Samstag, 7. März 2026
#relevant: Wie gefällt dir dein Vorname
anje, 12:23h
In diesem Monat ist das Thema der #relevant Blogparade:
Wie gefällt dir dein Vorname?
Weil ich seit neuestem regelmäßig bei Rivva schaue, was es Neues bei deutschen Blogs gibt, habe ich das Thema nicht nur bereits am Anfang des Monats entdeckt, sondern fühle mich diesmal persönlich sehr angesprochen, weil in der ergänzenden Erläuterung auch noch gefragt wird:
Falls du Kinder hast, welche Gedanken hast du dir bei deren Vornamen gemacht? Sind sie zufrieden damit?
Namen sind ein Thema, das mich schon mein gesamtes Leben lang begleitet, weil ja schon mein (erster) Vorname nicht wirklich alltäglich ist.
Ich nenne meinen Namen und die Reaktion kommt prompt: " WIE heißt Du? Das ist ja ungewöhnlich, das habe ich noch nie gehört." Auch Fragen wie "Bist du sicher? Wirklich ohne t und mit e hinten?" kommen regelmäßig vor, offensichtlich erscheint es wahrscheinlicher, dass ich mich bisher mein Leben lang vertan habe, als dass jemand wirklich so seltsam heißt. Als häufigste Variante werde ich aber oft konsequent und nachhaltig Antje genannt, ist schließlich auch irgendwie nordisch und ich nehme es längst achselzuckend hin.
Als Kind war mir die Ungewöhnlichkeit meines Namens oft unangenehm und ich habe mir gewünscht, ich hätte einen normaleren Namen, Anja oder eben wenigstens Antje oder Anke.
Ich fand, ich war durch meine Größe und meine burschikose und eher (vor)laute Art schon auffällig genug, da musste ich nicht auch noch extra durch meinen Namen auffallen.
In meiner Klasse gab es drei Anjas, eine davon war das ziemlich genaue Gegenteil von mir: Mittelgroß, sehr niedlich mit IMMER sauber geflochtenen Zöpfen (meine waren schon zehn Minuten nach dem Frisieren wieder struppig), einer wunderschönen Handschrift und überhaupt einer bewundernswerten Ordnung und Sorgfalt und natürlich immer ruhig und nie vorlaut.
Diese Anja verkörperte mein großes Sehnsuchtsbild, so wäre ich gerne gewesen.
Ich erinnere mich, dass ich eines Mittags auf dem Heimweg von der Schule beschloss, künftig nur noch ganz leise und zurückhaltend zu sprechen. Es gelang mir bis zum Mittagessen, wo ich mal wieder mit meinem Vater in Streit darüber geriet, wie viel bzw. ob ich überhaupt etwas essen müsse. Das war unser Dauerstreit, weil ich außer Kartoffeln und ungekochtem Obst und Gemüse eigentlich nichts gerne aß und deshalb ständig Probleme mit der Vorgabe meines Vaters hatte, der rigoros verlangte: Was auf den Tisch kommt, wird gegessen.
Meine Mutter rettete die Situation, in dem sie ihm sagte, ich sei wohl krank, ich wäre schon seit der Rückkehr aus der Schule ungewöhnlich schweigsam.
Nur noch leise, lieb und brav zu sein, scheiterte also an meinem Vater, der verlangte, dass ich gekochten Blumenkohl essen müsse, einer Zumutung, der ich mich selbstverständlich energisch entgegenstellen musste. Roher Blumenkohl ist ja okay, aber doch nicht gekocht, wie fies ist das denn?
An einer schönen Handschrift, sauberen Linien und überhaupt einer wunderbaren optischen Ordnung scheiterte ich mangels Können ebenfalls, bis heute übrigens, nur heute stört es mich nicht mehr. Heute ist mein Leitsatz: Wer nicht grade kann, macht extra krumm, dann ist es Kunst.
Aber in der Grundschule wäre ich schon sehr gerne noch anders gewesen.
Damit man sich die Unterschiede vorstellen kann, habe ich extra mein altes Poesiealbum herausgesucht, was ich in der zweiten Klasse bekommen habe:

Ist so etwas nicht einfach nur bewundernswert? Anja war damals grade erst acht Jahre alt.
Im Vergleich dazu mein Eintrag auf dem Deckblatt vorne, noch nicht mal da gelang es mir grade und ordentlich

Warum ich ganz oben meinen Namen noch mal zusätzlich mit grünem Filzstift hinschreiben musste, ist auch nicht zu verstehen.
Allerdings gab es zum Glück auch andere, die ähnliche Probleme mit Name, Größe und Schludrigkeit hatten, meine Freundin Hannelore war auch nicht besser dran.

