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Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Freitag, 1. November 2019
Die Ehefrau
Franz hat eine Ehefrau.

Eine richtig echte, so mit Standesamt, Namensänderung, Ehering und Splittingvorteil.
D.h. das mit dem Ehering hatte sich nach ca. 15 Jahren Ehe erledigt. Als Franz feststellte, dass seine Ehefrau ihren Ehering nicht mehr trug, hat er seinen auch in die Schublade gelegt und war’s zufrieden. Er fand einen Ring an der Hand eh immer unpraktisch und wenn sie ihren auch nicht mehr trägt, dann darf er das sicher auch. Über die abgelegten Eheringe haben die beiden nie gesprochen.

Überhaupt haben die beiden im Laufe der Jahre immer weniger miteinander gesprochen. Gab ja auch nicht mehr so viel zu reden. Nach dem die Kinder geboren waren, die natürlich ordnungsgemäß von ihrer Fulltime-Mutter versorgt und gepflegt wurden, waren die Rollen klar verteilt, jeder lebte sein Leben und war sehr bemüht seine Pflichten zu erfüllen.
Franz war für’s Geld verdienen zuständig und seine Ehefrau für den Haushalt. Sie wollten beide unbedingt eine zufriedene kleine Familie sein, in der es keine großen Probleme gab.

Am leichtesten vermeidet man Probleme, wenn man nicht darüber spricht, dass man mit irgendetwas unzufrieden ist. Franz Ehefrau hat sich zwar noch ab und zu beschwert, dass er ihr zu wenig im Haushalt hilft, dass der große Haushalt so entsetzlich viel Arbeit ist und sie es eigentlich kaum alleine schafft. Franz hat daraufhin alle Haushaltspflichten außerhalb des Hauses fest übernommen (also Einkaufen, Gartenarbeit und Autos waschen und tanken.) Innerhalb des Hauses war er aber keine sinnvolle Unterstützung, da er ihr entweder alles durcheinanderbrachte, was sie nach einem genauen System organisiert hatte oder nicht gründlich genug war. Deshalb blieben die gesamte Küchenarbeit und alle Putzereien komplett an ihr hängen.

Franz selber hat sich dagegen nie beschwert. Er hat einfach aufgehört zu reden und sich aufs Zuhören spezialisiert. Wenn man sich am Wochenende als Familie traf, dann erzählten Frau und Kinder aus ihrem Alltag und Franz stellte Fragen und hörte zu.
Streit gab es höchstens mal wegen oder mit den Kindern. Besonders der Älteste war schwierig. Er hatte seinen eigenen Kopf und machte eigentlich selten, was man ihm sagte oder was von ihm erwartet wurde.
Der Jüngere dagegen war ein echter Sonnenschein, absolut Mamas Liebling und aufgrund seiner höflichen Zurückhaltung auch selten auffällig oder ein Ärgernis.
So gingen die Jahre ins Land, und nach dem die Kinderplanung und -herstellung erfolgreich abgeschlossen war, gab es auch keinen Grund mehr, sich auf diesem Gebiet noch unnötig weiter zu kompromittieren. Man schlief zwar nach wie vor gemeinsam im Ehebett, hier aber schicklich beschützt von (von der Ehefrau sorgfältig gebügelten) Schlafanzügen, und jeder hielt sich an die Regeln, die für ein glückliches Familienleben nötig sind.

Das hätte jetzt bis dass der Tod sie scheidet so weitergehen können, wenn Franz nicht ab und zu irgendwelche unschicklichen Bilder durch den Kopf gegangen wären und er sich mit Mitte 30 auch einfach noch zu jung fühlte, mit diesem Thema für immer abzuschließen.
Dabei war das biologisch einfach nicht mehr notwendig. Zwei Kinder sind absolut genug und mehr hätte die Ehefrau auch gar nicht bewältigen können, sie kam ja so schon vor lauter Familien- und Hausarbeit kaum rum. Dazu noch einen Ehemann, der nur auf sein Vergnügen aus ist, ne wirklich, das ist ja wohl mehr als verständlich, dass dafür keine Kapazitäten mehr frei waren.
Überhaupt hatte er viel zu wenig Verständnis für ihren aufopferungsvollen Dauerstressjob als Hausfrau und Mutter.
Den Begriff "mental load" hatten die Frauenrechtler damals noch nicht entdeckt, aber mehr beladen als sie es war, ging kaum. Denn Franz war vor allem deshalb eine Belastung, weil er ihre immense Arbeit weder wahrnahm, noch sinnvoll unterstützte oder geschweige denn würdigte. Um alles musste sie sich alleine Kümmern, an alles denken, alles organisieren und natürlich alles immer wieder saubermachen.
Franz hatte immer nur seinen Spaß im Kopf, er wollte am Wochenende Dinge unternehmen, dabei war das Haus noch nicht fertig geputzt, die Wäsche noch nicht gebügelt und der Garten nicht poliert.

