Sonntag, 4. Januar 2026
Von gesagten und nicht gesagten Wörtern und Sätzen
anje, 22:54h
Gestern Abend, kurz vorm Lichtausmachen, fragte mich mein Westfalenmann, ob ich wüsste, was ein Pilaster sei.
Ich fragte zurück, in welchem Zusammenhang, er sagte, in keinem, ihm sei das Wort eben einfach so eingefallen und er wüsse selber nicht genau, was es bedeutet, deshab frage er ja.
Ich staunte ein wenig, weil ich sonst nur die umgekehrte Variante kenne, nämlich dass man nach einem konkreten Begriff sucht, von dem man nur weiß, was er bedeuten soll und nur eine grobe Definition hat. Diese Richtung des Suchens macht mich immer ganz hibbelig, weil, wie findet man etwas, von dem man nicht weiß, wie es heißt?
Dass einem dagegen einfach so, out of the blue, ein Wort einfällt, von dem man nicht weiß, was es bedeutet, das fand ich zumindest bemerkenswert.
Die passende Definition dafür zu finden ist dann natürlich ganz leicht, man schaut bei Wikipedia nach und selbstverständlich wird da genau erklärt, was Pilaster sind.
Es sind Reliefpfeiler, ein Wort, was hauptsächlich als Palindrom bekannt ist.
Was ein Palindrom ist, wusste ich ohne nachzuschlagen und spontan fiel mir der Satz mit dem verbotenen N-Wort ein, der endet mit "zagt im Regen nie" und ich fragte mich, ob man den heute noch als Beispielssatz für ein Satz-Palindrom benutzen darf ohne Gefahr zu laufen, schief angesehen zu werden?
Ich meine, ich benutze all diese heute verpönten Wörter genauso wie ich vor 50 Jahren auch die damals verpönten Wörter benutzt habe, denn es gab ja schon immer Wörter, die man nicht aussprechen durfte, ohne dass man bei empfindlichen Gemütern Empörung erzeugte.
Und genau wie ich es vor 50 Jahren mit Wörter wie Sex*, Vögeln*, Arschloch* und Scheiße* gemacht habe, mache ich es auch mit den heute verpönten Wörtern: Ich benutze sie nur in einem Safe-Space, d.h. also wenn ich sicher bin, dass keine zartbesaiteten Anstandsdamen in der Nähe sind, die sich darüber nur wieder gewaltig aufregen und anschließenden Tiraden über - vor 50 Jahren: die verkommene Jugend - , oder heute: die respektlosen Boomer vom Stapel lassen.
*ich glaube, diese Wörter sind heute alle wieder gesellschaftsfähig, oder? Zumindest nimmt heute niemand mehr Rücksicht auf die Ohren von anständigen Fräuleins, heute nimmt man Rücksicht auf besonders empathische Mitmenschen, deshalb werde ich natürlich den Teufel tun und den Satz mit dem bösen N-Wort hier öffentlich aufschreiben. Mit der aktuell akzeptierten Bezeichnung ist allerdings das Palindrom dahin, manche Opfer muss man eben bringen, wenn man nicht unangenehm auffallen will.
Ehrlich gesagt, habe ich ein bisschen den Überblick darüber verloren, wen man heute mit Vorsatz und absichtlich beleidigen darf und wen noch nicht mal in Abwesenheit und ohne jede Beleidigungsabsicht, weil ich das mit dem Rassismus noch nicht so richtig kapiert habe.
Rassismus ist doch, wenn man Menschen, die einer anderen Ethnie angehören, bösartig ausgrenzt und verbal niedermacht, oder?
Was sagen die Kölner denn heute zu den Düsseldorfern - und umgekehrt? Oder die Schalker zu den Borussen?
Und dürfen die Borkumer die Holländer noch Muffköppe nennen und die Festländer Europäer oder gibt es dafür auch längst rassistisch korrekte, andere Begriffe?
Und was ist mit meinem Westfalenmann? Ich meine, wie soll ich den nennen, um ihn mit einem Wort zu beschreiben? Denn selbstverständlich bin ich mir meiner rassistischen Ausgrenzung ihm gegenüber bewusst, aber nun, er ist halt Westfale.
Ich habe ihn aber trotzdem lieb
.
(Abgelegt in anjemerkt und bisher 408 x anjeklickt)
Ich fragte zurück, in welchem Zusammenhang, er sagte, in keinem, ihm sei das Wort eben einfach so eingefallen und er wüsse selber nicht genau, was es bedeutet, deshab frage er ja.
