert, so dass ich mir heute schon keine Sorgen mehr um später machen muss. Aber wie gesagt, mit 40 hätte ich dazu noch nicht den Mut gehabt
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Freitag, 22. Januar 2021
Gendersprache
Zunächst hatte ich "Gendern" als Überschrift gewählt, daraus machte meine Autokorrektur aber "Geldern". Ich glaube, meine Autokorrektur kann sich nicht vorstellen, dass ich wirklich gendern will.
Ich habe deshalb die Überschrift angepasst, jetzt akzeptiert es auch meine Autokorrektur.

Ich habe mir ja schon mal Gedanken zur Gendersprache gemacht und bin dabei für mich zu dem Schluss gekommen, dass ich lieber meine eigene, alterspassende Sprachversion weiterverwende und lehne es deshalb aktiv ab, gegenderte Ausdrücke zu benutzen. Genausowenig wie ich "Alter" , "Digga" oder "Babo" sage, sage ich Mitarbeit*ende oder Arbeiter*innen. Wobei, Mitarbeit*ende, mit einem Glottal-Stop beim Sternchen, macht mir ja schon wieder Spaß.
Neulich habe ich den Kindern erklärt, wo die Außenbeleuchtung für das Haus bedient wird: "Ihr müsst den Schalter innen benutzen." - Was meine Tochter dazu brachte, mich verwundert zu fragen, weshalb ich jetzt doch gendere und dann ausgerechnet Schalter.

Nun ist es allerdings gesetzlich verankert, dass bestimmte Stellen eine "geschlechtsneutrale" Sprache benutzen müssen und da ich mit solchen Stellen viel zusammenarbeite, bin ich immer dann beruflich gezwungen Formulierungen in einer Sprache zu schreiben, die sich für mich an vielen Stellen anhört wie eine ziemlich abstruse Jugendsprache, wenn ich "offizielle" Schriftstücke erstelle. Dazu gehören Gesellschaftsverträge, Vorlagen und Protokolle, also all die Texte, die sowieso schon nicht mit schöner Sprache punkten. Konsequent durchgegendert werden diese Texte dann allerdings zu einer ungemein spaßigen Lachnummer, im Zweifel muss man also nur die richtige Brille aufsetzen, dann geht es schon wieder.

Da ich für all diese Texte jetzt also eine 150%ige Folgsamkeit plane, denn erst mit wirklich umfänglich umgesetzter Gendersprache wird es ein Spaß, alles andere ist nur peinlich und albern, habe ich mich im Netz informiert, wie hardcore Gendern professionell funktioniert und bin dabei auf diese Seite gestoßen:

Geschickt gendern


Genau genommen habe ich die Seite schon vor ein paar Tagen gefunden, ich konnte aber noch nichts dazu schreiben, weil ich vor lauter Kichern nicht mehr tippen konnte. So viel Spaß hatte ich wirklich selten. Andererseits muss man dazu auch gar nichts mehr schreiben, das Wörterbuch spricht einfach für sich.

Unabhängig von dem Spaßfaktor, den ich dem Ganzen verzweifelt versuche abzuringen, und unabhängig von der Tatsache, dass ich es schlicht eine Vergewaltigung der Sprache finde, wenn man mit der Brechstange versucht, Wörter zu ersetzen, die einer bestimmten Gruppe von Menschen (allerdings zugegeben, einer sehr lauten und sehr durchsetzungsstarken Gruppe von Menschen), die also einem Teil der Bevölkerung nicht mehr genehm sind, habe ich mir auch noch mal Gedanken darüber gemacht, wie ich die grundsätzliche Idee dahinter beurteilen würde, wenn ich 30 Jahre jünger wäre.

Ich habe als Begründung, weshalb Gendern in der Sprache wichtig ist, verstanden, dass es um die Sichtbarkeit der Frau geht und dass Feministen meinen, dass es für Frauen wichtig sei, dass sie sichtbarer werden, damit sie mehr Rechte bekommen.

Wenn das der einzige Grund ist, und ich habe tatsächlich noch keinen anderen gefunden, der sich nicht auf diese grundlegende Kernthese bezieht, ist es für mich relativ einfach, tatsächlich auch selber eine Meinung zum Gendern zu haben, dann lehne ich Gendern nämlich schon deshalb ab, weil ich bei der Kernthese nicht mitgehe.

