anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Samstag, 7. Oktober 2017
MWM#10
Heute ist Putz- und Waschtag und auch das Bett wird frisch bezogen. K., den ich verdonnert habe, mir dabei zu helfen, stopft rundrum das Laken fest und macht zweideutige Bemerkungen über saubere Laken, die man doch eigentlich möglichst schnell vollkleckern sollte.

Ich stopfe die Wäsche in die Maschine, räume im Schlafzimmer die verstreuten Klamotten auf, putze das Bad und lege mich anschließend (komplett bekleidet) aufs Bett, um kurz Pause zu machen und ein wenig Internet zu lesen.
K. läuft mit einer Tasse Kaffee in der Hand an der offenen Schlafzimmertür vorbei Richtung Büro, sieht mich auf dem Bett liegen, biegt ab, stellt die Kaffeetasse auf die Kommode und beginnt sich ausziehen. In westfälisch-erotischer Nahkampfkleidung (Unterhose und Socken) legt er sich neben mich aufs Bett und murmelt irgendetwas neckisches à la "Bettlaken müssen eingesaut werden". Ich ignoriere ihn tapfer, weil mich diese Restbekleidung (vor allem die Socken) sonst nur zu spitzen Bemerkungen provozieren würde und lese weiter in meinem Handy rum. Er steht wieder auf, holt sich seinen Kaffeepott von der Kommode, legt sich erneut aufs Bett, angelt nach seiner Brille, rutscht dabei irgendwie ab und schüttet reichlich Kaffee auf das frisch bezogen Bett.
Damit ist auch das Bettlaken gründlich eingesaut, mission accomplished, endlich können wir ohne störende Zweitvorhaben in Ruhe im Bett weiter Internet lesen
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Donnerstag, 31. August 2017
MWM#9
Gestern habe ich mich über meinen Westfalenmann geärgert. Richtig doll und gründlich, ich war ganz ungemein mordsmäßig sauer.

Was er in Summe alles verbrochen hat, weiß ich gar nicht mehr so genau, aber als ich morgens aufwachte, war ich immer noch unendlich stinkig und eingeschnappt. Immerhin erinnere ich mich daran, dass wir zusammen ins Kino gegangen sind, er schon mal vor lief, weil ich erst noch die Eintrittskarten ordentlich in meiner Handtasche verstauen musste, und sich dann in dem zu zwei Drittel leeren Kino gleich in der ersten Reihe auf einen einzelnen freien Platz zwischen zwei Menschen setzte und das völlig normal fand. Als ich schließlich etwas verwirrt vor ihm stand und ihn fragte, ob das sein Ernst sei, dieser Platz, weil ich eigentlich annahm, dass er mich damit nur verschaukeln wollte, antwortete er sehr fröhlich und gänzlich unbefangen, dass das doch ein sehr schöner Platz sei. Er könne da alles sehen, weil ja keiner vor ihm sitzt und die Sicht versperre und da hinten (wedelnde Handbewegung zur Seite) seien doch noch reichlich Plätze für mich frei, ich würde bestimmt auch einen schönen Platz finden.
Irgendetwas war noch vorher passiert, weil ich eh schon sauer auf ihn war, als wir ins Kino gingen, aber das ist im Traumnebel nach dem Aufwachen verschwunden, zurück blieb nur dieses Gefühl der ungeheuren Empörung ob seiner dreisten Unverschämtheit, sich einfach nur für sich alleine einen Platz zu suchen und sich einen feuchten Kehrricht darum zu scheren, wo ich mich hinsetze bzw. es überhaupt nicht wichtig zu finden, dass wir zwei Plätze nebeneinander finden. Ich meine, wir waren im KINO, da ist doch romantisches Turteln, Händchenhalten und Küssen oberste Pärchenpflicht - aber nein, mein stoffeliger Westfalenmann hat damit natürlich mal wieder nichts am Hut und kann gar nicht verstehen, dass ich beleidigt bin.
Das war natürlich mal wieder so richtig TYPISCH!
Als ich aufwachte war ich immer noch so sauer, dass ich meine Schimpftirade aus dem Traum fließend im Wachsein fortgesetzt habe, und, wie nicht anders zu erwarten und auch hier wieder absolut TYPISCH: Er hat überhaupt nicht verstanden, warum ich sauer war
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Dienstag, 25. Juli 2017
Vegan
"Da müssen die doch eine Warnung drauf anbringen!" mein Westfalenmann schaut entsetzt auf eine unscheinbar verpackte Tüte Nudeln, die er unbedarft und bedenkenlos einfach als erste aus dem Nudelangebot gegriffen hatte und wirft sie angeekelt zurück ins Regal, als ich ihn darauf hinweise, dass er da nicht nur die teuerste, sondern auch noch eine vegane Nudelvariante aus dem reichhaltigen Nudelsortiment dieses Edel-Edekamarktes erwischt hat.