Ich staunte ein wenig, weil ich sonst nur die umgekehrte Variante kenne, nämlich dass man nach einem konkreten Begriff sucht, von dem man nur weiß, was er bedeuten soll und nur eine grobe Definition hat. Diese Richtung des Suchens macht mich immer ganz hibbelig, weil, wie findet man etwas, von dem man nicht weiß, wie es heißt?
Dass einem dagegen einfach so, out of the blue, ein Wort einfällt, von dem man nicht weiß, was es bedeutet, das fand ich zumindest bemerkenswert.
Die passende Definition dafür zu finden ist dann natürlich ganz leicht, man schaut bei Wikipedia nach und selbstverständlich wird da genau erklärt, was Pilaster sind.
Es sind Reliefpfeiler, ein Wort, was hauptsächlich als Palindrom bekannt ist.
Was ein Palindrom ist, wusste ich ohne nachzuschlagen und spontan fiel mir der Satz mit dem verbotenen N-Wort ein, der endet mit "zagt im Regen nie" und ich fragte mich, ob man den heute noch als Beispielssatz für ein Satz-Palindrom benutzen darf ohne Gefahr zu laufen, schief angesehen zu werden?
Ich meine, ich benutze all diese heute verpönten Wörter genauso wie ich vor 50 Jahren auch die damals verpönten Wörter benutzt habe, denn es gab ja schon immer Wörter, die man nicht aussprechen durfte, ohne dass man bei empfindlichen Gemütern Empörung erzeugte.
Und genau wie ich es vor 50 Jahren mit Wörter wie Sex*, Vögeln*, Arschloch* und Scheiße* gemacht habe, mache ich es auch mit den heute verpönten Wörtern: Ich benutze sie nur in einem Safe-Space, d.h. also wenn ich sicher bin, dass keine zartbesaiteten Anstandsdamen in der Nähe sind, die sich darüber nur wieder gewaltig aufregen und anschließenden Tiraden über - vor 50 Jahren: die verkommene Jugend - , oder heute: die respektlosen Boomer vom Stapel lassen.
*ich glaube, diese Wörter sind heute alle wieder gesellschaftsfähig, oder? Zumindest nimmt heute niemand mehr Rücksicht auf die Ohren von anständigen Fräuleins, heute nimmt man Rücksicht auf besonders empathische Mitmenschen, deshalb werde ich natürlich den Teufel tun und den Satz mit dem bösen N-Wort hier öffentlich aufschreiben. Mit der aktuell akzeptierten Bezeichnung ist allerdings das Palindrom dahin, manche Opfer muss man eben bringen, wenn man nicht unangenehm auffallen will.
Ehrlich gesagt, habe ich ein bisschen den Überblick darüber verloren, wen man heute mit Vorsatz und absichtlich beleidigen darf und wen noch nicht mal in Abwesenheit und ohne jede Beleidigungsabsicht, weil ich das mit dem Rassismus noch nicht so richtig kapiert habe.
Rassismus ist doch, wenn man Menschen, die einer anderen Ethnie angehören, bösartig ausgrenzt und verbal niedermacht, oder?
Was sagen die Kölner denn heute zu den Düsseldorfern - und umgekehrt? Oder die Schalker zu den Borussen?
Und dürfen die Borkumer die Holländer noch Muffköppe nennen und die Festländer Europäer oder gibt es dafür auch längst rassistisch korrekte, andere Begriffe?
Und was ist mit meinem Westfalenmann? Ich meine, wie soll ich den nennen, um ihn mit einem Wort zu beschreiben? Denn selbstverständlich bin ich mir meiner rassistischen Ausgrenzung ihm gegenüber bewusst, aber nun, er ist halt Westfale.
Ich habe ihn aber trotzdem lieb
.
anje,
Montag, 5. Januar 2026, 17:55
ach, wieso haben Sie Ihren Kommentar denn jetzt schon wieder gelöscht? Ich hatte grade eine Antwort formuliert und nu isser nicht mehr da. Sowas.