Wenn er sich um die Kinder kümmerte, kaufte er ihnen fettige Pommes oder ungesunde Pizza und zerstörte damit die gesamte sorgfältig ausgewogen überdachte Ernährungsplanung. Überhaupt machte er es sich immer nur leicht. Er kaufte fast food und sie musste kochen. Dabei hasste sie kochen, aber was sollte sie machen? Er interessierte sich ja nicht.
Seine offensichtliche Interesselosigkeit an ihrem Leben und ihren Problemen machte ihr das Leben täglich schwerer. Er dagegen vergnügte sich ganz offensichtlich, nahm einen Job nach dem anderen an, begann seltsame Hobbys, war kaum noch zu Hause und wenn, dann machte er Dreck und Unordnung.

Als die Kinder groß war, kam er eines Abends nach Hause, packte seine Anziehsachen und die meisten Akten aus seinem Büro in sein Auto und sagte: "Tschüss, ich ziehe aus."
Das war's. Er ließ sie einfach alleine zurück, mit dem ganzen großen Haus und der Unmenge an Arbeit, die dieses Haus macht und verschwand. Ohne Erklärung, ohne Gespräch.
Okay, er zahlte dafür Geld. Viel Geld. Er zahlte ihr dafür viel mehr Geld als sie je selber hätte verdienen können, auch wenn sie nie geheiratet und Kinder bekommen hätte, sondern einfach in ihrem Job weiter gearbeitet hätte, hätte sie selber nie so viel Geld verdienen können. Aber das war ja wohl auch das mindeste, schließlich hat er sie verlassen und nicht umgekehrt.

Franz wohnt jetzt bei seiner Freundin, mittlerweile schon seit über zehn Jahren, aber das ist auch alles, was sich verändert hat. Sie hat immer noch die viele Arbeit, die sie kaum schaffen kann, mittlerweile sind auch die Kinder weg und haben sie im Stich gelassen, aber immerhin ist sie noch die Ehefrau.

Die richtig offiziell, staatlich angetraute Ehefrau.

Mehr haben die zwei bis heute nicht darüber geredet. Er wohnt halt nicht mehr zuhause, aber nun ja, immerhin macht er ihr dann auch keinen extra Dreck, muss man auch mal positiv sehen.
Sonst hat sich nichts geändert. Wenn sie mit irgendwelchen sonstigen Dingen Probleme hat, weil die Waschmaschine nicht mehr funktioniert, der Gärtner nicht ordentlich arbeitet, die Heizung Geräusche macht oder das Schlafzimmer neu gestrichen werden soll, dann ruft sie ihn an und er kümmert sich.
Er kümmert sich um alles, um dass sich ein ordentlicher Ehemann kümmern muss, sie kann es schließlich nicht alleine, was soll er auch tun. Er kümmert sich um die komplette Haustechnik, richtet ihr einen Computer ein, kauft ihr ein Smartphone und sorgt dafür, dass alles regelmäßig upgedatet wird, weil, sie kann es ja nicht und einmal im Monat fängt sie ihn ab, wenn er seine Post abholen will und dann bleibt er ein paar Stunden, damit sie ihm ausführlich von ihren Sorgen und Problemen erzählen kann.

Seit über zehn Jahren.

Außerdem erscheint er regelmäßig zu Familienfeiern, natürlich alleine, weil die Freundin, die will seine Frau nicht dabei haben, wo kommen wir denn da hin, das Flittchen, das er nur braucht, weil Männer halt seltsame Bedürfnisse haben.

Seit über zehn Jahren.

