... newer stories
Sonntag, 25. Oktober 2015
Gelöscht
anje, 00:34h
Hier stand mal ganz viel Text.
Ist aber leider alles weg, weil ich auf eine falsche Stelle getippt habe. Sowas passiert, wenn man mit dem Handy bloggt und dann zu faul ist, den Text alle vier Zeilen zu speichern.
Jetzt habe ich keine Lust mehr, alles neu zu tippen, deshalb als Quintessenz nur noch das Bild, um das es ging:
Aber vielleicht reicht das ja auch schon aus und jeder denkt sich seinen eigenen Text dazu. Ich fand's auf alle Fälle witzig.
Punkt
.
Ist aber leider alles weg, weil ich auf eine falsche Stelle getippt habe. Sowas passiert, wenn man mit dem Handy bloggt und dann zu faul ist, den Text alle vier Zeilen zu speichern.
Jetzt habe ich keine Lust mehr, alles neu zu tippen, deshalb als Quintessenz nur noch das Bild, um das es ging:
Aber vielleicht reicht das ja auch schon aus und jeder denkt sich seinen eigenen Text dazu. Ich fand's auf alle Fälle witzig.
Punkt
.
917 x anjeklickt (immerhin schon ein Kommentar) ... ¿selber was sagen?
Samstag, 24. Oktober 2015
Erinnerung
anje, 01:27h

Am Sonntag waren es fünfhundert Tage.
Fünfhundert Tage sind eine ganz schön lange Zeit und natürlich haben wir mittlerweile alle unseren Alltag ohne dich eingerichtet.
Ich habe aufgehört, dich als selbstverständlichen Bestandteil meines Lebens zu betrachten und mich daran gewöhnt, mich nicht mehr ständig über dich zu ärgern.
Aber Fehlen tust du mir immer noch. An manchen Tagen mehr, an anderen weniger. Es gibt sogar ab und zu Tage, da bist du gar nicht da. Das sind dann meist die Tage, wo die Alltagsroutine einfach nur störungsfrei und ohne besondere Vorkommnisse abgelebt wird.
Ich habe begonnen, deine Hinterlassenschaften aufzuräumen. CK ist eine große Hilfe, ohne ihn wäre ich verzweifelt. Du hast das gewusst, oder? Und hast mir deshalb immer gesagt, ich solle ihn gut behandeln und auf keinen Fall verscheuchen.
Weißt du, was mir am meisten fehlt und was mich gleichzeitig auch am meisten daran ärgert, dass du nicht mehr da bist? Dass ich dich nicht mehr anschimpfen kann. Im Grunde hast du ganz schön Glück, dass du tot bist. Wenn ich dich heute zu fassen bekäme, dann würde ich dir aber sehr gründlich die Meinung sagen, da kannst du mal von ausgehen!
Wie kann man nur so schlurig sein und angefangene Dinge nie vernünftig zu Ende bringen?
Ich habe jetzt den Kram am Hals, von dem ich immer sagte, ich will es gar nicht haben, aber nun bleibt mir nichts anderes übrig, als es tatsächlich selber zu erledigen. Seitdem ich mich mit deinen Organisationsstrukturen zwangsbeschäftige, entdecke ich immer wieder neue Zusammenhänge und stelle immer wieder fest, was für ein Genie du warst. Du hast wirklich an alles gedacht – oder an fast alles. Es tut mir leid, dass ich dich dafür nicht genug bewundert habe.
Aber bis ich alle deine Passwörter rausgefunden hatte, das hat gedauert. Wenn du das nächste Mal stirbst, sollten wir unbedingt daran denken, vorher eine Liste anzulegen, auf der alle accounts und alle dazugehörenden Passwörter vermerkt sind. So war das sehr mühselig.
Die Grundstruktur deiner Hinterlassenschaft habe ich jetzt entwirrt und einige Gesellschaften komplett neu organisiert. Du warst unbestritten ein Genie, aber für die Alltagskleinigkeiten fehlte dir sichtbar das Interesse. Per Saldo kommt der Gewinn jedoch aus dem Alltag und nicht nur aus den a.o. Erträgen, das ist die Erklärung, warum es absolut dann doch nie so fluppte bei dir, wie du es erwartet hast.
Dir machte nur das Konzeptionieren Spaß. Das fertige Theoriegerüst anschließend umzusetzen und im Alltag zu begleiten, das hat dich so sehr gelangweilt, dass du es lieber gleich wieder kaputt gemacht hast.