Hannelore war die Tochter des Pastors, genauso groß wie ich und eben auch nicht wirklich mit Ordnung und Sorgfalt gesegnet.
Lehrers Kinder, Pastors Vieh, gedeihen selten oder nie - den Spruch haben wir sehr oft zu hören bekommen.
Und bei der Frage nach dem Namen, war mir Anje dann doch noch lieber als Hannelore.
Meine Doppelnamenabneigung erstreckt sich auch auf Vornamen und begann schon sehr früh, wie ich in der Erinnerung grade feststelle.
Hannelore gehört in die gleiche Kategorie wie Lieselotte, ein Name, den mein Großvater regelmäßig kommentierte mit: Heißt wie zwei Kühe.
Mein Vater erzählte gerne, dass er beim ersten Vorsprechen im Standesamt, als er die Geburt seiner Tochter anzeigen wollte, wieder umgeschickt wurde, weil der Standesbeamte den Namen Anje nicht akzeptierte, den gäbe es nicht.
Er fuhr also nach Hause, holte die alte Familienbibel, wo der Stammbaum seiner Familie eingetragen war und wies so nach, dass es den Namen Anje sehr wohl gibt, meine Ururoma hieß so und ich sage bis heute gern, dass auf Borkum die Friedhöfe voll sind mit Anjes.
Neben meinem Rufnamen bekam ich noch zwei weitere Namen, nämlich die meiner beiden Patentanten, Anita und Erika.
Beide Namen fand ich stets schrecklich und kann sie auch bis heute nicht leiden. Eigentlich habe ich immer dafür gesorgt, dass sie niemand erfährt, aber sie stehen natürlich ausgeschrieben in meinem Personalausweis und weil die Banken es ganz genau nehmen, läuft mein Bankkonto auf alle drei Vornamen und seitdem es jetzt diesen Namensabgleich bei der Kontonummer gibt, wird jedem, der bei Überweisungen nur meinen einfachen Vor- und Nachnamen als Empfänger angibt, angezeigt, wie der vollständige, richtige Name lautet. Ich finde es entsetzlich, kann es aber nicht verhindern.
Je älter ich wurde, umso mehr überzeugten mich die Vorteile eines seltenen Vornamens. Weil es nicht so viele Anjes gibt wie Anjas, Antjes oder Ankes, konnte ich meinen Nachnamen einfach weglassen, es gab in meinem Umfeld nur eine Anje und damit war ich überall eindeutig zu identifizieren.
So wurde mein Name quasi zu meinem USP und ich bin heute sehr zufrieden, dass ich wirklich so heiße, einfach Anje, ohne Tee oder Kakao, wie ich vielen Leuten immer wieder bestätige, wenn sie fragen, ob mein Name wirklich so geschrieben wird.
Englischsprachigen Menschen, die gerne schon mal so etwas wie "onion" daraus machen, erkläre ich dagegen, dass sich der Name wie "Lasagne" ausspricht, nur ohne Las.
Und als Basis für einen Blognamen ist er natürlich ebenfalls wunderbar.
Weil ich meinen Namen als etwas Besonderes empfinde, wollte ich auch für meine Kinder einen besonderen Namen finden, der aber, genau wie mein eigener Name, nichts Ausländisches sein sollte und sich nicht nur durch eine extravagante Schreibweise* auszeichnet, die gesprochen niemand hört. Birrgitt z. B. finde ich genauso anstrengend wie Wincent oder Detleff.
*Michaela gibt es in 135 verschiedenen Schreibweisen
Einen Mädchennamen wusste ich schon immer, den hatte ich nämlich von meinem Großvater übernommen und sofort seine Vorliebe für diesen Namen geteilt.
Mein Großvater hieß Karl und als er eines Tages sagte, er fände seinen Namen nicht so schön, er wäre viel lieber ein Mädchen geworden, weil er dann den schöneren Namen bekommen hätte, hat meine Großmutter ihn erstaunt angesehen und gefragt: "Dann hättest du Karla geheißen, das gefällt Dir besser?", antwortete er: "Nein, dann hätte ich Carlina geheißen und das finde ich viel schöner als Karl."
Da ich sowieso immer nur, wenn überhaupt, dann ein Mädchen als Kind haben wollte, habe ich über Jungsnamen nie nachgedacht. In meiner Vorstellung waren Jungs wie mein Vater oder mein Bruder, also Feiglinge mit einer großen Klappe, davon habe ich mich nur genervt abgewendet, denn ein braves Weichei als Kind wollte ich ganz bestimmt nicht und so einen Nichtskönner-Minimacho erst recht nicht. Ich wollte lieber ein draufgängerisches, wildes Mädchen, gegen mich selbst als Kind hätte ich nichts einzuwenden gehabt, aber mein Bruder als Kind wäre mir eindeutig zu langweilig gewesen*.
