anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Donnerstag, 1. Januar 2026
Stürmisch, kalt und Leute, die knallen
Entgegen meines Vorhabens an Silvester besonders früh ins Bett zu gehen, genoss ich gestern den friedlichen Abend vor dem PC und brachte meine Buchhaltung samt Ablage und Sicherung auf Vordermann. Jetzt ist das Jahr 2025 also komplett erfasst, abgelegt und gesichert, heute kann ich mich mit den Vorträgen für 2026 beschäftigen und neue, frische Tabellen anfangen. So etwas macht mich sehr zufrieden.

Wettermäßig ist der erste Tag des Jahres eher ungemütlich, es gab sogar Sturmflut- und Unwetterwarnungen für Ostfriesland, aber die haben ja mittlerweile die Qualität einer mütterlichen Ermahnung im Sinne von: Und fahr bloß vorsichtig - ernstnehmen kann man diese Warnungen schon lange nicht mehr, zumal es am Strand auch wirklich nicht nach Sturmflut aussah. (Das weiß ich von K, der mit dem Hund unterwegs war.) Es weht hier etwas mehr als die letzten Tage, aber das ist auch alles. Und es gibt regelmäßig unangenehme Regen- und Graupelschauer, die Temperatur ist bis auf 2°C gesunken, insgesamt also kein Wetter mehr, bei dem ich gerne vor die Tür gehe.

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Über Feuerwerk und Silvesterknallereien wird viel debattiert, ich wundere mich, dass es immer noch Leute gibt, die zwanghaft daran festhalten wollen.

Ich selber habe schon seit vielen Jahren den Spaß daran verloren, weil ich mir irgendwann mal die "Warum und Wozu-Frage" stellte und leider nicht beantworten konnte. Seitdem wäre es mir vor mir selber peinlich, Geld für etwas auszugeben, was leicht einen Schaden, sicherlich Dreck und Gestank, aber offensichtlich keinerlei sinnvollen Nutzen produziert. Wenn ich einfach nur Spaß haben will, kenne ich eindeutig sinnvollere Möglichkeiten. Da sich Feuerwerkskram nicht gebraucht auf dem Flohmarkt erwerben lässt, komme ich noch nicht mal in Versuchung, etwas zu kaufen, nur weil es so günstig ist.

Trotzdem ging es mir mit Feuerwerk immer noch wie mit einem Autounfall: Man ist froh, dass man selber nichts damit zu tun hat, muss aber zwanghaft hinschauen, wenn es bei anderen passiert.
Hier auf Borkum hat die Stadt traditionsgemäß immer ein gewaltiges "Höhenfeuerwerk" am Hauptstrand gezündet, als Publikum dazu versammelten sich so unendlich viele Menschen auf der unteren und der oberen Promenade, dass man Sorge haben musste, dass die Insel kentert.

Zum Glück entdeckte ich irgendwann, dass ich auch aus meinem Dachfenster heraus noch reichlich Feuerwerk gucken konnte und musste seitdem gar nicht mehr um Mitternacht am Strand rumlungern. Das gefiel mir nicht nur deswegen gut, weil es Ende Dezember nachts nur sehr selten angenehmes Draußenwetter gibt, sondern vor allem auch, weil ich mit zunehmendem Alter Menschenmassen immer noch schrecklicher finde als ich sie eh schon immer fand. Vor 20 Jahren dachte ich, mehr Abneigung gegen Menschenmassen kann man gar nicht haben, dann lernte ich, dass nach Abneigung Widerwillen kommt. Die nächste Stufe der Eskalation wäre Hysterie, die versuche ich durch Enthaltsamkeit zu vermeiden.

Seitdem ich Silvester also ohne FOMO entspannt zu Hause bleiben konnte, entdeckte ich auch, wie viel die Nachbarn um mich herum privat rumböllern. Und ich gehe davon aus, dass das keine wilden Jugendlichen sind, denn jüngere Leute gibt es hier in der umliegenden Nachbarschaft kaum, sondern ziemlich alte, erwachsene Leute. Ich begann zunehmend darüber zu staunen, welch seltsame Dinge Menschen tun, die man sonst durchaus als vernünftig wahrnimmt.

Dieses Jahr (oder jetzt muss es ja schon letztes Jahr heißen) wurde nach meinem Gefühl insgesamt spürbar weniger geknallt als in den Vorjahren, meine direkten Nachbarn hatten aber trotzdem noch reichlich Knallzeug zu verballern, was der Hund aber erstaunlich gelassen ignorierte.
Die Stadt hat das erste Mal offiziell verkündet, dass es statt eines Raketenfeuerwerks eine LED-Lichtershow geben wird. Die konnte ich nun aus meinem Dachfenster nicht mehr begucken, da es pünktlich um 23.30h aber auch ganz gewaltig zu stürmen und zu regnen begonnen hatte, war ich sehr froh, dass auch die neue Lichtershow kein FOMO-Gefühl bei mir aufkommen ließ, für die Zuschauer vor Ort wird es sicherlich eher ungemütlich gewesen sein, aber das muss ja jeder für sich selber entscheiden.

Wir saßen um Mitternacht gemütlich drinnen vor dem bullernden Kaminofen, freuten uns über den tobenden Wind draußen und das laute Regengeprassel auf den Fenstern, weil es mit viel Schadenfreude für die unbeirrbaren Knallmenschen einherging, die draußen rumliefen und versuchten, ihre privaten Raketen zu zünden.

Rein theoretisch ist morgen normaler Müllabfuhrstag für unsere Straße, aber weder online auf der Seite der Entsorgungsbetriebe noch in der App ist der 2.1. als Müllabfuhrtermin eingetragen. Der 26.12. (letzte Woche) ist schon wegen Feiertag ausgefallen, so langsam steigt hier der Müllberg und ich bin unsicher, was ich tun soll. Als ich vorhin draußen nachschaute, stellte ich fest, dass kein Nachbar weit und breit Müll an die Straße gestellt hat, zudem frischt der Wind immer mehr auf und es regnet Hunde und Katzen, weshalb ich beschloss, nur auf Verdacht auch lieber keinen Müll an die Straße zu stellen. Bis ich alle meine einzelnen Mülltüten in einem großen, offiziellen Müllsack verpackt und mit einer Abdeckplane gesichert hätte, wäre ich pitschnass geworden. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Abdeckplane vom Sturm weggeweht wird, dann zerhacken die Möwen den Müllsack und verteilen den Inhalt in der Gegend, das ist alles eine große Sauerei. Ich sammele also meinen Müll noch eine Woche und verschiebe das Problem auf einen anderen Tag
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