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Dienstag, 1. April 2025
Über Fächer
kjfalf, 22:22h
Da ich gebeten wurde, heute hier einen Text zu verfassen, aber leider keinen Geisteblitz hatte worüber, gibt es ein besonderes Konzept: Einer der zig geschriebenen, aber unveröffentlichten Texte meiner Mutter wird von mir kommentiert.
Eine Art nicht-öffentlicher Pre Print
Der Text handelt von Schulfächern.
Schon immer war meine Mutter sehr begeistert davon, dass sie Physik und Chemie abgewählt hat. Ich glaube, das ist mit eine ihrer Lieblingsgeschichten.
Meine Vermutung ist ja, dass sich die Geschichte irgendwie verselbstständigt hat. Wenn man nämlich versucht, ihr Dinge zu erklären, die genau so eindeutig und logisch sind wie die Mathematik, die sie so liebt, dann stößt man nur auf polterndes Unverständnis.
Wobei, das war schon immer einer ihrer Lieblingssätze: "Brauch ich nicht! Kenn ich nicht! Will ich nicht!". Das hab ich sie bestimmt hundertmal sagen hören (vielleicht auch, weil sie mich damit nachgemacht hat).
Ich dagegen habe Chemie abgewählt, weil ich es verstanden habe.
Unsere Gründe sind also im Prinzip die gleichen, aber ich kann mit einem wohligen Gefühl der Überlegenheit sagen, dass ich mir das erarbeitet habe.
Was ich dagegen schon früh in der Schule abgewählt habe war Kunst und Musik. Das geht schon in der 5. Klasse, wissen die meisten nur nicht (Schulbehörde inklusive). Aber doch, wirklich, das geht, man muss es nur konsequent durchziehen. Irgendwann werden sie mürbe und lassen einen in Ruhe.
Warum Kunst und Musik, zwei Themen, deren unbestritten einziger (!) Sinn und Zweck ist, Freude zu bereiten, Pflichtfächer sind hat sich mir nie erschlossen.
Ich bin definitiv dafür, dass man die Option hat das zu lernen, wenn man will. Aber warum es Pflicht ist erschließt sich mir nicht.
Ein Gegenargument, was ich da mal gehört habe, ist: "Die Kinder wissen doch gar nicht ob ihnen das Spaß macht!"
Was natürlich doppelt überzeugt, weil 1. sollte man Leute zu ihrem Glück zwingen und 2. kann man sowas nur nach 7-8 Jahren Zwang herausfinden. Is klar.
Ein anderes Fach, was mich persönlich nie überzeugt hat, ist Latein.
Meine Mutter schwört ja auf Latein.
Sie behauptet steif und fest, dass man andere Sprachen viel besser lernen kann, wenn man Latein erstmal als Grundlage gelernt hat. Spanisch, Italienisch, Französisch - alles viel leichter.
Wieso nicht stattdessen direkt Französisch lernen und das dann als Grundlage für die anderen Sprachen verwenden und sich die Zeit mit Latein sparen?
Außerdem habe ich ja Latein nur über meine Englischkenntnisse mühsam bestanden - vielleicht liegt das ja darin, dass in Englisch noch französische Überreste enthalten sind...
Zu Geschichte und Erdkunde verliert meine Mutter auch noch ein paar Sätze. Sie kritisiert die "Auswendiglernerei".
Das finde ich interessant, ich habe diese Fächer nie als auswendig-lernen empfunden.
Viel eher waren Geschichte, Politik, Erdkunde, Religion und auch Deutsch am Ende im Prinzip das selbe Fach:
Lies einen Text, fass ihn gut zusammen, erkläre die Argumente und nimm kritisch Stellung.
Immer wurden die gleichen Softskills abgefragt - Textverständnis, Kontextualisierung und Kritischer Blick. Jedes Fach hatte natürlich seinen eigenen Flavour, aber das bisschen Wissen eignet man sich nebenbei an und darauf kam es auch nie an.
Ich kann das deshalb mit so einer Gewissheit sagen, weil ich nachweislich das Spiel "Schule" am Ende besiegt habe. Seltsamerweise scheinen aber selbst einige Lehrer nicht in der Lage zu sein, ihre eigene Position dahingehend kritisch zu reflektieren:
In einem Essay, den ich im "Seminarfach" (Erfindung des niedersächischen Abiturs) zu exakt diesem Standpunkt verfasst habe, hat die beleidigte Deutsch und Geschichte Lehrerin folgende Anmerkung hinterlassen: "Nein. 5 Punkte"
Eine Art nicht-öffentlicher Pre Print
Der Text handelt von Schulfächern.