Meine Grundüberzeugung ist, dass ich nicht glaube, dass man der Mehrheit der Frauen damit einen Gefallen tut, wenn man sie "sichtbarer" macht, weil "Rechte" überhaupt nichts mit Sichtbarkeit zu tun haben. Die kann man komplett unabhängig davon regeln und hat hier auch schon sehr, sehr viel geregelt.

Dass die Mehrheit der Frauen von einer erhöhten Sichtbarkeit nicht profitiert, ist soweit allerdings auch wirklich eine "Glaubensfrage", denn es wird schwer sein, die Mehrheit der Frauen danach zu befragen, ob sie sprachlich und damit in der Gesellschaft sichtbarer werden möchten. Eine einfache Umfrage brächte hier kein sinnvolles Ergebnis, weil ich gleichzeitig der festen Überzeugung bin, dass die allermeisten Frauen sich der Folgen dieses Sichtbarseins gar nicht bewusst sind. Auf den ersten Blick hört sich das nämlich nur positiv an, sichtbar zu sein, mit "unsichtbar" lassen sich spontan viel mehr negative Attribute verknüpfen.

Dabei hat sichtbar sein tatsächlich eine ganze Menge Nachteile. Das kennt doch jeder aus der Schule - in der letzten Reihe saß es sich einfach bequemer und friedlicher als vorne in der ersten Reihe, wo man pausenlos sichtbar war.
Wer sichtbar ist, muss sich auch sichtbar benehmen. Der muss vorangehen, die komplizierten Dinge im Leben regeln, die Verantwortung übernehmen und sich im Zweifel auch totschießen lassen.
Ich habe noch nie verstanden, wo dabei der Vorteil ist, ich kann aber sehr gut verstehen, dass die Männer keinen Bock mehr haben, immer alleine vorne zu stehen. Deshalb ist meine Theorie, dass der moderne Feminismus im Grunde ein reines Männerprojekt ist, weil es natürlich ärgerlich ist, dass Frauen heute alles dürfen und alles können, aber nicht alles müssen. Das ist ungerecht, das sehe ich durchaus, aber ich sehe nicht, weshalb ich mithelfen sollte, das zu ändern, so viel Altruismus bringe ich schlicht nicht auf.

Und deshalb lehnte ich eine Gendersprache auch dann ab, wenn ich 30 Jahre jünger wäre und mich nicht mehr bequem über das Alterstürchen rausmogeln könnte.
Denn hier kommt wieder Sprache ins Spiel: Worte machen Dinge wahr.
Genau deshalb möchte ich eigentlich gar nicht über eine unterschiedliche Sichtbarkeit reden und fände es perfekt, wenn man es lässt wie es ist. Jede Frau, die gerne sichtbar sein möchte, setzt sich in die erste Reihe und fertig.
Quoten für die Platzverteilung finde ich deshalb vollkommen in Ordnung, nur so kann man vermeiden, dass sich die Jungs, denen die hintere Reihe verwehrt wird, zusammentun, als Rüpelclique den Ton angeben und Frauen einen Platz in der ersten Reihe nur aus Nickeligkeit verwehren.
Da ich übrigens schon seit vielen Jahren sehr viel mit Politikern und politisch besetzten Verwaltungsbeamten zu tun habe, hat sich meine Meinung zum Thema "Quotenfrau" um 180° gewendet. Ich bin absolut für Quotenfrauen, weil ich finde, dass es nur fair ist, wenn neben den großen Mengen an inkompetenten Netzwerkjungs auch eine passende Anzahl an inkompetenten Frauen ihren Platz in der Verwaltung findet.