manhartsberg,
Dienstag, 6. Januar 2026, 17:56
Tschuldigung, lag mit Löschvirus danieder. Erst mal Musik. https://www.youtube.com/watch?v=-k120OJbDho
Rest später. Hader 2020 https://www.news.at/news/hader-trottel-minderheit
Hier eine akademische Problembehandlung. https://postkoloniales-woerterbuch.uni-koeln.de/index.php?n=main.neger
Selbst habe ich im Gegensatz zu Freunden, die in den 40ern des vorigen Jhs. das Licht der Welt erblickten, keinen IchsagetrotzdemNegertrotz. Ich kann mich nur an die Bezeichnung "Schwarzer" erinnern, hatte allerdings eine coole Negerbarbie (keine Ahnung, wer damals das Scherzkeks war) in den 70ern, weiß auch nicht mehr, was da auf der Verpackung stand. Auf meine Schule ging auch ein schwarzer James, der sich selbst außerordentlich rassistisch über sein unübersehbar die ortsüblichen Größenmaßstäbe hinter sich lassendes Gemächt lustig machte, während ich mein Topfennegerdasein mit gelegentlichem Sonnenbrand lang in die andere Richtung von dunkelgetönten Freunden mikroaggressiv mitleidig diskriminiert wurde und das nur teillustig fand.
Hier noch etwas Evangelisches https://www.evangelisch.de/inhalte/124338/02-09-2015/sprachwissenschaftler-albrecht-plewnia-ueber-joachim-herrmann-allein-wort-neger-nicht-rassistisch und etwas Mohrensternchenschweizerisches https://www.gra.ch/bildung/glossar/neger/
In meinem Sprachgebrauch ist das also nur altertümlich oder literarisch von Belang. Ich verstehe die Löscherei in alten Büchern auch bei anderen Sachverhalten aber ohnehin nicht.
Rest später. Hader 2020 https://www.news.at/news/hader-trottel-minderheit
Hier eine akademische Problembehandlung. https://postkoloniales-woerterbuch.uni-koeln.de/index.php?n=main.neger
Selbst habe ich im Gegensatz zu Freunden, die in den 40ern des vorigen Jhs. das Licht der Welt erblickten, keinen IchsagetrotzdemNegertrotz. Ich kann mich nur an die Bezeichnung "Schwarzer" erinnern, hatte allerdings eine coole Negerbarbie (keine Ahnung, wer damals das Scherzkeks war) in den 70ern, weiß auch nicht mehr, was da auf der Verpackung stand. Auf meine Schule ging auch ein schwarzer James, der sich selbst außerordentlich rassistisch über sein unübersehbar die ortsüblichen Größenmaßstäbe hinter sich lassendes Gemächt lustig machte, während ich mein Topfennegerdasein mit gelegentlichem Sonnenbrand lang in die andere Richtung von dunkelgetönten Freunden mikroaggressiv mitleidig diskriminiert wurde und das nur teillustig fand.
Hier noch etwas Evangelisches https://www.evangelisch.de/inhalte/124338/02-09-2015/sprachwissenschaftler-albrecht-plewnia-ueber-joachim-herrmann-allein-wort-neger-nicht-rassistisch und etwas Mohrensternchenschweizerisches https://www.gra.ch/bildung/glossar/neger/
In meinem Sprachgebrauch ist das also nur altertümlich oder literarisch von Belang. Ich verstehe die Löscherei in alten Büchern auch bei anderen Sachverhalten aber ohnehin nicht.
anje,
Dienstag, 6. Januar 2026, 22:19
Merci vielmals - und Löschvirus finde ich eine gute Erklärung, das kenne ich.
Die wissenschaftliche Erläuterung, wie sich die Verwendung speziell des N-Wortes entwickelt hat, finde ich interessant und ich stimme insoweit auch sehr damit überein.
Ich selber hänge allerdings gar nicht an diesem speziellen Wort, ich hänge eigentlich an gar keinem Wort und ein trotziges "jetzterstrecht" hält bei mir vielleicht fünf Sekunden, dann wird es mir schon wieder zu anstrengend.
Ich amüsiere mich allerdings über Menschen, denen eine korrekte Wortwahl persönlich wichtig ist, weil es meiner Meinung nach nutzlos ist, Wörter zu verändern, und sich dann einzubilden, man ändere damit die geistige Haltung der Menschen. Die hängt nicht an einem Wort.
Auch nicht an vielen Wörtern. - Meine Meinung.
Deshalb glaube ich aber auch, dass es keine wissenschaftliche Argumentationsbasis braucht, um auf die Wortwahl anderer Leute abwertend zu reagieren, sondern nur die schlichte Überzeugung, dass die eigene Ausdrucksweise der des anderen überlegen ist, aus welchen Gründen auch immer.
Früher hieß es "wohlerzogene Sprache" und in der kamen keine Schimpfwörter vor und alles was mit Sex im weitesten Sinne zu tun hatte, wurde schlicht in keiner Weise überhaupt je thematisiert, das war einfach die damals gängige Definition, wenn man nicht als schlecht erzogenes, ungebildetes, Straßenkind gelten wollte.