*auch wenn meine Mutter immer sagte, dass sie ganz froh war, nicht noch so ein Kind wie mich bekommen zu haben, sondern meinen Bruder als Kind sehr erholsam fand.
Nun war meine erste Schwangerschaft ein ungeplanter Zufallstreffer, ich also entsprechend überhaupt nicht vorbereitet und bis zum siebten Monat hatte der Arzt auch gesagt, es würde ein Mädchen, aber dann machte er noch mal einen ausführlichen Ultraschall und sagte, ne, das wäre wohl doch nicht der Daumen gewesen und nun ja, aber er sei sich jetzt sicher, dass es ein Junge wird.
Ich war total geschockt und hatte keine Lust mehr, ein Kind zu bekommen, wenn es am Ende doch bloß ein Junge wird, was soll ich denn damit?
In der Folge verweigerte ich jede weitere Planung oder Überlegung, wie es nach der Geburt weitergeht, wird ja eh bloß ein Junge, was soll ich mich da groß anstrengen?
Als das Kind auf der Welt war und ich gefragt wurde, wie es heißen soll, hatte ich nicht nur keine Idee, sondern auch keine Lust, mich brav in mein Schicksal als Jungsmutter zu fügen und überlegte ernsthaft, was wohl passiert, wenn ich mich als (unverheiratete) Mutter weigere, dem Kind einen Namen zu geben. Wird es dann vom Amt zwangsbenamt? Dagegen kann man doch bestimmt Einspruch einlegen, das wird ein Spaß, da schauen wir mal, wie das ausgeht.
Intern hatte das Baby einen Arbeitstitel, ich nannte es F1 und war sicher, dass es so einem Minibaby wirklich völlig schnurz ist, ob es schon einen offiziellen Namen hat oder noch nicht.
Aber dann sagte der Arzt, wenn das Kind keinen Namen hätte, könnte es auch keinen Impfausweis bekommen und ohne Impfausweis könne er das Baby nicht impfen und da knickte ich ein. Das arme Kind hatte schon genug darunter zu leiden, dass es nur ein Junge geworden war, da sollte es nicht auch noch zusätzlich irgendwelchen weiteren Krankheitsgefahren ausgesetzt werden.
Ich suchte also nach einem Namen und, fair wie ich war, durfte auch der Vater mitreden.
Der Vater (CW) meinte, sein erster Sohn aus erster Ehe hätte drei Vornamen, die mit A, B und C anfingen, er fände es super, wenn dieses Kind jetzt drei Vornamen bekäme, die mit D, E, und F weitergingen.
Da ich prinzipiell nur sehr ungern Nummer zwei bin und mich schon gar nicht freiwillig hinter jemandem, den ich aus vielerlei Gründen nur sehr verachtete, einsortiere, wurde die weitere alphabetische Durchnummerierung natürlich sofort abgelehnt. Auf keinen Fall.
Mag ja sein, dass es sein zweites Kind war, aber für mich war es das erste und es sollte selbstverständlich auch sonst überall Nummer 1 sein. Akzeptiert habe ich aber den Vorschlag des Vaters, dem Kind mehrere Namen zu geben, dann könne es später immer den am besten passenden auswählen.
CW meinte, jedes Kind bräuchte dringend einen Namen, wenn es Notar werden wolle und einen, wenn es ins Showbusiness wolle. Und ein normaler Name für den normalen Alltag wäre natürlich auch ganz praktisch. Außerdem fände er es gut, wenn jedes Kind auch einen österreichischen Namen bekommt, denn immerhin wäre das ja auch Teil der Herkunft.
Ich wollte dazu noch einen genderneutralen Namen, denn man kann ja nie wissen, vielleicht möchte der arme Junge ja später doch lieber ein Mädchen sein, dann hätte er immerhin schon mal einen passenden Namen.
Und so kam es, dass ich als ersten Namen "Cai" wählte, dann einen ostfriesischen Alltagsnamen (Klaas), den ich mit einem "Ni" davor etwas modernisierte, ohne zu bemerken, dass ich so durch Zufall einen Modenamen erwischt hatte, Pech, außerdem August für die Notarlaufbahn und Ferdinand für den Wiener Teil.
Als ich danach wieder schwanger wurde und diesmal endlich wirklich ein Mädchen unterwegs war, war der Alltagsname schon klar, es fehlten nur die Namen drumherum.
Da sie nicht im heimischen Bett, sondern in Belize auf Caye Caulker gezeugt worden war, kamen wir auf die Idee, sie auch "Cai" zu nennen, allerdings in der Schreibweise "Caye", schließlich ist sie ein Mädchen und da darf sie ruhig ein extra e als Unterscheidung bekommen.
