anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Donnerstag, 22. Januar 2026
Entstehungsgeschichte und Gedanken zum Bloggen
Felix hat mein Blog verlinkt, weil er sich über Blogger freut, die täglich etwas schreiben.

Für mich Anlass, meine eigene Bloghistorie einmal nachzuschlagen und ich habe dabei festgestellt, dass auf diesem Blog seit dem 9.10.2015 jeden Tag ein Beitrag erschienen ist. Wenn man das als Serie durchnummeriert, dann sind das bis heute immerhin 3.758 Beiträge ohne Unterbrechung.

Dabei habe ich mich insgesamt 25 mal vertreten lassen, das erste Mal am 26.12.2016, weil da die Serie für das Blog schon über ein Jahr gehalten hatte und ich sie nicht reißen lassen wollte, aber offensichtlich mehr getrunken hatte, als es einem halbwegs akzeptablen Blogbeitrag zuträglich gewesen wäre. Deshalb bat ich J einen Beitrag als Blogvertretung für mich zu schreiben.

Im Jahr 2019 schenkte mir N zu Weihnachten fertig geschriebene Texte, in denen er medizinische Themen erklärt, damit ich sie als Joker auf dem Blog veröffentlichen kann. Den ersten habe ich dann sofort am 26.12. eingesetzt, der zweite Weihnachtstag scheint für mich traditionell mit zuviel Alkohol verbunden zu sein....

An den restlichen 3.733 Tagen habe ich den täglichen Beitrag selber geschrieben, knapp 500 davon habe ich in die Kategorie "quick`n dirty" einsortiert, weil ich sie wirklich in sehr kurzer Zeit einfach nur runtergetippt habe, um einen Beitrag zu veröffentlichen.

Grundsätzlich habe ich den Ehrgeiz, jeden Tag einen Beitrag einzustellen, damit das rechts eingeblendete Archiv keine schwarzen=beitragslosen Tage enthält. Diesen Ehrgeiz habe ich nicht immer halten können, da ich meine Beiträge üblicherweise abends als Tageszusammenfassung schreibe und es gab Tage, da war es plötzlich nach 0 Uhr und damit zu spät, um im Archiv noch als Beitrag des Vortages zu gelten. Ich habe meinen Tagesbeitrag dann zwar irgendwann kurz nach Mitternacht hochgeladen und am Abend desselben Tages dann noch einen für den abgelaufenen Tag, wenn man also das Blog immer erst am Morgen liest, merkt man es nicht, aber wenn man sich rückwärts durchs Archiv klickt, sieht man an den schwarzen Tagen, wann ich die Mitternachtslinie gerissen habe.

Rein theoretisch könnte ich es ja auch so machen wie zB die Kaltmamsell, dass ich meinen täglich Blogpost nicht als letztes am Abend hochlade, sondern immer erst am nächsten Morgen, dann wäre ich das Mitternachtsproblem ein für allemal los.
Aber das geht nicht, da es meinem Biorhythmus derart entgegenläuft, dass es völlig ausgeschlossen ist.
Morgens bin ich grundsätzlich zu gar nichts in der Lage, außer schlechter Laune zu haben, wenn ich Dinge tun muss. Morgens kann ich Texte lesen, aber nicht schreiben. Und deshalb werde ich eben weiter mit der Mitternachtsproblematik leben müssen.


Den Vorsatz, wirklich jeden Tag einen Beitrag auf diesem Blog zu veröffentlichen, habe ich gefasst, nach dem dieses Blog schon zweieinhalb Jahre bestand und ich etwas suchte, was mich dazu brachte, meine angefangenen Texte fertigzuschreiben.

Denn in den ersten zweieinhalb Jahren dieses Blogs hatte ich exakt 33 Beiträge veröffentlicht, davon vier in 2013 und sechs in 2014. In 2015 bis Oktober dann immerhin schon 23 und ich merkte, wie sehr es mir gefällt, meine allgemeinen Gedanken schriftlich zu sortieren, wie hoch ich aber auch meine Ansprüche setzte, bis mir ein Text gut genug war, um ihn zu veröffentlichen.

