Montag, 6. April 2026
Heimatgefühle und Verlustängste
anje, 23:39h
Der Ginster beginnt zu blühen

und plötzlich habe ich einen Ohrwurm
Wa de Nordseewellen
trecken an de Strand,
wa de geele Ginster
bleuht in Dünensand,
wa de Möwen skrien
hell int Störmgebrus,
da is miene Heimat,
da bin ick tau Hus.
Ich suche online nach diesem Lied und lerne, dass es im Original wohl die Ostseewellen waren, die besungen wurden, was mich fasziniert, denn ich habe früher sogar lange gedacht, dass es extra für Borkum geschrieben wurde, schließlich sang/singt der Borkumer Männerchor es bei jeder Gelegenheit
Dann hörte ich irgendwann die Version von Lale Andersen, die ein ganz seltsames Platt singt (Festland.....) und ich begriff, dass es wohl doch nicht speziell für Borkum geschrieben wurde.
Und jetzt also sogar eigentlich für die Ostsee, na sowas, geklautes Heimatlied, Sachen gibt's.
Trotzdem läuft mir das Lied nach, seit dem ich den Ginster gesehen habe.
Sonst so:
Gestern habe ich noch gesagt, ich möchte einen Artikel aus dem Spiegel lesen - heute ist er schon in meinem E-Mail-Postfach, was für ein wundervoller Bloggerservice, vielen herzlichen Dank.
Am Vormittag habe ich lange mit meiner Tochter telefoniert und unter anderem sprachen wir über das Thema "Verlustangst". Sie sagt, sie möchte lieber nicht so viele oder so tolle Dinge haben, weil dann ja die Gefahr besteht, dass sie die nicht auf Dauer behalten kann bzw. sich eine Ersatzbeschaffung nicht leisten kann und dann wäre sie unzufrieden, weil sie dann ja wüsste, was ihr fehlt. Um diese Unzufriedenheit nicht zu riskieren, möchte sie sich lieber gar nicht erst an besonders gute Dinge gewöhnen.
Ihr Beispiel waren Falke-Socken. Bevor sie Falke-Socken kennenlernte, war sie auch mit den einfachen Socken vom Discounter zufrieden, weil sie ja nichts anderes kannte. Aber dann schenkte ich ihr FalkeSocken und jetzt findet sie die billigen Socken nicht mehr gut und muss für immer die teuren FalkeSocken kaufen, weil die FalkeSocken ihren Geschmack nach oben verdorben haben.
Mich fasziniert diese Einstellung, weil ich komplett anders ticke. Ich möchte immer genau wissen, was es für besonders edle und hochwertige Dinge gibt, damit ich weiß, wonach ich auf dem Flohmarkt gezielt Ausschau halten muss. Wenn ich die besonders gute Markenkleidung gar nicht kenne, kann ich sie auch nicht erkennen und irgendwie geht dann viel vom Sinn des Flohmarktes für mich verloren.
Ich kaufe meine Kleidung ja nicht auf dem Flohmarkt, weil ich dringend etwas zum Anziehen brauche, sondern weil ich eben den Genuss, richtig hochwertige Kleidung zu tragen, sehr schätze, aber nicht bereit bin, dafür den regulären Preis zu bezahlen.
So ähnlich geht es mir auch mit Weinen, das erzählte ich neulich schon mal, denn ich kann die richtig guten Weine beim Discounter ja nur dann erkennen und finden, wenn ich überhaupt weiß, wie ein richtig guter Wein schmecken kann.
Ein weiterer, sehr großer Unterschied ist, dass ich keinerlei Verlustängste habe. Im Gegenteil, ich stelle mir zwischendurch immer mal wieder vor, dass der Luxus und der Reichtum, in dem ich lebe, ja durchaus auch mal wieder verschwinden kann. Drei schwarze Schwäne auf einmal, Black Friday und kein Ende - es kann durchaus sein, dass plötzlich alles weg ist.