Heute wird man, wenn man die gängigen Sprachvorgaben nicht beachtet, nicht als schlecht erzogenes, ungebildetes, Straßenkind abgewertet, denn die stehen ja auch schon wieder unter dem Schutz der besonders empathischen Menschen, heute wird man einfach nur als unbelehrbarer Boomer disqualifiziert, die Rahmenbedingungen sind ansonsten sehr ähnlich.
Es gibt einfach Wörter, die nach herrschender Meinung nicht akzeptiert werden. Das sagt man nicht. Punkt.
Und es ist völlig egal, ob man diese Wörter abwertend meint oder einfach nur uninteressiert schlampig daherredet, weil man diese Wörter halt früher ohne Sanktionen benutzen durfte. Allein die Tatsache, dass man sich nicht die Mühe macht, seine Wortwahl anzupassen, ist schon der Beweis einer auf alle Fälle zu maßregelnden Respektlosigkeit.
Und diese Oberlehrerhaftigkeit, das ist das, worauf ich grundsätzlich automatisch und zwanghaft ablehnend reagiere.
Meine Lebenserfahrung im Umgang mit Oberlehrern hat mich allerdings gelehrt, dass man mit Bockigkeit als Reaktion schnell verliert, viel klüger ist es, den Forderungen nach "gutem Benehmen" ("guter Sprache") in mehrfach übertriebener Form auf das Penibelste nachzukommen, da können die Moralwächter nämlich nichts gegen tun außer ohnmächtig mit anzusehen, wie albern ihre eigene Forderung werden kann.
Die wissenschaftliche Erläuterung, wie sich die Verwendung speziell des N-Wortes entwickelt hat, finde ich interessant und ich stimme insoweit auch sehr damit überein.
Ich selber hänge allerdings gar nicht an diesem speziellen Wort, ich hänge eigentlich an gar keinem Wort und ein trotziges "jetzterstrecht" hält bei mir vielleicht fünf Sekunden, dann wird es mir schon wieder zu anstrengend.
Ich amüsiere mich allerdings über Menschen, denen eine korrekte Wortwahl persönlich wichtig ist, weil es meiner Meinung nach nutzlos ist, Wörter zu verändern, und sich dann einzubilden, man ändere damit die geistige Haltung der Menschen. Die hängt nicht an einem Wort.
Auch nicht an vielen Wörtern. - Meine Meinung.
Deshalb glaube ich aber auch, dass es keine wissenschaftliche Argumentationsbasis braucht, um auf die Wortwahl anderer Leute abwertend zu reagieren, sondern nur die schlichte Überzeugung, dass die eigene Ausdrucksweise der des anderen überlegen ist, aus welchen Gründen auch immer.
Früher hieß es "wohlerzogene Sprache" und in der kamen keine Schimpfwörter vor und alles was mit Sex im weitesten Sinne zu tun hatte, wurde schlicht in keiner Weise überhaupt je thematisiert, das war einfach die damals gängige Definition, wenn man nicht als schlecht erzogenes, ungebildetes, Straßenkind gelten wollte.
Heute wird man, wenn man die gängigen Sprachvorgaben nicht beachtet, nicht als schlecht erzogenes, ungebildetes, Straßenkind abgewertet, denn die stehen ja auch schon wieder unter dem Schutz der besonders empathischen Menschen, heute wird man einfach nur als unbelehrbarer Boomer disqualifiziert, die Rahmenbedingungen sind ansonsten sehr ähnlich.
Es gibt einfach Wörter, die nach herrschender Meinung nicht akzeptiert werden. Das sagt man nicht. Punkt.
Und es ist völlig egal, ob man diese Wörter abwertend meint oder einfach nur uninteressiert schlampig daherredet, weil man diese Wörter halt früher ohne Sanktionen benutzen durfte. Allein die Tatsache, dass man sich nicht die Mühe macht, seine Wortwahl anzupassen, ist schon der Beweis einer auf alle Fälle zu maßregelnden Respektlosigkeit.
Und diese Oberlehrerhaftigkeit, das ist das, worauf ich grundsätzlich automatisch und zwanghaft ablehnend reagiere.
Meine Lebenserfahrung im Umgang mit Oberlehrern hat mich allerdings gelehrt, dass man mit Bockigkeit als Reaktion schnell verliert, viel klüger ist es, den Forderungen nach "gutem Benehmen" ("guter Sprache") in mehrfach übertriebener Form auf das Penibelste nachzukommen, da können die Moralwächter nämlich nichts gegen tun außer ohnmächtig mit anzusehen, wie albern ihre eigene Forderung werden kann.