Sonntag, 15. März 2026
Bauen im Alter
anje, 21:51h
Wenn wir anderen Leuten erzählen, dass wir gerade dabei sind, ein neues Haus zu bauen, ist die Reaktion uns gegenüber zwar stets sehr höflich und interessiert, aber je älter die Menschen, mit denen wir grade sprechen, selber sind, umso ablehnender ist ihre Reaktion auf die Vorstellung, sie müssten selber auch noch mal bauen.
Eine Nachbarin auf Borkum sagte es sehr deutlich: Für sie käme das auf GAR KEINEN Fall in Frage, sie möchte in ihrem Leben nichts mehr bauen und sich um keine Baustelle mehr kümmern müssen, das wäre ihr ganz klar alles zu viel. Was wir mit unserem (alten) Haus auf Borkum noch so vorhaben (neue Bäder z. B. und eben die kompletten Außenanlagen) wäre ihr persönlich schon viel zu anstrengend und sie sagte, sie wäre froh, dass ihr Haus einigermaßen funktioniere, mehr brauche sie nicht.
Auf dem Flohmarkt habe ich schon vor einigen Jahren mal ein Gespräch zwischen zwei Verkäuferinnen mitbekommen, die sich über gemeinsame Bekannte in ihrem Alter (damals ungefähr Anfang 60) unterhielten, die zu dem Zeitpunkt auch gerade dabei waren, ein neues Haus zu bauen und die einhellige Feststellung war: "Also das verstehe ich nicht, was wollen die in dem Alter noch mit einem neuen Haus? Mir wäre das ja alles viel zu viel Arbeit."
Mich hat das damals schon sehr fasziniert, heute fasziniert es mich noch mehr, weil ich nun auch selber unbestreitbar in einem fortgeschrittenen Alter angekommen bin, aber immer noch nicht verstanden habe, weshalb man es sich im Alter nicht noch mal besonders schön machen sollte und was liegt da näher, als dass eigene Wohnen zu verbessern?
Ich würde sogar sagen, grade im Alter ist die perfekte Zeit zum Bauen, denn alles, was man dafür braucht, ist dann endlich vorhanden:
1. Man hatte sein ganzes Leben Zeit, sich die finanziellen Mittel dafür anzusparen und wenn man es sich überhaupt leisten kann, dann doch wohl jetzt. Schließlich muss man im Alter nicht mehr fürs Alter sparen.
2. Man hat die nötige Zeit, sich ausführlich und persönlich um so einen Bau zu kümmern
3. Man weiß sehr genau, was man braucht und kann auch die Nutzenanpassungen in der Zukunft viel besser überschauen, einfach weil 60jährige genau 30 Jahre weniger Zukunft berücksichtigen müssen als 30jährige
4. Man kann das Haus passend für "Wohnen im Alter" ausstatten, was eindeutig ein Gewinn an Lebensqualität ist
5. Man bekommt grade im Alter noch mal ein Haus und eine Einrichtung auf dem aktuellsten Stand der Technik und muss sich mit Glück bis an sein Lebensende nicht mehr mit Instandhaltung und Erneuerung beschäftigen
6. Man weiß nicht nur, was man braucht, sondern auch, was man alles nicht mehr braucht (ich verzichte z. B. das erste Mal bewusst auf ein eigenes Zimmer)
7. Man hat noch ein Ziel mit einer interessanten Beschäftigung nur für einen selber und nicht für andere Leute
8. Es ist wie Spielen in der Wirklichkeit. K sagt, es ist wie beim Legobauen - das Bauen macht am meisten Spaß und außerdem hält es geistig frisch
Zu den finanziellen Mitteln: Natürlich wird es eine große Menge an Menschen geben, die sich ein eigenes Haus auch im Alter nicht leisten können, man bekommt es ja auch überall präsentiert: Altersarmut, immer mehr Rentner müssen aufstocken, Flaschensammeln, Arbeiten mit 75 usw.
Und ja, ich finde das auch schrecklich. Und betrüblich. Und ungerecht.
Trotzdem ist die Realität wie sie ist und außer den Rentnern mit Altersarmut gibt es halt auch sehr viele, die haben durchaus ausreichende Mittel, um sich einen angenehmen Lebensabend zu gestalten, aber gerade die finden es völlig abstrus, sich im Alter noch mal mit einem "Neubau zu belasten". Die benutzen ihre Kohle lieber, um ständig in der Weltgeschichte rumzureisen, was wiederum eine Beschäftigung ist, die mich sehr schreckt.