Weißt du noch, wie du immer den alten Witz erzählt hast:
„Wir haben unsere Zuständigkeiten ganz genau aufgeteilt. Ich bin für die großen wichtigen Entscheidungen zuständig und meine Frau für den kleinen Alltagskram. Sie entscheidet, wo wir wohnen, wofür wir unser Geld ausgeben, wohin wir in Urlaub fahren und auf welche Schule die Kinder gehen. Ich kümmere mich in der Zeit um die wirklich wesentlichen Dinge: Soll die Türkei in die EU aufgenommen werden, wer wird neuer Präsident in den USA und ähnliches.“ – Im Grunde war das gar kein Witz, sondern hat genau unsere tatsächlichen Rollen beschrieben. Die Idee vom großen Ganzen. 42 war nicht ohne Grund deine Lieblingszahl.
Ich habe in den letzten 500 Tagen schon aus schierer Notwendigkeit Dinge getan, für die vorher immer du zuständig warst, aber plötzlich erwarteten alle, dass ich einfach da weitermache, wo du gegangen bist.
Es dauerte eine Zeit, bis ich überhaupt bereit war, diese Rolle anzunehmen. Heute klappt das ganz gut, denn ich habe irgendwann begriffen, dass du tatsächlich fort bist und zwar so fort, dass ich auch keine Rücksicht auf Deine Interessen mehr nehmen muss. Ich darf jetzt Dinge wegschmeißen.
Ich glaube, es ist besser, du hörst grad weg, aber ich habe so viele Dinge weggeschmissen, dass Du in deinem Grab vor lauter Rotieren nicht mehr zur Ruhe kämst, wenn du das tatsächlich mitbekommen würdest.
Oh CW, warum haben wir bloß nicht eher gemeinsam begonnen, diesen ganzen Kram aufzuräumen?
Ich habe außerdem ein neues Auto, eines, was ich tatsächlich genauso toll finde wie den Punto damals. Und du bist nicht mehr da, um das Auto mit mir gemeinsam toll zu finden. Du fehlst mir. Ich wüsste genau, was du zu diesem Auto sagen würdest: „So eines muss ich auch haben, unbedingt.“ Und würdest dann nicht locker lassen, bis du auch so ein Auto hast. Nicht, um damit zu fahren, sondern nur um es zu haben, so wie den Jaguar und den Chrysler und den Mercedes, den kleinen Citroen und den Punto, den ich ja nicht verkaufen durfte. Deine Autoflotte ist übrigens auch aufgelöst und der Beetle ist ebenfalls weg. Alles in 500 Tagen.
Das Haus hat ein neues Dach mit Veluxfenstern und einen Dachboden. Die Verkleidung vor der Schräge haben wir entfernt und damit die Grundfläche deutlich vergrößert. Außerdem haben wir einen Kaminofen gekauft und an dem zweiten Schornstein angeschlossen. Ich bin sicher, du würdest es lieben. Der Ofen ist drehbar, stell dir vor. Es ist so schade, dass du das alles nicht mehr siehst. Was hätten wir uns gestritten über den Umbau, obwohl es dann trotzdem genau so gekommen wäre, wie es jetzt ist.
Den Kindern geht es gut – aber du fehlst ihnen genau wie mir. Es sind die kleinen, eingeschobenen Zwischensätze, die das Fehlen aufblitzen lassen.
Ich hoffe, es geht dir gut, wo auch immer du bist, ach, und wenn du es irgendwie einrichten kannst, dann lass doch mal wieder was von dir hören, du wirst schon einen Weg finden, das zu organisieren, oder?

.
2035 x anjeklickt (5 mal hat hier schon jemand geantwortet) ... ¿selber was sagen?
Donnerstag, 22. Oktober 2015
Aufgeräumt
anje, 22:52h
...
1363 x anjeklickt (...bisher hat noch niemand was dazu gesagt) ... ¿selber was sagen?
Donnerstag, 22. Oktober 2015
Aufgeräumt
anje, 01:00h
...
1388 x anjeklickt (...bisher hat noch niemand was dazu gesagt) ... ¿selber was sagen?
Mittwoch, 21. Oktober 2015
Ruhe schön
anje, 00:01h
"Weißt du schon, was du machst, wenn du tot bist?"
Mit dieser sehr direkten Frage hat mich vor einigen Jahren eine Bekannte verblüfft, die sich da schon sehr ausführlich Gedanken zu gemacht hatte.