Mittlerweile leben beide Kinder in einer festen Beziehung, die Familienfeiern werden also immer größer, jetzt sind sie schon zu sechst, eine richtig große, glückliche Familie. Es wird deshalb aber auch immer komplizierter einen Termin zu finden, an dem alle Zeit haben, Franz hat dafür natürlich Verständnis und opfert gerne ein langes Wochenende, an dem er sonst zwar mit der Freundin weggefahren wäre, weil sie an langen Wochenenden immer wegfahren, aber wenn seine Frau doch sonst keinen Termin findet für ihre Familienfeier, was soll er machen. Er hat schließlich sie verlassen, da muss er jetzt Rücksicht nehmen.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie in noch mal zehn Jahren immer noch so weiter, nur Franz, der muss sich zwischendurch eine neue Freundin suchen, weil die alte, die hatte irgendwann einfach keine Lust mehr als illegitimes Verhältnis immer wieder ausgeladen zu sein
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Mittwoch, 7. Juni 2017
Störche
Eben flog ein Storch an meinem Bürofenster vorbei.
Auch wenn mein Büro in direkter Nähe zu den Rieselfeldern liegt, wo verschiedene Storchenpaare im Sommer wohnen, so habe ich in den letzten neun Jahren hier doch noch nie einen Storch vor meinem Bürofenster vorbeifliegen sehen. Immerhin sitze ich in der vierten Etage und Frösche gibt es vor meinem Fenster auch eher wenig, so dass es entweder ein sehr neugieriger Storch gewesen sein muss, der hier vorbeiflog, oder ihm war entsetzlich langweilig.
Das bringt mich zu der Frage, ob Störchen überhaupt langweilig sein kann?
Man weiß ja nicht sehr viel über Störche - oder ich zumindest weiß nicht viel von ihnen, stelle ich grade fest, wo ich so über Störche nachdenke.
Zugvögel sind sie, (wahrscheinlich überwintern sie in Afrika, weil das irgendwie alle Zugvögel machen, die ich kenne), und sie wohnen wenn möglich immer im selben Nest, das sie Horst nennen und sind deshalb quasi "automatisch" auch beziehungsfest bzw. monogam. "Nächstes Jahr am selben Tag Ort" ist wahrscheinlich der Gruß, mit dem sie sich nach Aufzucht der Jungen im Herbst verabschieden und gen Süden starten. Bei der Rückkehr sind die Männer üblicherweise schon etwas vorher da, können so also schon mal Klarschiff machen und den Horst aufräumen und wenn alles schön gerichtet ist, dann kommt die Storchenfrau dazu. Schwierig wird es, wenn ein Storch zu seinem Horst kommt und dann sitzt da schon so ein Jungspund, der meint, er könne sich ins gemachte (Alt)Nest setzen. Dann gibt es richtig Zoppes zwischen den beiden Storchenjungs - und wer gewinnt bekommt nicht nur den Horst, sondern auch die dazugehörende Storchenfrau.
Das weiß ich alles, weil früher auf Borkum, auf der Heimlichen Liebe, auch immer ein Storchennest war (heute haben sie es aus Plastik nachgebaut, weil die echten Störche irgendwann nicht mehr kamen), mir deshalb schon früh viel über Störche erzählt wurde und ich mir diesen Teil der Geschichte gemerkt habe. Ich fand die Störchinnen schon immer echt klug, erst dann nach Hause zu kommen, wenn alles geputzt ist und mehr Wert auf das Haus als auf den Typ zu legen, das hat mich schon damals nachhaltig beeindruckt. Sehr pragmatisch, diese Storchenfrauen.
Aber sonst weiß ich eigentlich nichts über Störche.
Ich gehe davon aus, dass sie außer Fröschen auch noch was anderes fressen, aber was genau und wie sie es fangen, könnte ich jetzt (ohne bei Wikipedia zu lunkern) nicht sagen.

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Jetzt habe ich bei Wikipedia nachgelesen, aber viel Spannendes war nicht dabei.
Außer, dass Weißstörche (und diese Sorte Storch ist es, die sich hier in der Gegend rumtreibt) Fleischfresser sind.