Zurück zur Gendersprache, da geht es viel um das generische Maskulin und dass das von übel ist.
Unabhängig davon, dass ich das mit dem "sichtbar machen" ja anders sehe, finde ich es auch ausgesprochen sinnvoll, einen einheitlichen, geschlechtsübergreifenden Begriff für alle Geschlechter zu haben, oder, um es andersherum auszudrücken, eben nicht permanent geschlechtsspezifische Unterschiede sprachlich zu markieren, weil es in ganz vielen Begriffen schlicht egal ist, ob der Mensch, von dem man redet, ein Männlein oder ein Weiblein oder etwas Unbestimmtes ist, weil es schlicht GAR NICHT auf das Geschlecht ankommt. Man unterscheidet ja auch nicht nach Schuhgrößen oder nach Haarlänge und erwähnt das jeweils extra. Frauen und Männer mögen sicherlich unterschiedlich sein, wenn es um körperliche Fähigkeiten wie Kraft, Stärke und Ausdauer geht, sie in sportlichen Disziplinen also nach Mann und Frau getrennt zu bewerten, scheint sinnvoll, aber alle Tätigkeiten, die nur was mit der Menge Grips im Kopf zu tun haben, kann man komplett geschlechtsneutral bewerten, denn hier gibt es keine messbaren Unterschiede. (außer dass Frauen natürlich klüger sind, aber das ist ein anderes Thema…)
Insoweit konzediere ich einer Sprachveränderung im Rahmen der geschlechtsneutralen Sprache eine gewisse Berechtigung, wobei ich persönlich als bekennender Chauvinist mit dem generischen Maskulin als geschlechtsneutrale Grundform sehr gut klar komme. Ich kann halt alles, was ein Mann kann, und was eine Frau kann, kann ich noch zusätzlich, das ist eine ganz natürliche Überlegenheit, die muss ich doch nicht verleugnen
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Mittwoch, 14. Oktober 2020
abgedriftete Gedanken
Die Wetterberichte berichten mal wieder über das Wetter von ganz woanders, hier im Münsterland war es auf alle Fälle heute weder regnerisch, noch stürmisch oder überhaupt sonstwie uselig, es war einfach nur Herbst, was ich Mitte Oktober aber auch ziemlich normal finde.
Viel erstaunlicher dagegen finde ich, dass die Störche in den Rieselfeldern wohl beschlossen haben, sich besser als die Menschen an die Coronaregeln zu halten und deshalb ihre Zugvogelgene einfach ignorieren und kurzerhand hierbleiben. Nix Überwintern im Süden dieses Jahr, jeder bleibt wo er ist, nur so kriegen wir das Virus in Griff.
Deshalb sind die Störche noch alle da und eben nicht ins Winterquartier abgeflogen.



Man kann sich nur wundern.

Überhaupt macht die Natur seltsame Dinge, mitten auf dem Rasen hinterm Haus ist eine Lilie aus dem Gras gewachsen. Wunderschön, kerzengrade und mit vielen Blüten. Wie kommt da die hin?

Irgendwie kommt mir doch recht unheimlich Matthäus 6 in den Sinn
Seht die Vögel unter dem Himmel: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen......
und seht die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen, sie arbeiten nicht, sie spinnen nicht......

und doch funktioniert alles.
Vielleicht steckt hinter dem ganzen Coronakram ja doch ein höherer Plan und wir sollen einfach nur alle mal lernen, dass dieses ewige hektische Rumwuseln im Grunde ziemlich überflüssig ist und es uns genauso gut geht, wenn wir einfach mal an einer Stelle bleiben.

Okay, Philosophie-Esotherik-Modus aus, aber es fasziniert mich halt schon, weshalb so viele Menschen meinen, nur wenn man viel unterwegs ist, lebt man das wahre Leben.

Ich war heute einfach nur im Büro, das ist, ganz unbestritten zugegeben auch nicht das wahre Leben, aber ich betrachte dieses Bürodasein ja auch als absehbar endlich, zumindest rechtfertige ich mich mit dieser Entschuldigung vor mir selber
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Dienstag, 12. März 2019
Einzelgedanken
Ich habe heute über diverse, zusammenhanglose Einzelthemen nachgedacht.
Heute morgen zB bin ich extra nochmal umgedreht (weil ich morgens meist noch im Nachtwandelmodus unterwegs bin und eigentlich immer nur die eine einzige, unveränderliche Streckenführung ins Büro beherrsche), weil mir einfiel, dass wir dringlich ein neues Brot brauchen, dass das abends aber fast immer schon ausverkauft ist und dass es deshalb klug sein könnte, es einfach mal morgens zu kaufen. Die einzige Schwierigkeit dabei ist, die seit Jahren zementierten Gewohnheitsbahnen zu durchbrechen.

Und als ich dann morgens um 9.30h bei Lidl stand und voller Andacht das volle Brotregal bewunderte, habe ich mir überlegt, dass es doch prima wäre, wenn ich mein Brot online kaufen könnte, es aber offline abends im Geschäft abholen müsste. Dann wäre das Problem mit dem abends ausverkauft gelöst und ich bin sicher, Lidl machte auch mit anderen Produkten noch viel mehr Umsatz. Wäre nur mal so eine Idee von mir.