Ich bin in meinem Leben so viel rumgereist, dass ich denke, es reicht. Ich habe alles gesehen, was ich sehen wollte, fremde Länder reizen mich also überhaupt nicht mehr.
Meer, Sonne und Strand habe ich im Sommer vor der Haustür, Schnee und Berge dagegen fand ich schon immer schrecklich, im Winter bleibe ich also sehr gerne einfach nur drinnen - und dann hätte ich es dort gerne maximal bequem und gemütlich.
Dass ein Hausbau viel Arbeit bedeutet: Hmm, ja mag sein, wenn man es als Arbeit betrachtet, dass man sich selber darum kümmert, dass alles so läuft, wie man das will, aber mit so einer Definition ist auch Legobauen Arbeit, denn das muss man schließlich auch selber machen. Im Unterschied zum Hausbau muss ich die Legosteine sogar noch selber übereinandersetzen, ich will damit sagen: Das Kümmern um den Bau ist keine körperliche Arbeit und weil ich es nicht für andere, sondern nur für mich mache, ist es aus meiner Sicht viel mehr Spaß und Hobby als Arbeit.
Und dass man am Ende umziehen muss, ja, auch das ist sicherlich Arbeit, aber Kofferpacken für eine Reise ist auch Arbeit und überhaupt, ist es nicht schon anstrengend, jeden Morgen aufzustehen und sich anzuziehen?
Ich finde das Argument, dass ein Hausbau so viel Arbeit sei, deshalb nur sehr eingeschränkt richtig, denn wenn ich sonst keine weiteren Verpflichtungen mehr habe, ja hey, dann gilt für mich Punkt 7 von der obigen Liste: Ich mache es für mich und freue mich darauf, dass es nachher schön ist.
Wenn ich solche Tätigkeiten als Arbeit bezeichne, sollte ich meine eigene Definition von Arbeit noch mal überdenken.
Zum Bauen selber:
Ich habe vorher noch nie ein Haus gebaut, ich hatte also genauso wenig Erfahrung wie Ahnung von dem, was mich da erwartet, bin aber vertrauensvoll neben K hergelaufen, der mit seiner unerschütterlichen westfälischen Gelassenheit einfach einen Schritt nach dem nächsten macht und findet: "Ach, das ist doch alles ganz einfach, das wird schon."
Inzwischen habe ich irre viel gelernt und eine Sache, die ich beim nächsten Haus ganz sicher anders machen würde, wäre der Terminplan.
Nicht, dass ich zwingend darauf drängen würde, dass es alles viel schneller und zackiger ablaufen muss, sondern im Gegenteil wäre es mir wichtig, dass ich mich von Anfang an darauf einrichte, dass es eben nicht so schnell und zackig ablaufen wird, wie immer alle meinen.
Deshalb würde ich mir eine Übersicht machen, in der wirkliche ALLE Tätigkeiten aufgelistet sind, die im Rahmen so eines Baus anfallen, sortiert in der Reihenfolge ihrer Notwendigkeit/Zeitpunkt des Arbeitsbeginns und voraussichtliche Dauer der Ausführung, jeweils mit einem passenden Zeitpuffer dazu, damit sie früh genug angestoßen werden und ergänzt um Zuständigkeiten für das Anstoßen.
Gleichzeitig mit dem ersten Spatenstich braucht man z.B. Strom auf der Baustelle, denn Handwerker von heute haben Maschinen zur Unterstützung und die brauchen Strom.
Die Maurer, die den Rohbau erstellen, sind aber nicht für den Strom zuständig, die brauchen den nur, machen jedoch selber keine Elektroarbeiten.
Die Elektrofirma wiederum, die planmäßig erst sehr viel später ihre Arbeiten auf der Baustelle aufnehmen soll, kann den Baustromanschluss nur legen, wenn vorher überhaupt ein Antrag auf Strom gestellt worden ist und ein von den Stadtwerken beauftragtes Unternehmen eine Leitung von der Straße bis zum Grundstück gelegt hat. Diese Subunternehmer der Stadtwerke arbeiten aber nicht auf Zuruf, sondern habe laaaange Wartelisten, wann sie sich mal bequemen, ein Grundstück anzuschließen.
Die Rohbaufirma mit den Maurern ist sicherlich die erste, die ihre Arbeiten erledigt haben muss, bevor die Folgegewerke zum Einsatz kommen, trotzdem muss das mit dem Strom noch deutlich vor dem Arbeitsbeginn der Maurer angestoßen und beauftragt sein.