Irgendwo las ich damals ein Interview mit einem Künstler, der sagte, er würde jeden Tag einen Text schreiben, 364 davon wären nicht gut, aber der eine 365ste, der wäre super, nur hätte er den nie geschrieben, wenn er die anderen 364 nicht auch geschrieben hätte.

Durch den selbst auferlegten Zwang, jeden Tag etwas abliefern zu müssen, egal was, Hauptsache irgendetwas, gelänge es ihm, seine eingebaute, eigene, oberkritische Qualitätskontrolle zu überwinden, die ansonsten so kritisch wäre, dass sie auch gute Texte gnadenlos verrisse.

Ich fand das eine ausgesprochen nachvollziehbare Begründung und deshalb kam ich auf die Idee, dass ich mich mit meinem Blog auch einfach selber zwinge, jeden Tag einen Text abzuliefern, egal was, Hauptsache da steht irgendwas.

Nun bin ich kein Künstler und habe exakt gar keine Absicht, Texte zu schreiben, die anderen gefallen. Ich möchte aber gerne Texte schreiben, die mir gefallen, weil ich durch das Schreiben Dinge begreife, erkenne oder erst dadurch umfassend von allen Seite betrachte und versuche zu beurteilen. Ich sortiere meine Gedanken also am einfachsten durch Schreiben - und das finde ich nicht nur praktisch, es fühlt sich auch gut an.

Und damit ich mich nicht selber beschummele (denn ich neige sehr zum Schummeln), muss es ein Blog im Internet sein, das die gebloggten Texte fein säuberlich zählt, archiviert und kontrollierbar macht.

Weil ich deshalb aber ganz vorsätzlich und bewusst das allgemeine, tägliche Alltags-Qualitätsniveau meiner Texte gesenkt habe, hatte ich nie ein Interesse daran, mein Blog vorsätzlich bekannt zu machen. Ich schreibe vor allem, damit ich schreibe und nicht, damit andere es lesen. Deshalb habe ich dieses Blog noch nie bei einem "Blogportal" wie uberblogger oder webring oder was es da alles gibt, angemeldet und ich verteile den Link zu den täglichen Beiträgen auch nicht bei Twitter, Mastodon oder Bluesky. Ich selber gebe mir also keine aktive Mühe, die Blogtexte weiter zu verteilen.

Dass andere es lesen stört mich allerdings auch nicht und ich freue mich sogar, wenn es Menschen gibt, die meinen Kram interessant finden und ich freue mich auch, wenn andere Blogger meinen Blog in ihrer Linkliste haben, aber ich würde exakt genau das gleiche schreibe, wenn es niemand läse.

Heute, nach über 10 Jahren täglichen Blogschreibens, hat sich meine Absicht des Bloggens etwas verändert. Heute schreibe ich meine täglichen Texte in erster Linie immer noch für mich, aber auch für meine Familie und meine Freunde, weil es eine unaufdringliche Art ist, sie an meinem Leben teilhaben zu lassen, ohne dass ich mit jedem einzelnen ständig telefonieren muss und ohne dass ich alles, was ich erzählenswert finde, mehrfach erzählen muss.

Ich mag es, wenn ich in einem Blogtext schreibe, dass der Galabauer viel teurer wird als erwartet und kurze Zeit später im Messenger eine Nachricht aufploppt: Was kostet Gala denn nun?

Und außerdem weiß ich nach über 10 Jahren täglichen Bloggens auch die Nachschlagfunktion des Blogs zu schätzen. Alleine deshalb würde ich diese inzwischen absolut feste Routine nur sehr ungern aufgeben.

Was ich übrigens auch sehr mag, ist die blogger.de Plattform. Ich habe ja zwischendurch überlegt, ob ich mit dem Blog nicht umziehe und mir eine "modernere" Blogumgebung suche, aber nachdem ich noch mal ausführlicher darüber nachgedacht habe, bin ich höchstzufrieden hier, denn es funktioniert alles immer noch so, wie ich es seit 20 Jahren kenne (den allerersten Blog hatte ich hier 2006, den ich nach ein paar Jahren dann allerdings gelöscht habe), warum also sollte ich dann etwas ändern, wenn ich doch selber sage, ich schreibe in erster Linie für mich?

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