Fleischfresser. Das hört sich ja richtig kannibalisch an (oder heißt das kannibalistisch? Balistisch ist ja auch irgendwie todbringend). Wie ist man denn bloß auf den Gedanken gekommen, dass ausgerechnet die fleischfressenden Störche die Babys bringen? Sehr seltsam.
Fleischfresser haben dagegen eher mal Langeweile als reine Insekten- oder Körnerfresser, einfach weil Fleischstücke meist etwas größer sind und sie, wenn sie etwas gefangen haben, dann auf einen Satz mehr Futter bekommen als die armen Körnerfresser, die ständig nur mit Fressen beschäftigt sind.

Könnte also sein, dass dem Storch vorm Fenster langweilig war. Oder er hat einen Verdauungsflug gemacht und dabei mal geschaut, was bei den Menschen so los ist, das wäre dann eher Team Neugier.

Immerhin weiß ich jetzt eine Menge mehr über Störche, Wikipedia sei Dank, und was den nächsten Urlaub angeht überlege ich jetzt ernsthaft, ob ich meinen Westfalenmann nicht schon mal ein paar Tage vor der Rückkehr nach Hause schicke, damit er alles vorbereitet und vor allem sicherheitshalber schon mal sein Haus besetzt
:-)

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Montag, 22. Mai 2017
Draußen ist nur von drinnen schön
Draußen ist nur von drinnen schön.

Dieser Satz kam heute in meinem Panikherzhörbuch, das ich immer noch nicht zu Ende gehört habe, vor und ich habe den ganzen Tag auf diesem Satz herumgekaut, weil er mich so fasziniert hat.

Ich bin noch nie ein echter "Draußenmensch" gewesen, insofern spricht mir dieser Satz schon deswegen komplett aus der Seele, aber auch im übertragenen Sinn finde ich viel Wahres an diesem Aphorismus. Draußen=Freiheit=Abenteuer=wildes Leben. Träumt man von, klar, wer nicht. Aus der Sicherheit der eigenen, gefestigten Umstände ausbrechen.
Ich war noch niemals in New York.....-
Um am Ende des Traums brav wieder zurück in die geheizte Wohnung zu den bekannten Menschen zu gehen, denn tatsächlich richtig draußen, ohne die Möglichkeit bei Bedarf auch jederzeit wieder rein zu gehen, das ist dann doch nicht mehr so schön.

Wie oft habe ich mich gedanklich schon weit weg geträumt, raus aus allem, frei, keine Zwänge, keine Rechenschaften, keine Verantwortung, keine Erwartungen, sich einfach vom Wind treiben lassen, um dann - ja wohin eigentlich? Letzten Endes ja doch wieder irgendwo rein zu gehen
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Dienstag, 7. Februar 2017
Was schön wär
"Was schön wär" ist auch eine interessante Blogrubrik, die habe ich grade durch einen Tipper erfunden und beschlossen, sie auf alle Fälle zu behalten.
Heute wäre nämlich eine Menge schön gewesen, d.h. es hätte eine Menge schön sein können, war nur leider nicht.
Was zB schön gewesen wäre, wäre ein iTunes Programm, was mal das täte, was ich gerne hätte, und nicht jedes Mal ein sicherlich sehr originelles und abwechslungsreiches, trotzdem aber enorm schwachsinniges Eigenleben entwickelt, wenn ich nichts anderes möchte als nur einen weiteren Titel zu meinem "anjehört-Album" hinzuzufügen.
Aber iTunes weigerte sich, mehr als 28 Titel in einem Album zusammenzufassen. Was unzweifelhaft idiotisch und vor allem sehr inkonsequent ist, denn in anderen Alben sind noch viel mehr als 28 Titel, aber genau für dieses Album lässt iTunes nicht mit sich reden. Wenn ich vorne einen Titel hinzufüge, schmeißt es mir hinten den letzten in der alphabetischen Reihenfolge raus. Wenn ich dem einen anderen Namen gebe und nicht mehr "You irgendwas" sondern "Du irgendwas" nenne und wieder hinzufüge, schmeißt es den dann alphabetisch letzten Titel raus. Hartnäckig und sinnlos, und auch nicht zu bestechen. Ich habe mir schließlich einen Titel, den ich eh nicht soo toll fand, ausgesucht, den in Zulu umbenannt, von iTunes rauswerfen lassen und dann gelöscht, aber man fragt sich schon, wer hier wem befiehlt, der Mensch der Maschine oder eher doch die iTunes Programmierer dem Rest der Welt, der blöd genug ist, ihre Produkt zu benutzen.
Das wär also schön - wenn es denn funktionierte.