Mit "Theresa" wurde die Wienerkomponente genauso bedient wie die eventuelle Notarlaufbahn und fürs Showbizz gab ich ihr noch eine "Filine" dazu. Problematisch wurde es, weil diesmal der Standesbeamte in Düsseldorf den Eintrag verweigerte, Caye wäre kein Name.
Mangels Familienbibel mussten wir die Namensberechtigung also irgendwie anders nachweisen und so kam CW auf die Idee, sich vom belizianischen Justice of Peace per Fax bescheinigen zu lassen, dass Caye ein ganz normaler belizianischer Mädchenname ist.
Da er geschäftliche Kontakte nach Belize hatte (deshalb waren wir damals ja auch dort zu Besuch), hatte er Schreiben aus den Ministerien, die er als Kopiervorlage für Absender, Briefkopf und Unterschrift nutzte. Weil er das Siegel vom Landwirtschaftsministerium besonders überzeugend und eindrucksvoll fand, (und natürlich auch aus einer Vorlage kopieren konnte) fügte er das auch noch ein, dann schrieb er den passenden Text, klebte die einzelnen Stücke anschließend mit Prittstift auf ein Stück Papier, kopierte alles, um es zum Schluss als Fax an das Düsseldorfer Standesamt "weiterzuleiten".
Das Originalpapier habe ich selbstverständlich zur Erinnerung aufgehoben und wenn C je ihre Memoiren schreibt, müssen die mit dem Satz beginnen: Meine Eltern waren Fälscher.

Als ich dann mit dem dritten Kind schwanger war, war längst klar, dass der erste Name auch wieder "Kai" sein wird, vorsichtshalber legten wir eine Liste an, welche verschiedenen Schreibweisen noch möglich sind (Quai z. B. ginge zur Not ja auch, oder Key), um zu planen, wie viele Kinder wir noch bekommen können, wenn jedes eine eigene Kai-Schreibweise bekommen soll.
Das dritte Kind wurde wieder ein Junge. Nach dem der erste Junge überhaupt nicht auf seinen Opa oder Onkel mütterlicherseits kam, sondern viel eher auf seinen Wiener Onkel, der vor allem für seine Durchgeknalltheit bekannt war oder auch auf Michel aus Lönneberga, was die Menge an Unsinn anging, den er beständig anstellte, hatte ich meine Jungsabneigung abgelegt und keinerlei konkrete Geschlechtswünsche mehr für das Baby.
Dass es ein Junge wurde, war früh bekannt, weil ich mit 35 als "Risikoschwangere" galt und über eine Fruchtwasseruntersuchung die Gesundheit und das Geschlecht des Kindes bestimmt wurde.
Wir hatten also reichlich Zeit, uns Namen zu überlegen und ich stellte fest, dass ich Jungsnamen schwieriger finde als Mädchennamen. Als Mädchen hätte ich Kaj Jona Carlotta Marie sehr schön gefunden, da waren alle wichtigen Komponenten drin und insgesamt haben die Namen hintereinander gesprochen einen schönen, schwingenden Klang.
Aber wir brauchten ja einen Jungsnamen.
Und es sollte etwa Österreichisches dabei sein. Ich schlug "Wiener Würstchen" vor, sah aber ein, dass das eher unpassend ist als Name. Dann schlug ich Felix Austria vor und verliebte mich immer mehr in diesen Vorschlag.
CW hatte allerdings die Sorge, dass der Standesbeamte hier wieder rumzicken würde und hing vorsichtshalber noch einen Leopold hinten dran, weil er davon ausging, dass der Austria als Streichergebnis wegfallen wird und Felix allein ja nicht wienerisch genug ist.
Überraschenderweise hat der Standesbeamte diesmal aber noch nicht mal gezuckt, sondern völlig kommentarlos die von uns angegebenen Namen in die Geburtsurkunde übertragen und so kommt es, dass das dritte Kind nun sogar fünf Namen hat und tatsächlich unter anderem Felix Austria heißt.
Okay, man kann jetzt sagen, dass das mindestens so schlimm ist wie Jimi Blue, aber immerhin ist das nicht sein Alltagsrufname, als Name für Showbizz dagegen perfekt. Und wenn er Notar werden möchte, nun, er hat ja noch den Leopold in Reserve.
Wie die Kinder selber ihre Namen finden weiß ich natürlich nicht genau, ich denke aber, mit ihren Alltagsnamen sind sie soweit zufrieden, C findet es nur schade, dass sie keine richtige "Mittelinitiale" hat, weil sie normalerweise immer ihren zweiten Namen benutzt und der ist ja selber schon irgendwie in der Mitte.
Ich dagegen finde es immer wieder schön, wenn ich sagen kann:
Meine Kinder heißen alle Kai, nur jeweils anders geschrieben
.