Für solche Gedanken habe ich dann mein worst case scenario, wo ich mir ausmale, was im schlimmsten Fall alles passieren kann und dann beruhige ich mich damit, dass ich mich im schlimmsten Fall halt hier auf meiner Insel einigel, den Garten zu einem Nutzgarten umbaue, das gleiche mache ich auch mit dem Garten beim Vaterhaus und dann lebe ich eben vor allem von Kartoffeln und Möhren - und so schlimm finde ich das auch nicht.
Immer, wenn ich mir so etwas vorstelle, überkommt mich gleichzeitig aber auch eine große Dankbarkeit, dass ich jetzt schon seit so langer Zeit in meinem bisherigen Luxus leben konnte, das hat sich doch alles schon gewaltig gelohnt. Wie schade wäre es gewesen, wenn ich mich aus Sorge, den Luxus nicht halten zu können, immer nur beschieden hätte? Was für ein vergeudetes Leben.
Ich finde, das Leben ist wie ein Mensch-ärger-dich-nicht-Spiel, es kann immer mal passieren, dass man rausgeworfen wird, kein Grund, sich aufzuregen. Aber bloß, um das Risiko, rausgeworfen zu werden, zu minimieren, laufe ich doch nicht freiwillig lieber hinter den anderen her, weil mir da weniger passieren kann.
Genau zu dem Bild meinte meine Tochter, doch, sie wäre lieber immer nur bei den Verfolgern, dann müsste sie sich nur kurz vor Schluss einmal anstrengen und könnte dann ja noch überholen, hätte aber vorher deutlich weniger Stress.
Wenn sie Erster wäre, würde sie das enorm stressen, weil sie dann ja von allen gejagt würde und deshalb auch viel eher rausgeworfen werden könnte.
Mich fasziniert das sehr, denn diese Grundeinstellung kann sie weder von ihrem Vater noch von mir geerbt haben und beigebracht haben wir ihr das auch alle beide ganz sicher nicht. Die Mendelsche Erblehre geht manchmal seltsame Wege
.

und plötzlich habe ich einen Ohrwurm
Wa de Nordseewellen
trecken an de Strand,
wa de geele Ginster
bleuht in Dünensand,
wa de Möwen skrien
hell int Störmgebrus,
da is miene Heimat,
da bin ick tau Hus.
Ich suche online nach diesem Lied und lerne, dass es im Original wohl die Ostseewellen waren, die besungen wurden, was mich fasziniert, denn ich habe früher sogar lange gedacht, dass es extra für Borkum geschrieben wurde, schließlich sang/singt der Borkumer Männerchor es bei jeder Gelegenheit
Dann hörte ich irgendwann die Version von Lale Andersen, die ein ganz seltsames Platt singt (Festland.....) und ich begriff, dass es wohl doch nicht speziell für Borkum geschrieben wurde.
Und jetzt also sogar eigentlich für die Ostsee, na sowas, geklautes Heimatlied, Sachen gibt's.
Trotzdem läuft mir das Lied nach, seit dem ich den Ginster gesehen habe.
Sonst so:
Gestern habe ich noch gesagt, ich möchte einen Artikel aus dem Spiegel lesen - heute ist er schon in meinem E-Mail-Postfach, was für ein wundervoller Bloggerservice, vielen herzlichen Dank.
Am Vormittag habe ich lange mit meiner Tochter telefoniert und unter anderem sprachen wir über das Thema "Verlustangst". Sie sagt, sie möchte lieber nicht so viele oder so tolle Dinge haben, weil dann ja die Gefahr besteht, dass sie die nicht auf Dauer behalten kann bzw. sich eine Ersatzbeschaffung nicht leisten kann und dann wäre sie unzufrieden, weil sie dann ja wüsste, was ihr fehlt. Um diese Unzufriedenheit nicht zu riskieren, möchte sie sich lieber gar nicht erst an besonders gute Dinge gewöhnen.