Außerdem muss man immer im Blick haben, dass viele Firmen im Sommer nur mit halber Kraft oder gar nicht im Einsatz sind, weil sie Betriebsferien machen oder zumindest die Hälfte der Belegschaft im Urlaub ist.
Weil wir das alles nicht bedacht haben, wurde hier gleich zu Beginn der Bauarbeiten schon mal locker über ein Vierteljahr vertrödelt, weil niemand daran gedacht hatte, rechtzeitig den Antrag für Strom zu stellen.
Und so zieht es sich durch, denn statt wie vorgesehen vor dem Winter fertig zu werden, mussten die Rohbauarbeiten durch den verspäteten Start den gesamten Winter über erfolgen, was wiederum witterungsbedingte Verzögerungen mit sich brachte.
Was man auch immer mit einplanen sollte, sind Arbeiten, die vergessen oder auch mal falsch erledigt werden, außerdem sollte man damit rechnen, dass Handwerker krank werden oder in Urlaub fahren oder auf anderen Baustellen im Notfalleinsatz sind, was heißt, dass ich meinen Terminplan auch bei sehr guter Planung ständig anpassen muss. Es ist unvermeidbar. Wenn ich aber weiß, wer wann dran ist und welche Umstände zu dem Zeitpunkt die Dauer der Arbeiten beeinflussen, kann ich halt deutlich präziser planen und anpassen und bei dem jeweiligen Handwerksunternehmen zielgerichtet Druck machen.
Außerdem würde ich die Stellen gelb markieren, wo sich zwei Gewerke überschneiden und jeweils voneinander abhängig sind. Hier muss man besonders genau aufpassen, sonst schieben sich zwei Firmen gegenseitig den schwarzen Peter zu und nichts geht mehr voran. Die Fensterbauer z. B. fertigen die Fenster nicht nach Architektenplan, sondern kontrollieren vor der Fertigung die Planmaße durch ein eigenes Aufmaß. Dafür muss der Rohbauer aber schon so weit fertig sein, dass die Fensterlöcher überhaupt gemessen werden können. Nach dem Aufmaß werden die Fenster angefertigt, d.h. um den Zeitpunkt, wann die Fenster eingebaut werden, in einem Terminplan festzulegen, muss man wissen, welche Fertigungszeiten der Fensterbauer zwischen Aufmaß und Einbau benötigt und kann dann gleichzeitig planen, was in dieser Zeit noch an sonstigen Gewerken ausgeführt werden kann, die nicht zwingend ein zues Haus verlangen.
Jetzt könnte man sagen, dass all diese Planungs,- Überwachungs- und Koordinationsaufgaben doch Aufgaben des Architekten sind und grundsätzlich stimmt das. Doch erfahrungsgemäß betreuen Architekten mehrere Baustellen gleichzeitig und haben andere Prioritäten als die Bauherren und außerdem bekommen sie ihr Honorar sowieso, egal wie gut oder schlecht die Baustelle läuft.
Ich habe also gelernt, dass es sehr klug ist, wenn wir die Koordination der Gewerke auch selber noch ständig mit überwachen - und das geht natürlich leichter, wenn man weiß, in welcher Reihenfolge was passiert und wer von wem und von was abhängig ist.
Das einzige, was mich bei unserem Neubau wirklich nervt, ist die Tatsache, dass ich keinen verlässlichen Terminplan habe und, weil es mein erster Bau ist, ich auch längst nicht genug Wissen über die Abläufe am Bau hatte, um diesen Terminplan selber erstellen und fortschreiben zu können. Dies könnte ich bei einem zweiten Bau sicher schon deutlich besser organisieren.
Dass die Bauherrenrolle aber insgesamt so ungeheuer anstrengend und belastend ist, das habe ich noch an keiner Stelle gespürt, man braucht halt einen gesunden Fatalismus, um sich nicht ständig über Dinge aufzuregen, die sich nicht ändern lassen, das ist aber eine Eigenschaft, die ist in vielen Situationen des Lebens sehr nützlich.
Um den Gedanken insgesamt abzuschließen: Ich habe wirklich noch kein vernünftiges, nachvollziehbares Argument gefunden, weshalb man sich als Rentner nicht noch mal ein neues Haus bauen sollte.
Im Gegenteil:
Man gibt das bisherige Wohnhaus an eine Familie mit Kindern weiter, denn ein Familienheim braucht man im Alter nicht mehr. Für junge Familien dagegen sind gebrauchte Häuser viel praktischer, weil es dann nicht so schlimm ist, wenn die Kinder mal etwas andengeln und per Saldo wohnen dann alle Generationen altersgerecht
.