(Abgelegt in anjemerkt und bisher 37 x anjeklickt)
Wie gefällt dir dein Vorname?
Weil ich seit neuestem regelmäßig bei Rivva schaue, was es Neues bei deutschen Blogs gibt, habe ich das Thema nicht nur bereits am Anfang des Monats entdeckt, sondern fühle mich diesmal persönlich sehr angesprochen, weil in der ergänzenden Erläuterung auch noch gefragt wird:
Falls du Kinder hast, welche Gedanken hast du dir bei deren Vornamen gemacht? Sind sie zufrieden damit?
Namen sind ein Thema, das mich schon mein gesamtes Leben lang begleitet, weil ja schon mein (erster) Vorname nicht wirklich alltäglich ist.
Ich nenne meinen Namen und die Reaktion kommt prompt: " WIE heißt Du? Das ist ja ungewöhnlich, das habe ich noch nie gehört." Auch Fragen wie "Bist du sicher? Wirklich ohne t und mit e hinten?" kommen regelmäßig vor, offensichtlich erscheint es wahrscheinlicher, dass ich mich bisher mein Leben lang vertan habe, als dass jemand wirklich so seltsam heißt. Als häufigste Variante werde ich aber oft konsequent und nachhaltig Antje genannt, ist schließlich auch irgendwie nordisch und ich nehme es längst achselzuckend hin.
Als Kind war mir die Ungewöhnlichkeit meines Namens oft unangenehm und ich habe mir gewünscht, ich hätte einen normaleren Namen, Anja oder eben wenigstens Antje oder Anke.
Ich fand, ich war durch meine Größe und meine burschikose und eher (vor)laute Art schon auffällig genug, da musste ich nicht auch noch extra durch meinen Namen auffallen.
In meiner Klasse gab es drei Anjas, eine davon war das ziemlich genaue Gegenteil von mir: Mittelgroß, sehr niedlich mit IMMER sauber geflochtenen Zöpfen (meine waren schon zehn Minuten nach dem Frisieren wieder struppig), einer wunderschönen Handschrift und überhaupt einer bewundernswerten Ordnung und Sorgfalt und natürlich immer ruhig und nie vorlaut.
Diese Anja verkörperte mein großes Sehnsuchtsbild, so wäre ich gerne gewesen.
Ich erinnere mich, dass ich eines Mittags auf dem Heimweg von der Schule beschloss, künftig nur noch ganz leise und zurückhaltend zu sprechen. Es gelang mir bis zum Mittagessen, wo ich mal wieder mit meinem Vater in Streit darüber geriet, wie viel bzw. ob ich überhaupt etwas essen müsse. Das war unser Dauerstreit, weil ich außer Kartoffeln und ungekochtem Obst und Gemüse eigentlich nichts gerne aß und deshalb ständig Probleme mit der Vorgabe meines Vaters hatte, der rigoros verlangte: Was auf den Tisch kommt, wird gegessen.
Meine Mutter rettete die Situation, in dem sie ihm sagte, ich sei wohl krank, ich wäre schon seit der Rückkehr aus der Schule ungewöhnlich schweigsam.
Nur noch leise, lieb und brav zu sein, scheiterte also an meinem Vater, der verlangte, dass ich gekochten Blumenkohl essen müsse, einer Zumutung, der ich mich selbstverständlich energisch entgegenstellen musste. Roher Blumenkohl ist ja okay, aber doch nicht gekocht, wie fies ist das denn?
An einer schönen Handschrift, sauberen Linien und überhaupt einer wunderbaren optischen Ordnung scheiterte ich mangels Können ebenfalls, bis heute übrigens, nur heute stört es mich nicht mehr. Heute ist mein Leitsatz: Wer nicht grade kann, macht extra krumm, dann ist es Kunst.
Aber in der Grundschule wäre ich schon sehr gerne noch anders gewesen.
Damit man sich die Unterschiede vorstellen kann, habe ich extra mein altes Poesiealbum herausgesucht, was ich in der zweiten Klasse bekommen habe:

Ist so etwas nicht einfach nur bewundernswert? Anja war damals grade erst acht Jahre alt.
Im Vergleich dazu mein Eintrag auf dem Deckblatt vorne, noch nicht mal da gelang es mir grade und ordentlich

Warum ich ganz oben meinen Namen noch mal zusätzlich mit grünem Filzstift hinschreiben musste, ist auch nicht zu verstehen.
Allerdings gab es zum Glück auch andere, die ähnliche Probleme mit Name, Größe und Schludrigkeit hatten, meine Freundin Hannelore war auch nicht besser dran.
Hannelore war die Tochter des Pastors, genauso groß wie ich und eben auch nicht wirklich mit Ordnung und Sorgfalt gesegnet.