"Vegan, pfui, da ist dann ja noch nicht mal ein Ei drin."
Mein Westfalenmann und vegan in einem Satz zusammen geht nur, wenn gleichzeitig auch viele Ekelzeichen darin vorkommen und dass er ohne meine Warnung so eine gefährliche Nudeltüte fast gekauft und schlimmer noch, dann wahrscheinlich sogar gegessen hätte, empört ihn zutiefst.

Grundsätzlich hat er ja gar nichts gegen Gemüse und Co., aber gegen das "Öko-Diktat der Möchtegern-Weltverbesserer" rebelliert er mindestens genauso verbissen, wie diese Menschen im Gegenzug für ihre Ideologie kämpfen.
Ich finde es immer spaßig, das zu beobachten, beide Seiten, weil ich beide Seiten nicht wirklich ernst nehmen kann. Ich bin einfach kein Typ für Ideologien, weder um danach zu leben, noch um sie konsequent zu umgehen. Ist mir beides schlicht zu anstrengend.
Aber für viele Menschen ist vegan ja das neue katholisch, und als guter Katholik muss man dann natürlich die Veganer als Ketzer verdammen
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Mittwoch, 25. Januar 2017
Das angefangene Sein
oder wie ich lernte, meinen Westfalenmann zu verstehen.

Als ich vor nunmehr fast neun Jahren vom Rheinland ins Westfalenland zog, musste ich mich nicht nur daran gewöhnen, dass das Leben als Fußgänger hier komplett andere Risiken birgt als ich das aus dem Rheinland kannte, sondern auch an einige sprachliche Besonderheiten, die mich teilweise bis heute amüsieren.
Ein reflexhaftes Dauergrinsen löst bei mir die westfälische Perfektform des Verbs "anfangen" aus. Für einen Westfalen ist "anfangen" nämlich ein intransitives Verb der Zustandsänderung. Zumindest konjugiert er es so. Er hat nicht angefangen etwas zu tun, sondern er ist angefangen.
Wenn man erst mal mit der westfälischen Mentalität vertraut ist, erschließt sich einem diese sprachliche Anwendung aber durchaus, denn natürlich verändert sich ein Westfale im Zustand, wenn er beginnt etwas zu tun. Von einem Westfalen im Regelzustand verändert er sich in einen Westfalen im Ausnahmezustand. Er ist angefangen. Er ist damit kein vollständiger Westfale mehr, sondern ein angefangener, einer, bei dem etwas fehlt, so wie bei einem angefangenen Laib Brot. Ganz klar eine Zustandsänderung, deshalb ist jeder Westfale auch stets dringend bemüht, diesen Zustand wieder zurückzuändern, weshalb "anfangen" für ihn selbstverständlich ein zeitlich begrenztes, abgeschlossenes Geschehen ausdrückt. Er möchte damit so schnell wie möglich wieder aufhören, wer ist auch schon gerne angefangen.
Viele Bewegungsverben können sowohl ein andauerndes Geschehen als auch ein zeitlich begrenztes, abgeschlossenes Geschehen ausdrücken. Im ersten Fall stehen sie in der Vergangenheit mit haben, im zweiten Fall mit sein.
Wenn man das alles weiß und bedenkt, ist es völlig normal, dass Westfalen immer nur angefangen sind etwas zu tun, auf keinen Fall soll das ein Dauerzustand sein.