(Abgelegt in anjemerkt und bisher 117 x anjeklickt)
Eine Nachbarin auf Borkum sagte es sehr deutlich: Für sie käme das auf GAR KEINEN Fall in Frage, sie möchte in ihrem Leben nichts mehr bauen und sich um keine Baustelle mehr kümmern müssen, das wäre ihr ganz klar alles zu viel. Was wir mit unserem (alten) Haus auf Borkum noch so vorhaben (neue Bäder z. B. und eben die kompletten Außenanlagen) wäre ihr persönlich schon viel zu anstrengend und sie sagte, sie wäre froh, dass ihr Haus einigermaßen funktioniere, mehr brauche sie nicht.
Auf dem Flohmarkt habe ich schon vor einigen Jahren mal ein Gespräch zwischen zwei Verkäuferinnen mitbekommen, die sich über gemeinsame Bekannte in ihrem Alter (damals ungefähr Anfang 60) unterhielten, die zu dem Zeitpunkt auch gerade dabei waren, ein neues Haus zu bauen und die einhellige Feststellung war: "Also das verstehe ich nicht, was wollen die in dem Alter noch mit einem neuen Haus? Mir wäre das ja alles viel zu viel Arbeit."
Mich hat das damals schon sehr fasziniert, heute fasziniert es mich noch mehr, weil ich nun auch selber unbestreitbar in einem fortgeschrittenen Alter angekommen bin, aber immer noch nicht verstanden habe, weshalb man es sich im Alter nicht noch mal besonders schön machen sollte und was liegt da näher, als dass eigene Wohnen zu verbessern?
Ich würde sogar sagen, grade im Alter ist die perfekte Zeit zum Bauen, denn alles, was man dafür braucht, ist dann endlich vorhanden:
1. Man hatte sein ganzes Leben Zeit, sich die finanziellen Mittel dafür anzusparen und wenn man es sich überhaupt leisten kann, dann doch wohl jetzt. Schließlich muss man im Alter nicht mehr fürs Alter sparen.
2. Man hat die nötige Zeit, sich ausführlich und persönlich um so einen Bau zu kümmern
3. Man weiß sehr genau, was man braucht und kann auch die Nutzenanpassungen in der Zukunft viel besser überschauen, einfach weil 60jährige genau 30 Jahre weniger Zukunft berücksichtigen müssen als 30jährige
4. Man kann das Haus passend für "Wohnen im Alter" ausstatten, was eindeutig ein Gewinn an Lebensqualität ist
5. Man bekommt grade im Alter noch mal ein Haus und eine Einrichtung auf dem aktuellsten Stand der Technik und muss sich mit Glück bis an sein Lebensende nicht mehr mit Instandhaltung und Erneuerung beschäftigen
6. Man weiß nicht nur, was man braucht, sondern auch, was man alles nicht mehr braucht (ich verzichte z. B. das erste Mal bewusst auf ein eigenes Zimmer)
7. Man hat noch ein Ziel mit einer interessanten Beschäftigung nur für einen selber und nicht für andere Leute
8. Es ist wie Spielen in der Wirklichkeit. K sagt, es ist wie beim Legobauen - das Bauen macht am meisten Spaß und außerdem hält es geistig frisch
Zu den finanziellen Mitteln: Natürlich wird es eine große Menge an Menschen geben, die sich ein eigenes Haus auch im Alter nicht leisten können, man bekommt es ja auch überall präsentiert: Altersarmut, immer mehr Rentner müssen aufstocken, Flaschensammeln, Arbeiten mit 75 usw.
Und ja, ich finde das auch schrecklich. Und betrüblich. Und ungerecht.
Trotzdem ist die Realität wie sie ist und außer den Rentnern mit Altersarmut gibt es halt auch sehr viele, die haben durchaus ausreichende Mittel, um sich einen angenehmen Lebensabend zu gestalten, aber gerade die finden es völlig abstrus, sich im Alter noch mal mit einem "Neubau zu belasten". Die benutzen ihre Kohle lieber, um ständig in der Weltgeschichte rumzureisen, was wiederum eine Beschäftigung ist, die mich sehr schreckt.
Ich bin in meinem Leben so viel rumgereist, dass ich denke, es reicht. Ich habe alles gesehen, was ich sehen wollte, fremde Länder reizen mich also überhaupt nicht mehr.