Schon immer war meine Mutter sehr begeistert davon, dass sie Physik und Chemie abgewählt hat. Ich glaube, das ist mit eine ihrer Lieblingsgeschichten.
Meine Vermutung ist ja, dass sich die Geschichte irgendwie verselbstständigt hat. Wenn man nämlich versucht, ihr Dinge zu erklären, die genau so eindeutig und logisch sind wie die Mathematik, die sie so liebt, dann stößt man nur auf polterndes Unverständnis.
Wobei, das war schon immer einer ihrer Lieblingssätze: "Brauch ich nicht! Kenn ich nicht! Will ich nicht!". Das hab ich sie bestimmt hundertmal sagen hören (vielleicht auch, weil sie mich damit nachgemacht hat).
Ich dagegen habe Chemie abgewählt, weil ich es verstanden habe.
Unsere Gründe sind also im Prinzip die gleichen, aber ich kann mit einem wohligen Gefühl der Überlegenheit sagen, dass ich mir das erarbeitet habe.
Was ich dagegen schon früh in der Schule abgewählt habe war Kunst und Musik. Das geht schon in der 5. Klasse, wissen die meisten nur nicht (Schulbehörde inklusive). Aber doch, wirklich, das geht, man muss es nur konsequent durchziehen. Irgendwann werden sie mürbe und lassen einen in Ruhe.
Warum Kunst und Musik, zwei Themen, deren unbestritten einziger (!) Sinn und Zweck ist, Freude zu bereiten, Pflichtfächer sind hat sich mir nie erschlossen.
Ich bin definitiv dafür, dass man die Option hat das zu lernen, wenn man will. Aber warum es Pflicht ist erschließt sich mir nicht.
Ein Gegenargument, was ich da mal gehört habe, ist: "Die Kinder wissen doch gar nicht ob ihnen das Spaß macht!"
Was natürlich doppelt überzeugt, weil 1. sollte man Leute zu ihrem Glück zwingen und 2. kann man sowas nur nach 7-8 Jahren Zwang herausfinden. Is klar.
Ein anderes Fach, was mich persönlich nie überzeugt hat, ist Latein.
Meine Mutter schwört ja auf Latein.
Sie behauptet steif und fest, dass man andere Sprachen viel besser lernen kann, wenn man Latein erstmal als Grundlage gelernt hat. Spanisch, Italienisch, Französisch - alles viel leichter.
Wieso nicht stattdessen direkt Französisch lernen und das dann als Grundlage für die anderen Sprachen verwenden und sich die Zeit mit Latein sparen?
Außerdem habe ich ja Latein nur über meine Englischkenntnisse mühsam bestanden - vielleicht liegt das ja darin, dass in Englisch noch französische Überreste enthalten sind...
Zu Geschichte und Erdkunde verliert meine Mutter auch noch ein paar Sätze. Sie kritisiert die "Auswendiglernerei".
Das finde ich interessant, ich habe diese Fächer nie als auswendig-lernen empfunden.
Viel eher waren Geschichte, Politik, Erdkunde, Religion und auch Deutsch am Ende im Prinzip das selbe Fach:
Lies einen Text, fass ihn gut zusammen, erkläre die Argumente und nimm kritisch Stellung.
Immer wurden die gleichen Softskills abgefragt - Textverständnis, Kontextualisierung und Kritischer Blick. Jedes Fach hatte natürlich seinen eigenen Flavour, aber das bisschen Wissen eignet man sich nebenbei an und darauf kam es auch nie an.
Ich kann das deshalb mit so einer Gewissheit sagen, weil ich nachweislich das Spiel "Schule" am Ende besiegt habe. Seltsamerweise scheinen aber selbst einige Lehrer nicht in der Lage zu sein, ihre eigene Position dahingehend kritisch zu reflektieren:
In einem Essay, den ich im "Seminarfach" (Erfindung des niedersächischen Abiturs) zu exakt diesem Standpunkt verfasst habe, hat die beleidigte Deutsch und Geschichte Lehrerin folgende Anmerkung hinterlassen: "Nein. 5 Punkte"
158 x anjeklickt (3 mal hat hier schon jemand geantwortet) ... ¿selber was sagen?
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