Was dagegen gut funktionierte und auch tatsächlich große Begeisterung bei mir auslöste, ist eine neue Fotobearbeitungsapp, die ich entdeckt habe. Denn nein, natürlich habe ich mit über 100 Fotobearbeitungsapps noch lange nicht genug, schließlich sind nur wenige dabei, die mir wirklich gut gefallen. Diese eine neue namens Prisma gefällt mir aber tatsächlich ausnehmend gut.
Heute nach dem Abendessen saß ich mit meinem Handy noch am Tisch und habe damit rumgespielt. Testweise habe ich einfach mal ein Foto gemacht und dann ausprobiert, was die Prisma-App damit anstellen kann.

Sieht echt gut aus:


Das Originalfoto ist das in der Mitte, das andere sind von Prisma bearbeitete Versionen, von mir zusammengefügt zu der Collage: "Besteck an leerem Teller in neun Tonarten."

Ich hätte da auch noch ein Outtake aus dem Making of, falls es jemanden interessiert:


Aber tatsächlich war das das letzte Bild aus der Serie, aufgenommen nur, um zu dokumentieren, wie viel Kunst hier wirklich im Spiel ist
Punkt.

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Sonntag, 30. Oktober 2016
Zeitrückgabe
"Zeit ist Geld" sagte schon Benjamin Franklin - und mit fortschreitender Industrialisierung bekommt diese Aussage natürlich auch immer mehr Gewicht.

Meine Theorie ist ja, dass die Einführung der Sommerzeit nur ein supergeschickter Schachzug der Regierung ist, mit dem sie klammheimlich zusätzliche Steuern eingeführt hat, ohne dass es jemand bemerkt hat.
Denn jedes Jahr im Frühjahr müssen alle Bürger eine Stunde ihrer Zeit abgeben. Sie wird ihnen einfach weggenommen, per Regierungsbeschluss - schwupps, Zeitumstellung und alle haben eine Stunde Zeit hergegeben.
Zurück bekommt man sie erst im Herbst.

Hat mal jemand gefragt, was mit dieser Stunde in der Zwischenzeit passiert? Wo sie hingekommen ist? Wer sie benutzt?
Denn es ist ja nicht nur eine Stunde - es sind 82 Millionen Stunden, schließlich muss jeder Bürger der Bundesrepublik eine Stunde abgeben, das summiert sich dann plötzlich zu ganz schönen Summen.
82 Millionen Stunden sind 3,4 Millionen Tage oder 9.360 Jahre.
Wenn ich jetzt mal das deutsche Durchscnittseinkommen unterstelle, das liegt bei 32.643 € pro Jahr, dann sind das 305 Millionen Euro, die in dieser Zeit erarbeitet werden.
Okay, diese Zeit wird uns nur für ein halbes Jahr vorenthalten, aber auch die Hälfte ist noch immer ganz schön viel, über 150 Millionen Euro, und die sackt sich komplett der Staat ein, denn der nimmt uns ja die Stunde weg. Aber in keinem Etat, in keinem Bundeshaushalt, nirgendwo taucht diese Zahl als Einnahme wieder auf. Mich wundert, dass der Bund der Steuerzahler hier nicht schon lange eingegriffen hat und diese Praktik im Schwarzbuch der Steuertrickserei ganz oben erwähnt.

Ich habe ja immer das Gefühl, ich bin von dieser Zeitumstellung extra stark betroffen, denn ich habe nicht nur eine Uhr, ich habe richtig viele.
Ob man diese Stunde nun per Uhr oder pro Person hergibt, diesen Gedanken habe ich noch nicht fertig zu Ende gedacht, pro Uhr wäre es ja definitiv noch viel dramatischer, das mit der versteckten Steuereinnahme, meine ich. Auf alle Fälle fällt aber pro Uhr extra Arbeit für das Umstellen der Uhrzeit an, soviel ist mal fraglos klar.
Hier auf Borkum habe ich heute 22 Uhren umgestellt, die Armbanduhren sind dabei aber nicht mitgezählt, denn davon sind die meisten mechanisch und dann entfällt das mit dem Umstellen, weil sie sowieso ständig neu aufgezogen und gestellt werden müssen.