Lehrers Kinder, Pastors Vieh, gedeihen selten oder nie - den Spruch haben wir sehr oft zu hören bekommen.
Und bei der Frage nach dem Namen, war mir Anje dann doch noch lieber als Hannelore.
Meine Doppelnamenabneigung erstreckt sich auch auf Vornamen und begann schon sehr früh, wie ich in der Erinnerung grade feststelle.
Hannelore gehört in die gleiche Kategorie wie Lieselotte, ein Name, den mein Großvater regelmäßig kommentierte mit: Heißt wie zwei Kühe.
Mein Vater erzählte gerne, dass er beim ersten Vorsprechen im Standesamt, als er die Geburt seiner Tochter anzeigen wollte, wieder umgeschickt wurde, weil der Standesbeamte den Namen Anje nicht akzeptierte, den gäbe es nicht.
Er fuhr also nach Hause, holte die alte Familienbibel, wo der Stammbaum seiner Familie eingetragen war und wies so nach, dass es den Namen Anje sehr wohl gibt, meine Ururoma hieß so und ich sage bis heute gern, dass auf Borkum die Friedhöfe voll sind mit Anjes.
Neben meinem Rufnamen bekam ich noch zwei weitere Namen, nämlich die meiner beiden Patentanten, Anita und Erika.
Beide Namen fand ich stets schrecklich und kann sie auch bis heute nicht leiden. Eigentlich habe ich immer dafür gesorgt, dass sie niemand erfährt, aber sie stehen natürlich ausgeschrieben in meinem Personalausweis und weil die Banken es ganz genau nehmen, läuft mein Bankkonto auf alle drei Vornamen und seitdem es jetzt diesen Namensabgleich bei der Kontonummer gibt, wird jedem, der bei Überweisungen nur meinen einfachen Vor- und Nachnamen als Empfänger angibt, angezeigt, wie der vollständige, richtige Name lautet. Ich finde es entsetzlich, kann es aber nicht verhindern.
Je älter ich wurde, umso mehr überzeugten mich die Vorteile eines seltenen Vornamens. Weil es nicht so viele Anjes gibt wie Anjas, Antjes oder Ankes, konnte ich meinen Nachnamen einfach weglassen, es gab in meinem Umfeld nur eine Anje und damit war ich überall eindeutig zu identifizieren.
So wurde mein Name quasi zu meinem USP und ich bin heute sehr zufrieden, dass ich wirklich so heiße, einfach Anje, ohne Tee oder Kakao, wie ich vielen Leuten immer wieder bestätige, wenn sie fragen, ob mein Name wirklich so geschrieben wird.
Englischsprachigen Menschen, die gerne schon mal so etwas wie "onion" daraus machen, erkläre ich dagegen, dass sich der Name wie "Lasagne" ausspricht, nur ohne Las.
Und als Basis für einen Blognamen ist er natürlich ebenfalls wunderbar.
Weil ich meinen Namen als etwas Besonderes empfinde, wollte ich auch für meine Kinder einen besonderen Namen finden, der aber, genau wie mein eigener Name, nichts Ausländisches sein sollte und sich nicht nur durch eine extravagante Schreibweise* auszeichnet, die gesprochen niemand hört. Birrgitt z. B. finde ich genauso anstrengend wie Wincent oder Detleff.
*Michaela gibt es in 135 verschiedenen Schreibweisen
Einen Mädchennamen wusste ich schon immer, den hatte ich nämlich von meinem Großvater übernommen und sofort seine Vorliebe für diesen Namen geteilt.
Mein Großvater hieß Karl und als er eines Tages sagte, er fände seinen Namen nicht so schön, er wäre viel lieber ein Mädchen geworden, weil er dann den schöneren Namen bekommen hätte, hat meine Großmutter ihn erstaunt angesehen und gefragt: "Dann hättest du Karla geheißen, das gefällt Dir besser?", antwortete er: "Nein, dann hätte ich Carlina geheißen und das finde ich viel schöner als Karl."
Da ich sowieso immer nur, wenn überhaupt, dann ein Mädchen als Kind haben wollte, habe ich über Jungsnamen nie nachgedacht. In meiner Vorstellung waren Jungs wie mein Vater oder mein Bruder, also Feiglinge mit einer großen Klappe, davon habe ich mich nur genervt abgewendet, denn ein braves Weichei als Kind wollte ich ganz bestimmt nicht und so einen Nichtskönner-Minimacho erst recht nicht. Ich wollte lieber ein draufgängerisches, wildes Mädchen, gegen mich selbst als Kind hätte ich nichts einzuwenden gehabt, aber mein Bruder als Kind wäre mir eindeutig zu langweilig gewesen*.