"Ich hab da nämlich schon einen Friedhof ausgesucht und bisher sind wir zu acht und teilen uns eine Grabstätte, ich hab die auch schon komplett reserviert, aber wir könnten noch ausweiten, noch sind zwei Gräber rechts daneben frei. Ich find das wichtig, vorher zu überlegen, neben wem man da zu liegen kommt. Stell dir vor, ich müsste nebem dem Erwin.... - Also ne, das ginge ja gar nicht. Der schnarcht so sehr, da kriegste nachher kein Auge zu und wenn du dann tot bist, dann haste das Palaver, besser ist, man plant das vorher in Ruhe. Der Erwin kommt neben die Rosi. Die ist schwerhörig, die stört das Schnarchen nicht."
Dieses Gespräch hat mich damals schon nachhaltig fasziniert und im weiteren Verlauf stellte sich dann raus, dass es wohl sehr viele Leute gibt, die wollen das vorher alles genau geplant und vorbereitet haben. Diese Bekannte war Mitglied einer 8er Clique, die durch die Gruppenorganisation versuchten Synergieeffekte zu heben.
Ich gehe mal davon aus, das solche Leute die Zielgruppe der Bestatter sind, denn ihre sonstige Kundschaft sagt ja nicht mehr viel.
Um ihre Zielgruppe aktiv zu umwerben und zu unterstützen, geben sich die Bestatter viel Mühe.
So gibt es unter anderem die GBV Gesellschaft für Bestattungen und Vorsorge mbH, die eine sehr detaillierte website zu allen Themen rund ums Bestatten betreibt und hier unter anderem jährlich Preise vergibt fürden schönsten Tod, den schönsten Friedhof, das schönste Grab/Grabmal/Sarg/Urne.
Diesjähriger Sieger in der Kategorie des schönsten Friedhof ist der Sennefriedhof in Bielefeld. Der Bielefelder Teil meiner Familie kann sich also schon mal wunderschön begraben lassen. Beruhigt doch, sowas vorher zu wissen.
Noch faszinierender fand ich allerdings die Särge, die heutzutage so auf dem Markt sind.
Den ersten Preis macht das Modell Seelenrelief. Optisch finde ich ihn nicht so spannend, aber die Wortwahl ist ja wohl erste Sahne. Chapeau, ein echter Sprachkünstler, dieser Sargschreiner.
Am meisten grinsen musste ich aber über den vierten Platz: PLUS MINUS NULL – Der natürliche Weg in Leipzig. Dort hießen die Teile früher Erdmöbel, was den künstlerischen Designanspruch ja deutlich mehr unterstreicht als das traurige Wort "Sarg".
Die neue Schlichtheit kam schon immer aus dem Osten, die Bauhausszene fand ja auch dort ihren Ursprung.
Ich glaube, dafür bleibt jetzt nur noch ein Punkt
.
Mit dieser sehr direkten Frage hat mich vor einigen Jahren eine Bekannte verblüfft, die sich da schon sehr ausführlich Gedanken zu gemacht hatte.
"Ich hab da nämlich schon einen Friedhof ausgesucht und bisher sind wir zu acht und teilen uns eine Grabstätte, ich hab die auch schon komplett reserviert, aber wir könnten noch ausweiten, noch sind zwei Gräber rechts daneben frei. Ich find das wichtig, vorher zu überlegen, neben wem man da zu liegen kommt. Stell dir vor, ich müsste nebem dem Erwin.... - Also ne, das ginge ja gar nicht. Der schnarcht so sehr, da kriegste nachher kein Auge zu und wenn du dann tot bist, dann haste das Palaver, besser ist, man plant das vorher in Ruhe. Der Erwin kommt neben die Rosi. Die ist schwerhörig, die stört das Schnarchen nicht."
Dieses Gespräch hat mich damals schon nachhaltig fasziniert und im weiteren Verlauf stellte sich dann raus, dass es wohl sehr viele Leute gibt, die wollen das vorher alles genau geplant und vorbereitet haben. Diese Bekannte war Mitglied einer 8er Clique, die durch die Gruppenorganisation versuchten Synergieeffekte zu heben.
Ich gehe mal davon aus, das solche Leute die Zielgruppe der Bestatter sind, denn ihre sonstige Kundschaft sagt ja nicht mehr viel.