Das gefährliche Leben eines Fußgängers in Westfalen und in einer potenzierten Form das Leben eines Fußgängers in Münster ist dagegen ein Zustand, in dem bin ich bis heute (an)gefangen. Ob ich mich daran je gewöhnen werde, wage ich ernsthaft zu bezweifeln, ich übe es allerdings auch nur so selten wie möglich, weil ich dafür schlicht zu wenig Mut habe.
Und Verstehen werde ich es wohl auch nicht mehr so richtig.
Im Rheinland werden Fußgänger von Autos totgefahren. Das weiß man, aber das ist auch ein kalkulierbares und vor allem ein trainierbares Risiko, mit ein wenig Übung kann ich den meisten Gefahrensituationen gut vorbeugen. Vorm Überqueren der Straße erst nach links, dann nach rechts und dann noch mal nach links schauen - das lernt man schon als Grundschulkind und das hilft auch enorm beim Nichtüberfahrenwerden. Wenn man sonst noch beachtet, dass es halt Bürgersteige für Fußgänger und Straßen für Autofahrer gibt und man sich nicht ohne Grund und vor allem ohne maximale Vorsicht im Revier des anderen bewegt, sind die allermeisten potentiellen Unfälle auch schon vermieden.
Es bleiben einzelne Ausreißer. Natürlich passieren noch Unfälle, bei denen Fußgänger von einem Auto überfahren werden, aber absolut gesehen ist das kein Alltagsgeschehen, sondern tragische Einzelsituationen.

In Westfalen dagegen geht die Gefahr nicht von den wilden Autofahrern aus, ganz im Gegenteil, die sind in Westfalen deutlich zivilisierter als im Rheinland und halten sogar vor einem Zebrastreifen, wenn ein Fußgänger da wartet und über die Straße gehen möchte - ein Erlebnis, was meine nach Westfalen umgesiedelten Kinder in den ersten Monaten in ihrer neuen Heimat gar nicht oft genug bestaunen konnten. Aus lauter Faszination darüber, dass die westfälischen Autofahrer tatsächlich vor einem Zebrastreifen anhalten, haben sie sich ganze Nachmittage mit dem Überqueren von Zebrastreifen vergnügt. Immer wieder hin und zurück und wieder hin und wieder zurück - ich glaube, sie haben sich gefühlt wie ein Raubtierdompteur, der bisher nur mit Tigern zutun hatte und plötzlich auf einen Trupp dressierter Meerschweinchen trifft. Im Rheinland wären sie bei diesem Spiel spätestens beim dritten unkontrollierten Überqueren des Zebrastreifens niedergemäht worden, da wird den Kindern halt eingebläut: "Erst nach links, dann nach rechts und dann noch mal nach links gucken, egal welchen Übergang auf der Straße du wählst. " - und das gilt vorsichtshalber auch für grüne Ampeln, denn auf der Straße fahren die Autos und im Zweifel sind die stärker.

Worauf man im Rheinland aber so gut wie gar nicht aufpassen muss, weil es davon kaum welche gibt, das sind Fahrradfahrer. Es gibt natürlich Fahrradfahrer, aber eher draußen im Grünen und am Wochenende und nicht im Alltag tagsüber im Stadtverkehr. Im Stadtverkehr fahren die Fahrradfahrer Auto, wäre ja auch sonst viel zu gefährlich. Denn die Straße ist für die Autos und die Bürgersteige sind für die Fußgänger, für Fahrradfahrer gibt es also gar keinen Platz, außer draußen vor der Stadt auf den Feldwegen und deshalb fahren Fahrradfahrer im Rheinland nur am Wochenende rum, das ist da eben so.