*auch wenn meine Mutter immer sagte, dass sie ganz froh war, nicht noch so ein Kind wie mich bekommen zu haben, sondern meinen Bruder als Kind sehr erholsam fand.
Nun war meine erste Schwangerschaft ein ungeplanter Zufallstreffer, ich also entsprechend überhaupt nicht vorbereitet und bis zum siebten Monat hatte der Arzt auch gesagt, es würde ein Mädchen, aber dann machte er noch mal einen ausführlichen Ultraschall und sagte, ne, das wäre wohl doch nicht der Daumen gewesen und nun ja, aber er sei sich jetzt sicher, dass es ein Junge wird.
Ich war total geschockt und hatte keine Lust mehr, ein Kind zu bekommen, wenn es am Ende doch bloß ein Junge wird, was soll ich denn damit?
In der Folge verweigerte ich jede weitere Planung oder Überlegung, wie es nach der Geburt weitergeht, wird ja eh bloß ein Junge, was soll ich mich da groß anstrengen?
Als das Kind auf der Welt war und ich gefragt wurde, wie es heißen soll, hatte ich nicht nur keine Idee, sondern auch keine Lust, mich brav in mein Schicksal als Jungsmutter zu fügen und überlegte ernsthaft, was wohl passiert, wenn ich mich als (unverheiratete) Mutter weigere, dem Kind einen Namen zu geben. Wird es dann vom Amt zwangsbenamt? Dagegen kann man doch bestimmt Einspruch einlegen, das wird ein Spaß, da schauen wir mal, wie das ausgeht.
Intern hatte das Baby einen Arbeitstitel, ich nannte es F1 und war sicher, dass es so einem Minibaby wirklich völlig schnurz ist, ob es schon einen offiziellen Namen hat oder noch nicht.
Aber dann sagte der Arzt, wenn das Kind keinen Namen hätte, könnte es auch keinen Impfausweis bekommen und ohne Impfausweis könne er das Baby nicht impfen und da knickte ich ein. Das arme Kind hatte schon genug darunter zu leiden, dass es nur ein Junge geworden war, da sollte es nicht auch noch zusätzlich irgendwelchen weiteren Krankheitsgefahren ausgesetzt werden.
Ich suchte also nach einem Namen und, fair wie ich war, durfte auch der Vater mitreden.
Der Vater (CW) meinte, sein erster Sohn aus erster Ehe hätte drei Vornamen, die mit A, B und C anfingen, er fände es super, wenn dieses Kind jetzt drei Vornamen bekäme, die mit D, E, und F weitergingen.
Da ich prinzipiell nur sehr ungern Nummer zwei bin und mich schon gar nicht freiwillig hinter jemandem, den ich aus vielerlei Gründen nur sehr verachtete, einsortiere, wurde die weitere alphabetische Durchnummerierung natürlich sofort abgelehnt. Auf keinen Fall.
Mag ja sein, dass es sein zweites Kind war, aber für mich war es das erste und es sollte selbstverständlich auch sonst überall Nummer 1 sein. Akzeptiert habe ich aber den Vorschlag des Vaters, dem Kind mehrere Namen zu geben, dann könne es später immer den am besten passenden auswählen.
CW meinte, jedes Kind bräuchte dringend einen Namen, wenn es Notar werden wolle und einen, wenn es ins Showbusiness wolle. Und ein normaler Name für den normalen Alltag wäre natürlich auch ganz praktisch. Außerdem fände er es gut, wenn jedes Kind auch einen österreichischen Namen bekommt, denn immerhin wäre das ja auch Teil der Herkunft.
Ich wollte dazu noch einen genderneutralen Namen, denn man kann ja nie wissen, vielleicht möchte der arme Junge ja später doch lieber ein Mädchen sein, dann hätte er immerhin schon mal einen passenden Namen.
Und so kam es, dass ich als ersten Namen "Cai" wählte, dann einen ostfriesischen Alltagsnamen (Klaas), den ich mit einem "Ni" davor etwas modernisierte, ohne zu bemerken, dass ich so durch Zufall einen Modenamen erwischt hatte, Pech, außerdem August für die Notarlaufbahn und Ferdinand für den Wiener Teil.
Als ich danach wieder schwanger wurde und diesmal endlich wirklich ein Mädchen unterwegs war, war der Alltagsname schon klar, es fehlten nur die Namen drumherum.
Da sie nicht im heimischen Bett, sondern in Belize auf Caye Caulker gezeugt worden war, kamen wir auf die Idee, sie auch "Cai" zu nennen, allerdings in der Schreibweise "Caye", schließlich ist sie ein Mädchen und da darf sie ruhig ein extra e als Unterscheidung bekommen.