Um ihre Zielgruppe aktiv zu umwerben und zu unterstützen, geben sich die Bestatter viel Mühe.
So gibt es unter anderem die GBV Gesellschaft für Bestattungen und Vorsorge mbH, die eine sehr detaillierte website zu allen Themen rund ums Bestatten betreibt und hier unter anderem jährlich Preise vergibt für
Diesjähriger Sieger in der Kategorie des schönsten Friedhof ist der Sennefriedhof in Bielefeld. Der Bielefelder Teil meiner Familie kann sich also schon mal wunderschön begraben lassen. Beruhigt doch, sowas vorher zu wissen.
Noch faszinierender fand ich allerdings die Särge, die heutzutage so auf dem Markt sind.
Den ersten Preis macht das Modell Seelenrelief. Optisch finde ich ihn nicht so spannend, aber die Wortwahl ist ja wohl erste Sahne. Chapeau, ein echter Sprachkünstler, dieser Sargschreiner.
Am meisten grinsen musste ich aber über den vierten Platz: PLUS MINUS NULL – Der natürliche Weg in Leipzig. Dort hießen die Teile früher Erdmöbel, was den künstlerischen Designanspruch ja deutlich mehr unterstreicht als das traurige Wort "Sarg".
Die neue Schlichtheit kam schon immer aus dem Osten, die Bauhausszene fand ja auch dort ihren Ursprung.
Ich glaube, dafür bleibt jetzt nur noch ein Punkt
.
972 x anjeklickt (...bisher hat noch niemand was dazu gesagt) ... ¿selber was sagen?
Dienstag, 20. Oktober 2015
Aufgeräumt
anje, 01:00h
...
1064 x anjeklickt (...bisher hat noch niemand was dazu gesagt) ... ¿selber was sagen?
Montag, 19. Oktober 2015
Zibeben, Berberitzen und Möwen
anje, 01:27h
Heute kam Barbara zu Besuch und brachte mir auch noch ein Geburtstagsgeschenk mit.
Als sie letztes Jahr auf Borkum war, habe ich mir ein Bild für das Büro gewünscht, was genau vor die geflickte Stelle unter der Schräge passt.
Damals stand der Schreibtisch noch unter der Schräge und der Plan war, als Bild dort eine Möwe zu platzieren, die sich angewidert vom Schreibtisch abwendet.
Ich denke, schöner hätte das Bild gar nicht werden können.

Zu diesem Bild gehört natürlich dann dieses Gedicht:
Die Möwen sehen alle aus,
als ob sie Emma hießen.
Sie tragen einen weißen Flaus
und sind mit Schrot zu schießen.
Ich schieße keine Möwe tot,
ich lass sie lieber leben -
und fütt‘re sie mit Roggenbrot
und rötlichen Zibeben.
O Mensch, du wirst nie nebenbei
der Möwe Flug erreichen.
Wofern du Emma heißest, sei
zufrieden, ihr zu gleichen.
Christian Morgenstern
Als ich vorgestern im Rheinland war, habe ich mal wieder die Gelegenheit genutzt, bei Aldi Süd einzukaufen. Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie groß die Unterschiede zwischen diesen beiden Aldi Ketten sind, Aldi Süd gefällt mir sehr, zu Aldi Nord gehe ich nur, wenn kein anderes Geschäft erreichbar ist.
Bei Aldi Süd gab es dann Berberitzen im Angebot, was ich faszinierend fand, weil ich diese Frucht ansonsten noch nie real gesehen hatte, aber sofort wusste, dass Berberitzen in einem Gedicht vorkommt, was mir gut gefällt und dass ich deshalb schon immer wissen wollte, was Berberitzen eigentlich sind, so dass ich beglückt eine Tüte Berberitzen erwarb.
Unterwegs habe ich K. das dann erklärt, und dass er doch bestimmt auch das Gedicht mit "alle Möwen heißen Emma" kennt, aber während ich ihm das erzählte, begann ich parallel darüber zu grübeln, wie das Wort Berberitzen denn nun in diesem Gedicht eingebaut ist und was sich überhaupt auf Berberitzen reimt. Irgendwie bekam ich dann meine verschiedenen Assoziationsstränge nicht mehr miteinander verknüpft und wurde ganz unsicher, was Emma und Berberitzen angeht, aber ein Gedicht dazu gibt es, das wusste ich genauso sicher, wie dass in dem Möwenlied auch ein Obst vorkommt, was ich nicht kenne.
Oh Mann.