In Westfalen fahren die Leute aber Fahrrad statt Auto, zumindest sehr, sehr viele. Und in Münster fast alle. Und die meisten fahren dann auch noch so schnell wie möglich, man möchte ja schließlich ankommen und ist kein nutzloser Wochenendfreizeitradler. Die einzigen Autos, die in Münster rumfahren, sind unvorbereitete Touristen oder unbelehrbare, zugezogene Nichtwestfalen. Deshalb sind die Autofahrer auch so freundlich zu den Fußgängern und halten vorm Zebrastreifen, denn in jedem zugezogenen Autofahrer steckt ja auch ein wenig Fußgänger, zumindest Teilzeitfußgänger, lässt sich ja gar nicht vermeiden. Autofahrer und Fußgänger kommen in Westfalen sehr gut miteinander aus.
Eine echte Feindpartei dagegen sind die Fahrradfahrer. Die sind überall und kennen überhaupt keine Freunde. Und keine Rücksicht und keine Regeln und auch sonst nur sehr wenig. Fußgänger sind für sie einfach nur lästige Verkehrshindernisse, oder, ein Eindruck, der sich mir immer mehr aufdrängt, beliebte Slalompömpeltrainierobjekte. Man versucht sie nicht umzufahren, aber man bekommt nur Punkte, wenn man mit maximaler Geschwindigkeit und so dicht wie möglich dran und drumherum vorbeiwitscht. Und wie beim Slalomfahren normal, klappt das nicht immer fehlerfrei. Aber deshalb muss man ja auch dauernd weiterüben.
Fahrradfahrern gehört dabei der gesamte öffentliche Raum, Fußgängerzonen, Bürgersteige, ja sogar Shoppingmalls - alles Fahrradfahrergebiet, warum sollte man absteigen?

Als zugezogener Autofahrer in Münster nehme ich die Kriegserklärung an und betrachte meine Verkehrsteilnahme als sportliche Herausforderung. Aber als Fußgänger traue ich mich dort nicht auf die Straße, viel zu gefährlich und auch nicht trainierbar, aus meiner Sicht. Im Unterschied zu Autos, die man ja wunderbar hören kann, wenn sie in der Nähe sind, taucht so ein rasender Fahrradfahrer ohne jedes Geräusch aus dem Nichts auf und das noch an Stellen, wo man überhaupt nicht damit rechnet. Wenn sie nur auf der Straße fahren würden, könnte man sich ja noch irgendwie drauf einstellen, würde man sie halt wie Autos, die man nicht hört, behandeln, aber immerhin wären die Gebiete geklärt. Aber auf Fahrradfahrer, die mich umfahren, nur weil ich als Fußgänger auf dem Bürgersteig ohne zu gucken einfach mal zwei Schritte zur Seite gemacht habe - darauf fällt es mir sehr schwer, mich passend vorzubereiten
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Dienstag, 3. Januar 2017
Der Spruches Tages
kam von Joscha, der einen aufkommenden Streit zwischen meinem Westfalenmann und mir kurzerhand dadurch abwürgte, indem er mir erklärt, dass ich nicht westfälisch genug sei, um K.s Bemerkung zu den Arbeitsgewohnheiten des L. überhaupt verstehen zu können. Der L. ist nämlich immer schon um 5h im Büro, weil er da so herrlich ungestört arbeiten kann.
Dass der L. immer schon um 5h im Büro ist, bemerkt mein Herr K. in recht regelmäßigen Abständen. So alle drei bis sechs Monate stellt er fest, dass der L. immer schon um 5h im Büro ist. Und immer, wenn ihm das einfällt, erzählt er mir das auch, mit einer ausführlichen Erklärung, warum der L. das macht. Okay, westfälisch ausführlich, aber es sind jedesmal mindestens drei bis vier Sätze, die er dazu erläutert, die bei mir natürlich den Eindruck erwecken, er will mir was wichtiges mitteilen. Denn so ein Redeschwall ist sonst ja eher ungewöhnlich.
Als mein Herr K. mir das erste Mal von den frühen Arbeitszeiten des L. erzählte, war ich deshalb sehr bemüht, das Thema ernsthaft aufzugreifen und tiefsinnig über die möglichen Gründe für diesen grundsätzlich doch eher ungewöhnlichen Arbeitsrhythmus zu disputieren. Ich lernte jedoch schnell, dass mein Herr K. da gar nicht weiter drüber reden will. Vielleicht ist er von dem langen Redeschwall erschöpft, das weiß ich nicht, denn drei bis vier Sätze an einem Stück sind ja schon viel, vielleicht gibt es aber auch andere Gründe, die mich seitdem durchaus interessieren. Ich reagiere deshalb jedesmal anders, wenn K. mal wieder die Arbeitszeiten des L. erwähnt, wobei ich bisher aber weder die richtige Reaktion gefunden habe, noch eine Erklärung, warum K. nach der Erzählung das Thema nicht weiter diskutieren möchte.
Heute also war es mal wieder soweit, K. berichtete ausführlich von L., der jeden Morgen schon um 5h im Büro ist und ich antwortete fröhlich: "Ja fein, dann mach das doch auch."
Erwartungsgemäß schnappte K. sofort ein, weil für ihn das Thema nach seiner Rede ja beendet war und erklärte mir knapp, dass er das damit gar nicht hätte sagen wollen. Solche Vorlagen lasse ich mir natürlich nicht entgehen und fragte neugierig zurück, was er denn sonst damit hätte sagen wollen und richtete mich schon amüsiert auf einen netten Streit ein, aber genau da ging J. dazwischen und bremste mich aus, indem er mir mangelndes Westfalenverständnis attestierte.
Westfalen sagen sowas eben manchmal so, sie wollen dann gar nichts damit sagen, weder damit noch dadurch oder danach oder irgendetwas anderes Kompliizertes.
Sie wollen es einfach nur so sagen und dann ist auch wieder gut. Sie sind eben so.
Aber vielleicht finde ich meinen Westfalenmann auch genau deshalb so ungemein witzig.
Er sagt es eben einfach so, er will schließlich auch mal was sagen. Damit das dann aber nicht zu anstrengend wird, benutzt er gern Altbewährtes. Wenn er sich tatsächlich mal die Mühe gemacht hat, vier bis fünf Sätze als ganze Geschichte auszuformulieren, wäre es doch Verschwendung, wenn er so einen Text dann nur einmal vorträgt. So alle drei bis sechs Monate ist so eine Geschichte doch so gut wie neu. Und dann ist ja auch erst mal wieder gut, mit dem Geplauder
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Samstag, 31. Dezember 2016
An MWM
Weißt du noch, damals, als wir um Mitternacht gemeinsam am Strand standen, dem Feuerwerk zusahen und uns über unseren ersten gemeinsamen Jahresanfang freuten?
Du sagtest mir damals, ein neues Jahr ist für dich wie ein Berg, der vor dir liegt und bestiegen werden muss. Am Anfang sieht man noch wenig und weiß auch nicht, was noch alles vor einem liegt. Man kann nicht beurteilen, was das Jahr einem bringen wird, welche Probleme einen erwarten, aber auch welche Glücksmomente das Jahr für einen bereithält. Ein ganzes Jahr liegt vor einem, frisch und unberührt, unentdeckt und unbestiegen, voller Abenteuer, Herausforderungen und Chancen.