Während des Tages habe ich dann mal wieder über den tiefbegabten Assistenten der Geschäftsführung nachgedacht. Wie fühlt man sich eigentlich, wenn man ständig gespiegelt bekommt, dass man alles falsch macht (und auch die Sekretärin lässt ihn das sehr deutlich spüren), aber weiß, dass man auf der Gehaltsrangliste direkt nach Geschäftsführung entlohnt wird. Schämt man sich dann oder ist man von einer Dauerpanik begleitet? Dieser Mensch wird für mich ein Dauerphänomen bleiben.

Übermorgen ist Hexensabbat - der dritte Freitag des ersten Quartals, da werden reihenweise Optionen fällig. Ich war also während des Tages einige Zeit damit beschäftigt, Übersichten zu erstellen, bei welchen Optionen für welche Firma wir dringend irgendetwas entscheiden müssen und im Rahmen dieser Tätigkeit fiel mir auf, wie wenige Menschen freiwillig bereit sind, Dinge unter Risiko zu entscheiden und damit auch die Verantwortung für die Entscheidung zu übernehmen.
Ich glaube, das ist der Hauptgrund für die Langsamkeit der Verwaltung. Warum sollte ich etwas erlauben, was ich mit weniger Risiko viel besser verbieten kann?

In der Mittagspause habe ich heute mal die Beine hochgelegt und Blogs gelesen. Dabei bin ich auf diesen Eintrag von Isabel Bogdan gestoßen - noch mehr Weltfrauentag, aber ich glaube, diese Variante der Umsetzung gefällt mir. Ich muss das mal in Ruhe ausarbeiten, aber den Anfang habe ich schon:

Meine Lieblingsfarbe ist gelb. Zumindest wenn es um Autos geht und das Auto ein Punto Cabrio ist. Wenn das Auto ein Golf GTI ist, dann muss es natürlich rot sein. Und ein Beetle Cabrio ist nur in silber schön. British racing green finde ich auch toll, vor allem für Jaguars, den ich aber nur im Wege der Erbnachfolge mal kurz besessen habe. CW hatte einen, sogar einen links rechtsgesteuerten*, wie es sich gehört, wenn man auf Blödsinn steht, leider war der silber, was den Verkauf nach CWs Tod deutlich erleichterte. (ich meine damit, mir fiel die Trennung weniger schwer. Wenn der Wagen british racing green gewesen wäre, hätte es passieren können, dass ich ihn nicht hätte verkaufen wollen, was wiederum aus vielen anderen Gründen nicht gut gewesen wäre.)
*nachträglich geändert, denn das habe ich erst nachträglich begriffen, dass ich mal wieder die Seiten vertauscht habe. In Ländern mit Linksverkehr sind die Autos rechtsgesteuert, was für ein englisches Auto damit der "Originalzustand" ist und genau so eines hatte CW. Ich meinte also das andere Links.

Ansonsten ist meine Lieblingsfarbe immer die, die in dem jeweiligen Umfeld für das jeweilige Setting die aktuell beste ist.
Ich wundere mich sehr, dass es Menschen gibt, die nur eine Lieblingsfarbe haben. Ich habe viele.

Am Abend waren wir beim Griechen. Dort habe ich mich mit K unterhalten. Unter anderem über Babyphone. Die gibt es seit Mitte der 80er Jahre. (https://babyphone.info/seit-wann-gibt-es-babyphone/)
Ich hatte auch eines, allerdings stand die Gegenseite nicht im Kinderzimmer, sondern ich hatte sie im angeschlossenen Büro platziert, weil ich CW im Verdacht hatte, dass er zur Sekretärin, die er extra für das angeschlossene Hausbüro eingestellt hatte, deutlich zu enge Beziehungen pflegt. Dieser Verdacht hat sich allerdings nie bestätigt. Fürs Kinderzimmer fand ich das Babyphone aber immer ausgesprochen überflüssig, Babys erzählen noch gar nichts Spannendes, weshalb sollte man die also abhören? Wenn die ansonsten schreien, hört man sie entweder sowieso - und wenn man sie nicht hört, wird es wohl nicht so schlimm sein. Ich bezweifle hartnäckig, dass sich irgendein Mensch daran erinnert, dass er mit drei Monaten ungehört in der Wiege vor sich hinschrie und dass er sich deshalb nur verzögert entwickeln konnte.

Nach einem Griechenbesuch denke ich traditionell über nichts mehr nach, weil, nach zwei Ouzo und einem großen Bier ist das mit den Nachdenken nicht mehr so einfach
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