Ihr Beispiel waren Falke-Socken. Bevor sie Falke-Socken kennenlernte, war sie auch mit den einfachen Socken vom Discounter zufrieden, weil sie ja nichts anderes kannte. Aber dann schenkte ich ihr FalkeSocken und jetzt findet sie die billigen Socken nicht mehr gut und muss für immer die teuren FalkeSocken kaufen, weil die FalkeSocken ihren Geschmack nach oben verdorben haben.
Mich fasziniert diese Einstellung, weil ich komplett anders ticke. Ich möchte immer genau wissen, was es für besonders edle und hochwertige Dinge gibt, damit ich weiß, wonach ich auf dem Flohmarkt gezielt Ausschau halten muss. Wenn ich die besonders gute Markenkleidung gar nicht kenne, kann ich sie auch nicht erkennen und irgendwie geht dann viel vom Sinn des Flohmarktes für mich verloren.
Ich kaufe meine Kleidung ja nicht auf dem Flohmarkt, weil ich dringend etwas zum Anziehen brauche, sondern weil ich eben den Genuss, richtig hochwertige Kleidung zu tragen, sehr schätze, aber nicht bereit bin, dafür den regulären Preis zu bezahlen.
So ähnlich geht es mir auch mit Weinen, das erzählte ich neulich schon mal, denn ich kann die richtig guten Weine beim Discounter ja nur dann erkennen und finden, wenn ich überhaupt weiß, wie ein richtig guter Wein schmecken kann.
Ein weiterer, sehr großer Unterschied ist, dass ich keinerlei Verlustängste habe. Im Gegenteil, ich stelle mir zwischendurch immer mal wieder vor, dass der Luxus und der Reichtum, in dem ich lebe, ja durchaus auch mal wieder verschwinden kann. Drei schwarze Schwäne auf einmal, Black Friday und kein Ende - es kann durchaus sein, dass plötzlich alles weg ist.
Für solche Gedanken habe ich dann mein worst case scenario, wo ich mir ausmale, was im schlimmsten Fall alles passieren kann und dann beruhige ich mich damit, dass ich mich im schlimmsten Fall halt hier auf meiner Insel einigel, den Garten zu einem Nutzgarten umbaue, das gleiche mache ich auch mit dem Garten beim Vaterhaus und dann lebe ich eben vor allem von Kartoffeln und Möhren - und so schlimm finde ich das auch nicht.
Immer, wenn ich mir so etwas vorstelle, überkommt mich gleichzeitig aber auch eine große Dankbarkeit, dass ich jetzt schon seit so langer Zeit in meinem bisherigen Luxus leben konnte, das hat sich doch alles schon gewaltig gelohnt. Wie schade wäre es gewesen, wenn ich mich aus Sorge, den Luxus nicht halten zu können, immer nur beschieden hätte? Was für ein vergeudetes Leben.
Ich finde, das Leben ist wie ein Mensch-ärger-dich-nicht-Spiel, es kann immer mal passieren, dass man rausgeworfen wird, kein Grund, sich aufzuregen. Aber bloß, um das Risiko, rausgeworfen zu werden, zu minimieren, laufe ich doch nicht freiwillig lieber hinter den anderen her, weil mir da weniger passieren kann.
Genau zu dem Bild meinte meine Tochter, doch, sie wäre lieber immer nur bei den Verfolgern, dann müsste sie sich nur kurz vor Schluss einmal anstrengen und könnte dann ja noch überholen, hätte aber vorher deutlich weniger Stress.
Wenn sie Erster wäre, würde sie das enorm stressen, weil sie dann ja von allen gejagt würde und deshalb auch viel eher rausgeworfen werden könnte.
Mich fasziniert das sehr, denn diese Grundeinstellung kann sie weder von ihrem Vater noch von mir geerbt haben und beigebracht haben wir ihr das auch alle beide ganz sicher nicht. Die Mendelsche Erblehre geht manchmal seltsame Wege
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