Das Jahr beginnt an Silvester mit einem Feuerwerk im Dunkeln. Es folgen kurze Tage, lange Nächte, doch das Feuerwerk sagt einem, dass es noch ganz viel zu entdecken gibt, dass nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint und dass sich alles ständig verändert.
Je höher dann die Sonne steigt, je länger die Tage werden, umso weiter voran man im Jahresverlauf schreitet, umso klarer werden die Konturen, bis man zur Midsommernacht auf dem Berggipfel angekommen ist. Lange Tage, kurze Nächte, der Aufstieg ist geschafft, jetzt liegt die zweite Hälfte des Jahres vor einem, aber von jetzt an geht auch alles viel schneller. In sechs Monaten ist schon wieder Weihnachten, die Zeit fliegt nur so an einem vorbei, die Aufgaben des Jahres sind längst gestellt, aber noch lange nicht erfüllt, der Abstieg vom Berg ist längst nicht so geheimnisvoll wie der Aufstieg. Noch sind die Tage lang und man möchte sie am liebsten anhalten und auf ewig genießen, aber das Jahr dreht sich weiter, der Berg ruft und mahnt zum Weitergehen. Noch so viel zu tun und nur noch so wenig Jahr.
Und dann ist auch schon wieder Herbst und das Jahr neigt sich dem Ende zu, man blickt zurück, sieht den Berg, den man bestiegen und gemeistert hat, schaut nach vorne und sieht den nächsten Berg.