Meer, Sonne und Strand habe ich im Sommer vor der Haustür, Schnee und Berge dagegen fand ich schon immer schrecklich, im Winter bleibe ich also sehr gerne einfach nur drinnen - und dann hätte ich es dort gerne maximal bequem und gemütlich.
Dass ein Hausbau viel Arbeit bedeutet: Hmm, ja mag sein, wenn man es als Arbeit betrachtet, dass man sich selber darum kümmert, dass alles so läuft, wie man das will, aber mit so einer Definition ist auch Legobauen Arbeit, denn das muss man schließlich auch selber machen. Im Unterschied zum Hausbau muss ich die Legosteine sogar noch selber übereinandersetzen, ich will damit sagen: Das Kümmern um den Bau ist keine körperliche Arbeit und weil ich es nicht für andere, sondern nur für mich mache, ist es aus meiner Sicht viel mehr Spaß und Hobby als Arbeit.
Und dass man am Ende umziehen muss, ja, auch das ist sicherlich Arbeit, aber Kofferpacken für eine Reise ist auch Arbeit und überhaupt, ist es nicht schon anstrengend, jeden Morgen aufzustehen und sich anzuziehen?
Ich finde das Argument, dass ein Hausbau so viel Arbeit sei, deshalb nur sehr eingeschränkt richtig, denn wenn ich sonst keine weiteren Verpflichtungen mehr habe, ja hey, dann gilt für mich Punkt 7 von der obigen Liste: Ich mache es für mich und freue mich darauf, dass es nachher schön ist.
Wenn ich solche Tätigkeiten als Arbeit bezeichne, sollte ich meine eigene Definition von Arbeit noch mal überdenken.
Zum Bauen selber:
Ich habe vorher noch nie ein Haus gebaut, ich hatte also genauso wenig Erfahrung wie Ahnung von dem, was mich da erwartet, bin aber vertrauensvoll neben K hergelaufen, der mit seiner unerschütterlichen westfälischen Gelassenheit einfach einen Schritt nach dem nächsten macht und findet: "Ach, das ist doch alles ganz einfach, das wird schon."
Inzwischen habe ich irre viel gelernt und eine Sache, die ich beim nächsten Haus ganz sicher anders machen würde, wäre der Terminplan.
Nicht, dass ich zwingend darauf drängen würde, dass es alles viel schneller und zackiger ablaufen muss, sondern im Gegenteil wäre es mir wichtig, dass ich mich von Anfang an darauf einrichte, dass es eben nicht so schnell und zackig ablaufen wird, wie immer alle meinen.
Deshalb würde ich mir eine Übersicht machen, in der wirkliche ALLE Tätigkeiten aufgelistet sind, die im Rahmen so eines Baus anfallen, sortiert in der Reihenfolge ihrer Notwendigkeit/Zeitpunkt des Arbeitsbeginns und voraussichtliche Dauer der Ausführung, jeweils mit einem passenden Zeitpuffer dazu, damit sie früh genug angestoßen werden und ergänzt um Zuständigkeiten für das Anstoßen.
Gleichzeitig mit dem ersten Spatenstich braucht man z.B. Strom auf der Baustelle, denn Handwerker von heute haben Maschinen zur Unterstützung und die brauchen Strom.
Die Maurer, die den Rohbau erstellen, sind aber nicht für den Strom zuständig, die brauchen den nur, machen jedoch selber keine Elektroarbeiten.
Die Elektrofirma wiederum, die planmäßig erst sehr viel später ihre Arbeiten auf der Baustelle aufnehmen soll, kann den Baustromanschluss nur legen, wenn vorher überhaupt ein Antrag auf Strom gestellt worden ist und ein von den Stadtwerken beauftragtes Unternehmen eine Leitung von der Straße bis zum Grundstück gelegt hat. Diese Subunternehmer der Stadtwerke arbeiten aber nicht auf Zuruf, sondern habe laaaange Wartelisten, wann sie sich mal bequemen, ein Grundstück anzuschließen.
Die Rohbaufirma mit den Maurern ist sicherlich die erste, die ihre Arbeiten erledigt haben muss, bevor die Folgegewerke zum Einsatz kommen, trotzdem muss das mit dem Strom noch deutlich vor dem Arbeitsbeginn der Maurer angestoßen und beauftragt sein.
Außerdem muss man immer im Blick haben, dass viele Firmen im Sommer nur mit halber Kraft oder gar nicht im Einsatz sind, weil sie Betriebsferien machen oder zumindest die Hälfte der Belegschaft im Urlaub ist.