Mit "Theresa" wurde die Wienerkomponente genauso bedient wie die eventuelle Notarlaufbahn und fürs Showbizz gab ich ihr noch eine "Filine" dazu. Problematisch wurde es, weil diesmal der Standesbeamte in Düsseldorf den Eintrag verweigerte, Caye wäre kein Name.
Mangels Familienbibel mussten wir die Namensberechtigung also irgendwie anders nachweisen und so kam CW auf die Idee, sich vom belizianischen Justice of Peace per Fax bescheinigen zu lassen, dass Caye ein ganz normaler belizianischer Mädchenname ist.
Da er geschäftliche Kontakte nach Belize hatte (deshalb waren wir damals ja auch dort zu Besuch), hatte er Schreiben aus den Ministerien, die er als Kopiervorlage für Absender, Briefkopf und Unterschrift nutzte. Weil er das Siegel vom Landwirtschaftsministerium besonders überzeugend und eindrucksvoll fand, (und natürlich auch aus einer Vorlage kopieren konnte) fügte er das auch noch ein, dann schrieb er den passenden Text, klebte die einzelnen Stücke anschließend mit Prittstift auf ein Stück Papier, kopierte alles, um es zum Schluss als Fax an das Düsseldorfer Standesamt "weiterzuleiten".
Das Originalpapier habe ich selbstverständlich zur Erinnerung aufgehoben und wenn C je ihre Memoiren schreibt, müssen die mit dem Satz beginnen: Meine Eltern waren Fälscher.

Als ich dann mit dem dritten Kind schwanger war, war längst klar, dass der erste Name auch wieder "Kai" sein wird, vorsichtshalber legten wir eine Liste an, welche verschiedenen Schreibweisen noch möglich sind (Quai z. B. ginge zur Not ja auch, oder Key), um zu planen, wie viele Kinder wir noch bekommen können, wenn jedes eine eigene Kai-Schreibweise bekommen soll.
Das dritte Kind wurde wieder ein Junge. Nach dem der erste Junge überhaupt nicht auf seinen Opa oder Onkel mütterlicherseits kam, sondern viel eher auf seinen Wiener Onkel, der vor allem für seine Durchgeknalltheit bekannt war oder auch auf Michel aus Lönneberga, was die Menge an Unsinn anging, den er beständig anstellte, hatte ich meine Jungsabneigung abgelegt und keinerlei konkrete Geschlechtswünsche mehr für das Baby.
Dass es ein Junge wurde, war früh bekannt, weil ich mit 35 als "Risikoschwangere" galt und über eine Fruchtwasseruntersuchung die Gesundheit und das Geschlecht des Kindes bestimmt wurde.
Wir hatten also reichlich Zeit, uns Namen zu überlegen und ich stellte fest, dass ich Jungsnamen schwieriger finde als Mädchennamen. Als Mädchen hätte ich Kaj Jona Carlotta Marie sehr schön gefunden, da waren alle wichtigen Komponenten drin und insgesamt haben die Namen hintereinander gesprochen einen schönen, schwingenden Klang.
Aber wir brauchten ja einen Jungsnamen.
Und es sollte etwa Österreichisches dabei sein. Ich schlug "Wiener Würstchen" vor, sah aber ein, dass das eher unpassend ist als Name. Dann schlug ich Felix Austria vor und verliebte mich immer mehr in diesen Vorschlag.
CW hatte allerdings die Sorge, dass der Standesbeamte hier wieder rumzicken würde und hing vorsichtshalber noch einen Leopold hinten dran, weil er davon ausging, dass der Austria als Streichergebnis wegfallen wird und Felix allein ja nicht wienerisch genug ist.
Überraschenderweise hat der Standesbeamte diesmal aber noch nicht mal gezuckt, sondern völlig kommentarlos die von uns angegebenen Namen in die Geburtsurkunde übertragen und so kommt es, dass das dritte Kind nun sogar fünf Namen hat und tatsächlich unter anderem Felix Austria heißt.
Okay, man kann jetzt sagen, dass das mindestens so schlimm ist wie Jimi Blue, aber immerhin ist das nicht sein Alltagsrufname, als Name für Showbizz dagegen perfekt. Und wenn er Notar werden möchte, nun, er hat ja noch den Leopold in Reserve.
Wie die Kinder selber ihre Namen finden weiß ich natürlich nicht genau, ich denke aber, mit ihren Alltagsnamen sind sie soweit zufrieden, C findet es nur schade, dass sie keine richtige "Mittelinitiale" hat, weil sie normalerweise immer ihren zweiten Namen benutzt und der ist ja selber schon irgendwie in der Mitte.
Ich dagegen finde es immer wieder schön, wenn ich sagen kann:
Meine Kinder heißen alle Kai, nur jeweils anders geschrieben
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