Heute ist Silvester, wir haben in den letzten Jahren viele Berge gemeinsam bestiegen und gemeistert und ich schaue voraus.
Noch sieben Berge, dann beginnt eine ganz neue Landschaft.
Denn dort hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen, da liegt das Schneewittchenland, im Mondweg am See. Darauf freue ich mich schon sehr, doch bis dahin besteigen wir die zunächst die sieben Berge und durchwandern dabei noch viele unbekannte Länder.
Der erste der sieben Berge beginnt Morgen, ich bin schon sehr gespannt
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Freitag, 30. Dezember 2016
Bag to life
Zwei Wochen vor Weihnachten war ich ja mit N. auf dem Flohmarkt in Greven, wo ich für den Wahnsinnspreis von 1,- € das absolut perfekte Weihnachtsgeschenk für meinen Privtapiloten gefunden habe. Ich bin meinem Westfalenmann dann zwei Wochen täglich damit gewaltig auf die Nerven gegangen, weil ich ihm ständig erzählen musste, dass ich das absolut tollste Weihnachtsgeschenk für ihn habe, dass er das aber niemals erraten könnte, weil er bisher auch gar nicht wisse, dass es ihm fehlt. Wenn er es aber erst einmal gesehen hat, dann will er nie mehr etwas anderes, dass er das im übrigen auch in seinem Fliegerei-Spezial-Shop kaufen könne, da würde es aber weit über 100€ kosten und dann würde er es sich wahrscheinlich aus lauter Geiz doch nicht kaufen, dass ich es ihm aber jetzt einfach schenke, weil ich viel weniger bezahlt habe und überhaupt und sowieso und die witzigeste Idee ever eben. Nach drei Tagen konnte er es schon nicht mehr hören, nach einer Woche drohte er mir regelmäßig Schläge an, wenn ich weiter davon erzähle - aber als er es dann Weihnachten endlich geschenkt bekam, hat er es zunächst gar nicht begriffen. Genau das hatte ich jedoch auch vorausgesagt.
Und so sieht das Geschenk aus:
BSG to life

Es ist eine Tasche, die aus ehemaligen Rettungswesten gefertigt wurde, ich finde schon den Namen der Firma - Bag to life - prächtig. Aber in Kombination mit der äußerst praktischen Notwendigkeit, dass K. sowieso eine Tasche braucht, in der er die gesetzlich vorgeschriebenen Schwimmwesten transportiert, die bei Flügen über Wasser verpflichtend mitgeführt werden müssen, ist das einfach nur eine Top-Idee.
Bei Chartermaschinen, mit denen ständig andere Piloten unterwegs sind, gehören die Rettungswesten nicht zur Flugzeugausstattung (es werden ja auch nicht gewerblich Passagiere transportiert), sondern jeder Pilot muss selber darauf achten, dass er welche besitzt und auch dabei hat, wenn er einen Flug über Wasser plant. K. hat seine Schwimmwesten bisher in einem schäbigen Stoffbeutel transportiert und ich habe immer gewitzelt, dass wir die Tüte nie im Flieger finden, wenn wir die Dinger tatsächlich mal gebrauchen sollten.
Aber diese quietschegelbe Tasche ist jetzt nicht mehr zu übersehen, sie hat außerdem oben einen Reißverschluss, der sicherstellt, dass keine der eingepackten Rettungswesten rausfällt und zudem ist es doch wohl einfach nur perfekt, Rettungswesten in einer Tasche zu transportieren, die aus einer Rettungsweste gemacht ist.
Nachdem ich meinem Westfalenmann all diese Vorzüge dieses unübertrefflich genialen Weihnachtsgeschenks ausführlich erläutert habe, hat er schließlich auch begriffen, dass er kaum was tolleres hätte bekommen können
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Freitag, 25. November 2016
MWM#8
Eine meine liebsten Geschichten ist die der Kugelmenschen