Weil wir das alles nicht bedacht haben, wurde hier gleich zu Beginn der Bauarbeiten schon mal locker über ein Vierteljahr vertrödelt, weil niemand daran gedacht hatte, rechtzeitig den Antrag für Strom zu stellen.
Und so zieht es sich durch, denn statt wie vorgesehen vor dem Winter fertig zu werden, mussten die Rohbauarbeiten durch den verspäteten Start den gesamten Winter über erfolgen, was wiederum witterungsbedingte Verzögerungen mit sich brachte.
Was man auch immer mit einplanen sollte, sind Arbeiten, die vergessen oder auch mal falsch erledigt werden, außerdem sollte man damit rechnen, dass Handwerker krank werden oder in Urlaub fahren oder auf anderen Baustellen im Notfalleinsatz sind, was heißt, dass ich meinen Terminplan auch bei sehr guter Planung ständig anpassen muss. Es ist unvermeidbar. Wenn ich aber weiß, wer wann dran ist und welche Umstände zu dem Zeitpunkt die Dauer der Arbeiten beeinflussen, kann ich halt deutlich präziser planen und anpassen und bei dem jeweiligen Handwerksunternehmen zielgerichtet Druck machen.
Außerdem würde ich die Stellen gelb markieren, wo sich zwei Gewerke überschneiden und jeweils voneinander abhängig sind. Hier muss man besonders genau aufpassen, sonst schieben sich zwei Firmen gegenseitig den schwarzen Peter zu und nichts geht mehr voran. Die Fensterbauer z. B. fertigen die Fenster nicht nach Architektenplan, sondern kontrollieren vor der Fertigung die Planmaße durch ein eigenes Aufmaß. Dafür muss der Rohbauer aber schon so weit fertig sein, dass die Fensterlöcher überhaupt gemessen werden können. Nach dem Aufmaß werden die Fenster angefertigt, d.h. um den Zeitpunkt, wann die Fenster eingebaut werden, in einem Terminplan festzulegen, muss man wissen, welche Fertigungszeiten der Fensterbauer zwischen Aufmaß und Einbau benötigt und kann dann gleichzeitig planen, was in dieser Zeit noch an sonstigen Gewerken ausgeführt werden kann, die nicht zwingend ein zues Haus verlangen.
Jetzt könnte man sagen, dass all diese Planungs,- Überwachungs- und Koordinationsaufgaben doch Aufgaben des Architekten sind und grundsätzlich stimmt das. Doch erfahrungsgemäß betreuen Architekten mehrere Baustellen gleichzeitig und haben andere Prioritäten als die Bauherren und außerdem bekommen sie ihr Honorar sowieso, egal wie gut oder schlecht die Baustelle läuft.
Ich habe also gelernt, dass es sehr klug ist, wenn wir die Koordination der Gewerke auch selber noch ständig mit überwachen - und das geht natürlich leichter, wenn man weiß, in welcher Reihenfolge was passiert und wer von wem und von was abhängig ist.
Das einzige, was mich bei unserem Neubau wirklich nervt, ist die Tatsache, dass ich keinen verlässlichen Terminplan habe und, weil es mein erster Bau ist, ich auch längst nicht genug Wissen über die Abläufe am Bau hatte, um diesen Terminplan selber erstellen und fortschreiben zu können. Dies könnte ich bei einem zweiten Bau sicher schon deutlich besser organisieren.
Dass die Bauherrenrolle aber insgesamt so ungeheuer anstrengend und belastend ist, das habe ich noch an keiner Stelle gespürt, man braucht halt einen gesunden Fatalismus, um sich nicht ständig über Dinge aufzuregen, die sich nicht ändern lassen, das ist aber eine Eigenschaft, die ist in vielen Situationen des Lebens sehr nützlich.
Um den Gedanken insgesamt abzuschließen: Ich habe wirklich noch kein vernünftiges, nachvollziehbares Argument gefunden, weshalb man sich als Rentner nicht noch mal ein neues Haus bauen sollte.
Im Gegenteil:
Man gibt das bisherige Wohnhaus an eine Familie mit Kindern weiter, denn ein Familienheim braucht man im Alter nicht mehr. Für junge Familien dagegen sind gebrauchte Häuser viel praktischer, weil es dann nicht so schlimm ist, wenn die Kinder mal etwas andengeln und per Saldo wohnen dann alle Generationen altersgerecht
.