anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Sonntag, 4. Januar 2026
Von gesagten und nicht gesagten Wörtern und Sätzen
Gestern Abend, kurz vorm Lichtausmachen, fragte mich mein Westfalenmann, ob ich wüsste, was ein Pilaster sei.
Ich fragte zurück, in welchem Zusammenhang, er sagte, in keinem, ihm sei das Wort eben einfach so eingefallen und er wüsse selber nicht genau, was es bedeutet, deshab frage er ja.

Ich staunte ein wenig, weil ich sonst nur die umgekehrte Variante kenne, nämlich dass man nach einem konkreten Begriff sucht, von dem man nur weiß, was er bedeuten soll und nur eine grobe Definition hat. Diese Richtung des Suchens macht mich immer ganz hibbelig, weil, wie findet man etwas, von dem man nicht weiß, wie es heißt?

Dass einem dagegen einfach so, out of the blue, ein Wort einfällt, von dem man nicht weiß, was es bedeutet, das fand ich zumindest bemerkenswert.
Die passende Definition dafür zu finden ist dann natürlich ganz leicht, man schaut bei Wikipedia nach und selbstverständlich wird da genau erklärt, was Pilaster sind.

Es sind Reliefpfeiler, ein Wort, was hauptsächlich als Palindrom bekannt ist.

Was ein Palindrom ist, wusste ich ohne nachzuschlagen und spontan fiel mir der Satz mit dem verbotenen N-Wort ein, der endet mit "zagt im Regen nie" und ich fragte mich, ob man den heute noch als Beispielssatz für ein Satz-Palindrom benutzen darf ohne Gefahr zu laufen, schief angesehen zu werden?

Ich meine, ich benutze all diese heute verpönten Wörter genauso wie ich vor 50 Jahren auch die damals verpönten Wörter benutzt habe, denn es gab ja schon immer Wörter, die man nicht aussprechen durfte, ohne dass man bei empfindlichen Gemütern Empörung erzeugte.
Und genau wie ich es vor 50 Jahren mit Wörter wie Sex*, Vögeln*, Arschloch* und Scheiße* gemacht habe, mache ich es auch mit den heute verpönten Wörtern: Ich benutze sie nur in einem Safe-Space, d.h. also wenn ich sicher bin, dass keine zartbesaiteten Anstandsdamen in der Nähe sind, die sich darüber nur wieder gewaltig aufregen und anschließenden Tiraden über - vor 50 Jahren: die verkommene Jugend - , oder heute: die respektlosen Boomer vom Stapel lassen.

*ich glaube, diese Wörter sind heute alle wieder gesellschaftsfähig, oder? Zumindest nimmt heute niemand mehr Rücksicht auf die Ohren von anständigen Fräuleins, heute nimmt man Rücksicht auf besonders empathische Mitmenschen, deshalb werde ich natürlich den Teufel tun und den Satz mit dem bösen N-Wort hier öffentlich aufschreiben. Mit der aktuell akzeptierten Bezeichnung ist allerdings das Palindrom dahin, manche Opfer muss man eben bringen, wenn man nicht unangenehm auffallen will.

Ehrlich gesagt, habe ich ein bisschen den Überblick darüber verloren, wen man heute mit Vorsatz und absichtlich beleidigen darf und wen noch nicht mal in Abwesenheit und ohne jede Beleidigungsabsicht, weil ich das mit dem Rassismus noch nicht so richtig kapiert habe.

Rassismus ist doch, wenn man Menschen, die einer anderen Ethnie angehören, bösartig ausgrenzt und verbal niedermacht, oder?

Was sagen die Kölner denn heute zu den Düsseldorfern - und umgekehrt? Oder die Schalker zu den Borussen?
Und dürfen die Borkumer die Holländer noch Muffköppe nennen und die Festländer Europäer oder gibt es dafür auch längst rassistisch korrekte, andere Begriffe?
Und was ist mit meinem Westfalenmann? Ich meine, wie soll ich den nennen, um ihn mit einem Wort zu beschreiben? Denn selbstverständlich bin ich mir meiner rassistischen Ausgrenzung ihm gegenüber bewusst, aber nun, er ist halt Westfale.
Ich habe ihn aber trotzdem lieb
.

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