Was mir noch aufgefallen ist: Die Zeitrückgabe ist im Grunde gar nicht einstellbar, zumindest nicht so einfach wie die geklaute Stunde im Frühjahr, wo ich die Zeiger einfach nur eine Stunde nach vorne drehen muss, denn Zeiger rückwärtsdrehen ist ein echtes NoGo für eine analoge Uhr
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Samstag, 30. April 2016
Instabile Verbindung
Heute morgen 7h: Ich werde unaufgefordert wach und bin sofort hellwach. Versuche im selben Moment einen Traum, von dem ich das Gefühl habe, da könnte einer gewesen sein, festzuhalten und mich an den Inhalt zu erinnern. Gelingt mal wieder nicht. Wenn ich mich auf meine Erinnerungen beziehe, muss ich feststellen, dass ich so gut wie nie träume.
Schlafforscher haben herausgefunden, dass jeder Mensch träumt, dass es in jedem Schlaf Traumphasen gibt, also glaube ich fest daran, dass auch ich träume, es ist nur so, dass ich meine Träume nie zu fassen bekomme. Dabei bin ich so neugierig auf meine Träume, ich fände es entsetzlich spannend, zu wissen, was ich mir da so zurecht träume, aber ich komme einfach nicht dran.

Normalerweise ist es so, dass zwischen wach werden und wach sein bei mir meist über eine halbe Stunde Zeit vergeht. In der Zeit dämmere ich in einer Art Halbschlaf vor mich hin und nehme immer wieder neue Anläufe, zunächst mal die Augen zu öffnen. Augen öffnen ist das Schlimmste, wenn das geschafft ist, geht der Rest auch.
Dass ich mich sonst nicht an meine Träume erinnern kann, erkläre ich deshalb gern mit diesem langem Dämmerschlaf zwischen nicht mehr dort aber noch nicht hier.
In der Zeit verschwinden die Träume einfach, lösen sich auf, denn jeder weiß, dass man Träume nach dem Wachwerden sofort festhalten muss, wenn man sie in irgendeiner Form konservieren möchte.
Wenn ich es an normalen Tagen endlich geschafft habe, meine Augen zu öffnen, dann ist auch das Gefühl verschwunden, dass ich überhaupt etwas geträumt haben könnte. Das einzige Gefühl, was beim Augen öffnen noch da ist, ist eine übermächtige, alles verschlingende Müdigkeit, die so stark ist, dass sie jedes andere Gefühl gnadenlos wegdrückt. Kraft, Schwung oder Energie, um mich dann aktiv an einen Traum zu erinnern, habe ich dann ganz sicher nicht.
Normalerweise bleibt also von irgendeinem Traum wirklich überhaupt nichts übrig.

Heute habe ich nach dem Aufwachen aber auch sofort meine Augen aufgemacht und dann war da dieses diffuse Gefühl. Ein Gefühl, als ob ich eben noch irgendwo anders war, als ob eben noch irgendetwas spannendes passiert ist, aber in einem Leben, was neben meinem jetzigen Leben existiert. Und ich habe das Gefühl, dass es entsetzlich wichtig ist, dass ich weiß, wo ich eben war. Dass ich ein Wissen, dass ich dort habe, hier in dem anderen Leben auch unbedingt brauche und dass ich es irgendwie schaffen muss, es durch diesen Tunnel rüberzuretten.
Das Wort "VPN-Tunnel" wabert durch meinen Kopf, und die Überlegung, dass ich die Daten auf dem Server auch über den VPN-Tunnel nicht rüberholen kann, sondern nur ansehen, weil sie zu groß und zu dick für den kleinen, schmalen Tunnel sind. Aber ich muss sie wenigstens ansehen, das ist wichtig, doch die Verbindung bricht ständig zusammen.
WLAN taugt einfach nicht für eine stabile Verbindung. Ich muss mich dringend um eine LAN-Verbidnung zu meiner Traumwelt kümmern
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Donnerstag, 22. Oktober 2015
Kino
Kino in Ibbenbüren
Weißt du wie wir damals lachten,
uns're Träume selber machten?
Hier ist Zeit und Raum verwoben,
hat der Vorhang sich gehoben
hör ich noch denselben Klang
flüsternd wehen durch den Gang.
How the winds are laughing
They laugh with all their might
Love and laugh the whole day through
And half the summer's night
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