Und was für ein Glück, dass Tante Google das dann auflösen konnte und ich feststellte, dass es zum einen das Berberitzengedicht gibt, was mich wegen der düsteren Stimmung und der verdrehten Metaphorik schon immer angezogen hat, dass dieses Gedicht aber von Rilke ist und nichts mit Möwen zu tun hat.
In dem Möwenlied von Morgenstern dagegen kommen Zibeben vor, die begrifflich zwar auch kein geläufiges Alltagsobst sind, aber eben auch keine Berberitzen.
Zwar bin ich ziemlich sicher, dass Möwen sich genausogut mit Berberitzen füttern ließen, aber dann würde es sich nicht mehr so gut reimen.
So habe ich für das eine Gedicht nun also das Obst gefunden - und für das andere das Bild bekommen und bin ziemlich zufrieden, da jetzt Ordnung rein gebracht zu haben.
Punkt
.
Als sie letztes Jahr auf Borkum war, habe ich mir ein Bild für das Büro gewünscht, was genau vor die geflickte Stelle unter der Schräge passt.
Damals stand der Schreibtisch noch unter der Schräge und der Plan war, als Bild dort eine Möwe zu platzieren, die sich angewidert vom Schreibtisch abwendet.
Ich denke, schöner hätte das Bild gar nicht werden können.

Zu diesem Bild gehört natürlich dann dieses Gedicht:
Die Möwen sehen alle aus,
als ob sie Emma hießen.
Sie tragen einen weißen Flaus
und sind mit Schrot zu schießen.
Ich schieße keine Möwe tot,
ich lass sie lieber leben -
und fütt‘re sie mit Roggenbrot
und rötlichen Zibeben.
O Mensch, du wirst nie nebenbei
der Möwe Flug erreichen.
Wofern du Emma heißest, sei
zufrieden, ihr zu gleichen.
Christian Morgenstern
Als ich vorgestern im Rheinland war, habe ich mal wieder die Gelegenheit genutzt, bei Aldi Süd einzukaufen. Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie groß die Unterschiede zwischen diesen beiden Aldi Ketten sind, Aldi Süd gefällt mir sehr, zu Aldi Nord gehe ich nur, wenn kein anderes Geschäft erreichbar ist.
Bei Aldi Süd gab es dann Berberitzen im Angebot, was ich faszinierend fand, weil ich diese Frucht ansonsten noch nie real gesehen hatte, aber sofort wusste, dass Berberitzen in einem Gedicht vorkommt, was mir gut gefällt und dass ich deshalb schon immer wissen wollte, was Berberitzen eigentlich sind, so dass ich beglückt eine Tüte Berberitzen erwarb.
Unterwegs habe ich K. das dann erklärt, und dass er doch bestimmt auch das Gedicht mit "alle Möwen heißen Emma" kennt, aber während ich ihm das erzählte, begann ich parallel darüber zu grübeln, wie das Wort Berberitzen denn nun in diesem Gedicht eingebaut ist und was sich überhaupt auf Berberitzen reimt. Irgendwie bekam ich dann meine verschiedenen Assoziationsstränge nicht mehr miteinander verknüpft und wurde ganz unsicher, was Emma und Berberitzen angeht, aber ein Gedicht dazu gibt es, das wusste ich genauso sicher, wie dass in dem Möwenlied auch ein Obst vorkommt, was ich nicht kenne.
Oh Mann.
Und was für ein Glück, dass Tante Google das dann auflösen konnte und ich feststellte, dass es zum einen das Berberitzengedicht gibt, was mich wegen der düsteren Stimmung und der verdrehten Metaphorik schon immer angezogen hat, dass dieses Gedicht aber von Rilke ist und nichts mit Möwen zu tun hat.
In dem Möwenlied von Morgenstern dagegen kommen Zibeben vor, die begrifflich zwar auch kein geläufiges Alltagsobst sind, aber eben auch keine Berberitzen.
Zwar bin ich ziemlich sicher, dass Möwen sich genausogut mit Berberitzen füttern ließen, aber dann würde es sich nicht mehr so gut reimen.
So habe ich für das eine Gedicht nun also das Obst gefunden - und für das andere das Bild bekommen und bin ziemlich zufrieden, da jetzt Ordnung rein gebracht zu haben.
Punkt
.
1269 x anjeklickt (...bisher hat noch niemand was dazu gesagt) ... ¿selber was sagen?
... older stories