Ich bin ja nun wirklich viele Jahrzehnte in der Weltgeschichte rumgeeiert und habe nach der zweiten Hälfte gesucht, die die Götter früher mal abgetrennt haben. Unterwegs, also während der Suche, habe ich andere halbe Kugeln getroffen, die auch suchten, und weil wir feststellten, wenn wir uns zusammentun, dann können wir uns wenigstens gegenseitig als Prothese dienen und fühlen uns dann nicht ganz so unvollständig, haben wir uns eben zusammengetan, beide wohl wissend, dass wir nicht das jeweilige endgültige Gegenstück sind, aber immerhin war es so besser als gar nichts.
Als ich CW traf, dachte ich übrigens tatsächlich eine Zeitlang, wir gehören als echte Kugelhälften zusammen, und dass die Probleme, die wir ja regelmäßig beim Zusammenfügen hatten, daran liegen, dass wir beide zu lange als Einzelhälften rumgeirrt waren und so die Schnittflächen nicht mehr ganz frisch sind, sondern dass sich da schon kleine Narbenwucherungen ergeben haben, wie es halt passiert, wenn man zwei Teile trennt und sie zu lange nicht wieder zusammenfügt.

Heute, wo ich meine tatsächlich richtige zweite Kugelhälfte gefunden habe, weiß ich, dass CW und ich zusammenpassten wie zwei Puzzlestücken, die beide hauptsächlich Himmel zeigen und irgendwie auch ähnlich ergänzend geformt sind, aber für die 100%ige Passform fehlte eben noch der letzte Rest Perfektion, weshalb es bei uns ständig knirschte, wir aber wussten, wir gehören immerhin in dieselbe Familie.

Denn ja, heute bin ich ganz sicher, dass ich genau die zweite Hälte der Kugel gefunden habe, mit der gemeinsam ich früher zu einem einheitlichen Menschen gehörte.
Dieses Gefühl, endlich angekommen zu sein, sein eigenes alter ego gefunden zu haben und sich rundum vollständig zu fühlen, dieses Gefühl ist unbeschreiblich und doch drängt es mich so, dafür Worte zu finden. Worte wie Glück, Ruhe, Freude, Spaß, Unsinn, Schlaf, Augen zu, fallen lassen, Vertrauen, unendlich, immer wieder, Ewigkeit und jeden Tag neu, Lachen, Duft und Verlangen, zusammen, gemeinsam und nie mehr allein.

Ich liebe ihn
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Samstag, 4. Juni 2016
MWM #7
Dass mein WM in vielen Dingen ein sparsamer Mensch ist, habe ich ja schon beschrieben.
Seine Sparsamkeit konzentriert sich dabei nicht nur auf die sorgfältig überlegte Verwendung von Worten, ihm ist auch jede Art von Materialverschwendung zutiefst zuwider.

Im Unterschied zu CW kann er (zum Glück!!) sehr wohl Dinge weg werfen, aber alle Verbrauchsmaterialien werden bis zum letzten Milligramm "ausgenutzt", was bedeutet, dass zum Beispiel eine Zahnpastatube erst dann entsorgt werden darf, wenn sie so leer ist, dass sich im Inneren der Tube maximal noch ein Vakuum befindet.

Im Laufe der Jahre habe ich aufgehört, das mit spitzen Bemerkungen zu kommentieren, sondern frage jedes Mal erst sorgfältig um Erlaubnis, ob ich eine meiner Meinung nach leere Zahnpastatube wegwerfen darf. Üblicherweise schaut er dann die Tube an und antwortet: „Da ist doch mindestens noch für drei Wochen Zahnpasta drin."
Ab dem Moment ist er für die nächsten drei Wochen dafür zuständig, mir die Zahnpasta auf die Bürste zu quetschen.

Neulich war die Zahnpastatube wieder alle, ich habe sie ihm ordnungsgemäß gebracht und: Er hat sie einfach in den Müll geworfen, obwohl mindestens noch fünf Gramm Zahnpasta drin gewesen sind.

Wahrscheinlich werden täglich in Deutschland tausende von Zahnpastatuben weggeworfen, in denen noch viel mehr Restinhalt verblieben ist, aber eben nicht von meinem Westfalenmann. Das hat er noch nie getan.

Jetzt bin ich sehr besorgt, ob es ihm gut geht, ob alles in Ordnung ist oder ob ich mit ernsthaften weiteren Ausfällen rechnen muss.
Wär wirklich schade drum, ich hab mich inzwischen schon so gut an ihn gewöhnt, so wie er ist
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Samstag, 21. Mai 2016
MWM#6
Heute gelernt: Mein Westfalenmann redet genausoviel wie ich, er braucht dafür nur deutlich weniger Worte
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